Amazon und die Leiharbeit Teil II: Das hat mir keiner gesagt!

Die Story um Amazon und die Leiharbeit erstaunt mich immer mehr. Ist denn schon Sommerloch oder warum wird jedes noch so peinliche „Tagebuch“ – hier die dramatischen Erlebnisse einer deutschen Studentin – großflächig vermarktet? Oder ist die Amazon-Schlammschlacht einfach gut für die Quote und man springt schnell mal auf den Ausbeuterzug auf?

Amazon, Leiharbeit
Beutet Amazon etwa auch deutsche StudentInnen aus? (Lizenz: Wikipedia public domain)

Jedenfalls bin ich diese Woche dank Jan über „Das Tagebuch einer Amazon-Packerin“ in der FAZ.net gestolpert.

Beutet Amazon auch deutsche StudentInnen aus?

Eine Frau lässt sich, laut FAZ online, auf das Inserat des Zeitarbeitsunternehmens Studitemps, spezialisiert auf die Vermittlung von Studenten in Aushilfsjobs und Praktika, ein. Für 9,50 Euro pro Stunde könne man in Koblenz oder Augsburg hinter die Kulissen eines global arbeitenden Unternehmens blicken. Unterkunft und zwei Mahlzeiten am Tag werden außerdem vom Unternehmen gestellt. „Warum nicht?“, dachte sich die Frau und sagte für drei Wochen zu.

Für 9,50 Euro die Stunde inklusive Kost und Logis in der Hauptgeschäftszeit (Vorweihnachtszeit) in ein Unternehmen reinschnuppern, klingt ja wirklich nach einem coolen Job. Der gesunde Menschenverstand sollte einem aber auch sagen, dass das neben dem Schnuppern auch mit Arbeit verbunden sein könnte.

Wenn ich das gewusst hätte…

Anfang Dezember, also zur Amazon-Hauptsaison, geht es los. Rund 60 „verliehene“ StudentInnen werden am Bahnhof von Mitarbeitern der Personalvermittlung in Empfang genommen. Ein Drama nimmt seinen Lauf.

  • Einsatzort ist nicht Augsburg direkt sondern Graben im Landkreis Augsburg. Unfassbare 20 Kilometer entfernt. Dummerweise hat Amazon dort sein Logistikzentrum errichtet.
  • Zwischen Unterbringung und Einsatzort liegen 60 km.
  • Zum Restaurant und damit zu den inklusive Mahlzeiten muss man fünf Minuten zu Fuß gehen.
  • Das Essen hat nicht geschmeckt.
  • Getränke müssen selbst gezahlt werden.
  • Die Zeit fürs Essen und den Weg von und zur Arbeit wird NICHT auf die Arbeitszeit angerechnet.
  • Die Schicht kann nicht frei gewählt werden.
  • Man hat nur einen Tag in den drei Wochen frei (ob gesamt oder pro Woche ist nicht eindeutig zu entnehmen)
  • Einweisung erfolgte nur auf Deutsch – soweit die Frau das mitbekommen hat.
  • Man muss eine Stunde (bezahlt?) auf einen Mitarbeiter für die Einweisung warten.
  • Man muss Stunden (bezahlt?) auf Arbeitsmaterial warten.
  • Arbeitsschuhe und Handschuhe gibt es nicht für alle. Erst werden die Mitarbeiter mit dem größten Risiko versorgt.
  • Die stehende und körperlich belastende Arbeit ist mit Rückenschmerzen und wunden Händen verbunden. Auf Anfrage! werden Arbeitshandschuhe gestellt.
  • Die Wege in und aus der Pause werden auf die Pausenzeit angerechnet.
  • Es gibt „Aufseher“.
  • Die „Aufseher“ achten darauf, dass man sich nicht zu oft vom Arbeitsplatz entfernt und „schüchtern ein“.
  • Nach der Arbeit ist man zu müde für den Mitternachtssnack.

 

Liebe Frau A-Z

Leider kann ich Sie nicht mit Ihrem richtigen Namen ansprechen. Der muss geheim bleiben, weil Sie – so die FAZ online – bei Amazon eine Verschwiegenheitserklärung bezüglich Firmeninterna unterzeichnet haben.

Es tut mir echt leid, was sie da drei lange Wochen alles erleiden mussten. Stellen Sie sich nur mal vor, Sie seien fest angestellt und müssten das jeden Tag ertragen. Unfassbar! Da würden Ihnen auf Dauer auch die festen Arbeitsschuhe, die übrigens in den ersten Tagen und Wochen krass drücken und reiben, wenn sie neu sind, nichts mehr helfen. Knie und Rücken wären dauerhaft stark belastet und Hand-Model könnten Sie vermutlich auch nicht mehr werden.

Wenn ich nicht zur Firma will, könnte die Firma einfach zu mir kommen

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine weite Entfernung zum Arbeitsort blöd ist. Ich bin ein Jahr lang täglich gut je 50 km hin und zurück gefahren. Mit dem eigenen Auto, selbst bezahltem Sprit und die Fahrtzeit wurde nicht auf meine Arbeitszeit angerechnet. Eine Unverschämtheit ist das. Ausbeuterei! Man hat ja keine Freizeit mehr. Und im Winter musste man sogar noch früher los. Dabei konnte man doch nichts für Schnee und Eis. Mehrfach habe ich vorgeschlagen, den Firmensitz doch bitte in meine Nähe zu verlegen. Man wollte nicht! Arbeitgeber sind ja so unflexibel. Ich sag’s Ihnen. Das glaubt man nicht.

Und dann die Pausen. Wie eingeschränkt man da war. Ok, ich konnte auch länger als eine Stunde wegbleiben, wenn ich mal in der nächstgelegenen Stadt essen wollte. Aber stellen Sie sich vor: Diese Zeit musste ich nacharbeiten! Unverschämt sage ich Ihnen. Ganz unverschämt. Als ob man das mit der 40 Stunden Woche sooo genau nehmen müsste.

Dazu immer noch diese Kontrollen. Wie weit bist Du mit dem Projekt? Wann veröffentlichst Du den nächsten Artikel? Was hast Du für den 1. April geplant? Kannst Du mir mal schnell einen Text hierfür liefern? Nein, den brauche ich wirklich sofort, sonst können wir nicht online gehen. Wie ein Mensch zweiter Klasse fühlt man sich da. Nur weil sie einem monatlich Geld bezahlen, denken die doch gleich, sie dürften was von einem verlangen. Ausbeuter sag ich da nur!

Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!

Ich weiß, ich weiß. Das alles ist nicht mit Ihrem Leid zu vergleichen, denn ich wusste ja, was auf mich zukommt. Ich habe im Vorfeld nachgefragt, wo ich genau arbeiten muss. Wie viele Tage ich frei habe. Wie weit der tägliche Fahrweg ist. Welche Arbeitsmaterialien es gibt und was ich mir selbst zulegen muss. Wie die Zielvereinbarungen aussehen und wie sie kontrolliert werden.

Ja, Sie lesen richtig. ICH wusste solche Details. ICH habe nämlich einfach mal vorher gefragt. Ok, mag daran liegen, dass ich aus einem naturwissenschaftlichen Studiengang komme, in dem das Hinterfragen unabdingbar ist. Wobei, wenn Sie mit einer studentischen Arbeitsvermittlung zusammenarbeiten, sollten wir uns vom Hintergrund ja nicht so sehr unterscheiden.

Es kann also auch einfach sein, dass ich ein Stückchen näher am realen Leben bin, als Sie. Und das ist nun mal für die wenigsten Menschen so komfortabel und bequem wie für Sie und mich. Solange wir Dinge, die wir heute ganz bequem von zuhause aus bestellen, für wenig Geld morgen auf dem Tisch haben wollen, so lange wird es Menschen geben, die beim Verpacken unter Zeitdruck leiden müssen. Deren Rücken dauerhaft geschädigt wird und deren Hände zerschnitten sind. Bis es für diesen Job Roboter gibt und die Menschen, die durch sie ersetzt werden, sich einen anderen, noch schlechteren Job suchen müssen. Einfach nur, weil sie weniger Glück im Leben hatten als Sie und ich.

Liebe Frau A-Z, seien Sie mir nicht böse. Aber was Sie in Ihrem Tagebuch treiben, ist Meckern auf hohem Niveau. Und ganz nebenbei ein Schlag ins Gesicht all derer, die mit der gleichen Tätigkeit ihr Leben und ihre Familien finanzieren.

Mit freundlichem Gruß

Eine Leserin, die sich bei Ihrem Geflenne die Ironie nicht mehr verkneifen konnte.

Mehr zum Thema „Amazon und die Leiharbeit“:

Wahljahr oder warum steht Amazon nochmal am Pranger?

Wahljahr oder warum steht Amazon nochmal am Pranger?

Amazon, LeiharbeitAmazon lässt Leiharbeiter zu Dumpinglöhnen arbeiten, hält sie unter schlechtesten Bedingungen und lässt sie durch Rechtsradikale überwachen. So könnte man die Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ der ARD von Mittwoch, 13.02.2013, polemisch zusammenfassen. Ob dieser Blick hinter die Kulissen die „Hauptsache schnell und billig“ – Mentalität tatsächlich beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. 

  • Mittwochabend, kurz vor 23 in deutschen Wohnzimmern. Bei der ARD flimmert Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon  über die Mattscheibe. Dokumentiert wird die Situation ausländischer Saisonarbeiter bei Amazon. Bequem frei Couch und in HD.
  • Für das Weihnachtsgeschäft wirbt Amazon Tausende Mitarbeiter als befristete Aushilfskräfte auch im Ausland an. Die Verträge werden über eine Leiharbeiterfirma abgewickelt. Die Stundensätze sind – wen wundert es – unter Tarif.
  • Die Unterbringung erfolgt unter anderem in einem Freizeitpark unter – so die Reportage – sehr einfachen Bedingungen. Privatsphäre ist Fehlanzeige.
  • Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sind omnipräsent. Angeblich viele davon mit rechter Gesinnung. Es herrsche ein Kultur der Angst.
  • Eine Anbindung an das öffentliche Leben mit Einkaufsmöglichkeiten oder Lokalen gibt es nicht. Der Transport zum Arbeitsplatz erfolgt laut Reportage viel zu selten und schlecht auf die Dienstpläne abgestimmt in völlig überfüllten Bussen.
  • Kurzfristige Entlassungen von einem Tag auf den anderen sind an der Tagesordnung. Innerhalb von 24 Stunden müssen Mitarbeiter dann die Unterkunft verlassen. Egal, welche Arbeitsdauer im Vorfeld vereinbart worden war.
Alte Informationen in neuer Verpackung

Ein Szenario, das nicht schön ist, aber auch nicht neu. Auch nicht in Deutschland. Wäre der Name Amazon nicht gefallen und hätte ich keine Bilder dazu gesehen, hätte ich gedacht, es geht mal wieder um die Erntehelfer zur Erdbeer- und Spargelzeit oder zur Weinlese. Bauern hatten medienwirksam deutschen Arbeitslosen die Jobs angeboten. Diese haben abgelehnt. Die Arbeit zu anstrengend, das Tempo zu hoch, der Lohn zu niedrig, die Unterbringung zu schlecht.

Das Ergebnis: Die eigens aufgestellten Containerdörfer werden während der Erntezeit mit Wanderarbeitern aus dem europäischen Ausland gefüllt. Busse karren sie zu den Feldern. Die Frankfurter Rundschau spricht im Juni 2012 von Ausbeutung mitten in Deutschland.

Noch schlimmer ist die Situation in anderen europäischen Ländern, z.B. in Deutschlands „Obst- und Gemüsegarten“ , dem Plastikmeer von Almeria in Spanien. „Die Gewächshaussklaven“ titelte die Gewerkschaft Verdi 2007. Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert, wie erst kürzlich eine Reportage der ARD zeigte.

Geiz ist geil – solange die Rechnung dafür andere zahlen

Doch wen stört das wirklich solange 500 Gramm Erdbeeren schon im Januar für weniger als zwei Euro zu haben sind und drei bunte Paprika mitten im Winter für 99 Cent. Und solange ich mit Amazon Prime für 29 Euro so viele Päckchen hin und her schicken kann, wie ich will. Lieferung am Folgetag inklusive. Gut, billig und schnell, das ist es doch, was der durchschnittliche Verbraucher will. Denn Geiz ist schließlich geil in Deutschland. Wer den Preis dafür zahlt, ist dabei zweitrangig.

Ich will hier keinesfalls eine Lanze für Amazon und seinen Umgang mit Mitarbeitern brechen. Das was wir in der ARD Reportage gesehen haben, ist nicht in Ordnung. Aber die Konstellationen machen es Amazon natürlich auch leicht, sich aus der Affäre zu ziehen. Für die miesen Bedingungen – Löhne, Unterbringung, Transport, Essen, etc. – ist genau genommen die Leiharbeiterfirma bzw. deren „Reiseunternehmen“ verantwortlich. Mit denen wurden Verträge geschlossen, nicht mit Amazon.

Und Amazon ist beileibe nicht das einzige Unternehmen, das zu Spitzenzeiten Leiharbeiter einsetzt. Ganze Industriezweige leben von diesem kostengünstigen und unverbindlichen „hire and fire“ Modell. Weder Politik noch Gewerkschaften wollten bzw. konnten sich bislang zu einschneidenden Schritten in Sachen Mindestlohn und Leiharbeit durchringen. Erst vergangenen Mittwoch, also just an dem Tag, an dem die ARD-Reportage gesendet wurde, sprach sich Angela Merkel beim politischen Aschermittwoch der CDU in Demmin erneut für Mindestlöhne aus. Notfalls auch gegen den Willen der FDP. Zufall? Oder Lobby-Arbeit im Wahljahr?

Neo-Nazis in Sicherheitsfirmen? Nicht nur bei Amazon

Nicht anders sieht es mit den heiß diskutierten Sicherheitsunternehmen mit angeblich rechter Gesinnung aus. Auch die wurden nicht von Amazon direkt beauftragt. Und auch hier ist das Problem schon länger bekannt. Das Thema ging ja bereits Anfang der Woche über alle Radiosender und zwar nicht nur bezogen auf eine einzelne Firma, sondern in sehr viel weitreichenderem Umfang. Evangelisch.de berichtet z.B. am 11.02.2013 darüber. Auch das ein Thema, was sich gut im Wahlkampf ausschlachten lässt. Ob Zufall oder Planung, der Sendetermin von „Ausgeliefert! ? Leiharbeiter bei Amazon“ passt prima ins politische Konzept.

Wir wussten nichts und wollen nur das Beste

Entsprechend nichtssagend fällt die Antwort aus, die Amazon am Nachmittag allen schickt, die sich via E-Mail beschwert haben. Buchreport.de veröffentlicht sie in voller Länge.  Auch in Kommentaren zum Facebook-Auftritt von Amazon ist sie mehrfach zu lesen. Im Grunde lässt sich eine DIN A 4 Seite Worthülsen auf fünf kurze Statements reduzieren:

  • man wusste eigentlich von nichts
  • man wird aber natürlich alles prüfen
  • man will für alle nur das Beste
  • ihr wollt es doch billig und schnell
  • niemand habe sich bei dem Unternehmen direkt beschwert
Ich bin ein ausgebeuteter Leiharbeiter – holt mich hier raus!

Na sowas aber auch! Ist doch wirklich keiner der eingeschüchterten, ausländischen Leiharbeiter zu Herrn Amazon gegangen und hat sich – in welcher Sprache eigentlich? – über die unhaltbaren Zustände ausgelassen. Ja selbst schuld! Das hat ganz bestimmt nicht daran gelegen, dass man Angst hatte, dann ohne Job und Geld da zu stehen und abgeschoben zu werden. Ich muss sagen, den Teil der Antwort finde ich das eigentlich Unverschämte an der Reaktion.

Was den Rest angeht: Je länger ich mich mit dem Thema befasse, desto unklarer wird mir, weshalb genau jetzt eigentlich Amazon boykottiert werden soll. Weil es bequemer ist, als sich für eine faire Lohnpolitik in Deutschland und gegen Leiharbeit stark zu machen? Weil es einfacher ist, als jeden Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens, das man beschäftigt, von Hand auf seine politische Gesinnung zu durchleuchten? Oder warum?

Aber boykottieren wir ruhig. Der stationäre Handel – der übrigens auch viele sehr gute Versandoptionen bietet – wird es uns danken. Und wir es ihm. Spätestens dann, wenn wir mal wieder auf den letzten Drücker ein Geschenk brauchen oder uns Samstag einfällt, worauf wir am Wochenende auf keinen Fall verzichten können.

Das meinen andere zum Thema:

Warum ich weiter bei Amazon bestelle aber keine Pferdefleisch-Lasagne esse
Amazon und die Leiharbeiter – Ein Skandal, der keiner ist

Noch ein Fundstück, was ich euch mit einem Augenzwinkern nicht vorenthalten möchte:

Du dumme Sau bist Schuld! von Gernot Hassknecht

Aufschrei: Frauen, zeigt endlich unsere wahre Größe!

Aufschreien statt zwitschern heißt es seit einigen Tagen auf  Twitter. Unter dem Hashtag Aufschrei (#Aufschrei) fassen Menschen in 140 Zeichen zusammen, wie sie den ganz „normalen“ Sexismus-Wahnsinn erleben. Schafft es der Tweet-Sturm, dass die Sexismus-Debatte auch jenseits des Internets wieder an Fahrt aufnimmt? Zu wünschen wäre es.

Sexismus
#Aufschrei – Bleibt es beim Sturm im Twitterglas? (Bild: Ulrike Rosina CC-BY-NC-SA)

Auf Twitter wird derzeit nicht nur gezwitschert und geflötet. Auf Twitter wird aufgeschrien. Denn unter dem Hashtag Aufschrei (#Aufschrei) schildern Tausende von Menschen, die Mehrzahl davon Frauen, wie sie sich immer wieder gegen Sexismus im Alltag zur Wehr setzen müssen. So häufig, dass vielen schon gar nicht mehr auffällt, dass sie guten Grund zur Gegenwehr haben.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte

Auslöser der Debatte: Zwei Journalistinnen, die kurz nacheinander über sexistisches Verhalten ihrer Interviewpartner berichteten. Und um das klar zu betonen, bei #Aufschrei geht es der Mehrzahl der „Aufschreier“ weder um die Inhalte dieser Interviews, noch um die beteiligten Personen, noch um den Erscheinungstermin. Sie waren nur der Tropfen, der ein ohnehin schon randvolles Fass zum Überlaufen brachte.

Selten habe ich so lange gezögert, ob und was ich zu einem Thema bloggen kann und will, wie bei #Aufschrei. Nachdem ich erst dachte, es ginge mal wieder um dämliche „alle Männer sind scheiße und wir Frauen sind die besseren Menschen“-Sprüche, habe ich mir widerstrebend die Twitter-Timeline angesehen. Doch da stand nichts von „alle Männer sind scheiße“. Da stand in 140 Zeichen das tägliche Elend, gegen das sich – überwiegend – Frauen zur Wehr setzen müssen.

Eine überwältigende Masse an „Kleinigkeiten“

Wir sprechen hier nicht von Aufsehen erregenden Einzelsituationen. Wir sprechen von „Kleinigkeiten“. Die allerdings in ihrer Masse wieder eine Menge Aufsehen erregen. Situationen, die uns – und damit meine ich nicht nur Frauen – so vertraut sind, dass wir sie nicht einmal mehr als Sexismus wahrnehmen wollen oder können. Sie sind lästig, sie sind unangenehm. Und sie sind – leider -vertraut. Spätestens bei jedem dritten Tweet am 25.02.2013 musste ich zugeben: Ok, habe ich in dieser oder ähnlicher Form auch schon erlebt.

Macht uns gegenseitig stark!

Ja, ich finde es schlimm, was da geschrieben wird, von wenigen dümmlichen Ausnahmen mal abgesehen. Aber ich finde auch, dass die Thematik zwei Seiten hat. Die, die tun und die, die tun lassen und sich selbst klein machen. Dabei rede ich nicht Täter-/Opferrollen sondern von effektiver Zusammenarbeit. Frauen lassen durch ihr Verhalten viel zu oft zu, dass Männer, aber auch andere Frauen einen Hebel gegen sie ansetzen können. Sie haben das Netzwerken längst nicht so effizient verinnerlicht, wie Männer.

Bewerten sich Frauen gegenseitig, fließen viel häufiger persönliche Antipathien mit ein. Männer beschränken sich meist stärker auf die fachliche Leistung. Denen ist es egal, ob beim Gegenüber die Hemden grundsätzlich eine Größe zu klein sind, ob es zu- oder abgenommen hat, gut oder schlecht gestylt ist. Entsprechend anders ist auch die Zusammenarbeit. Egal, ob man jemanden privat leiden kann oder nicht, wenn es um den eigenen Erfolg geht, wird auf fachlicher Ebene kooperiert. Genugtuung erfährt Mann dann zum Beispiel dadurch, dass ihn diese Zusammenarbeit erfolgreicher macht. Vielleicht sogar erfolgreicher als das Gegenüber.

Ja, ich spreche von Stereotypen

Um diejenigen zu beruhigen, die so nicht arbeiten: Ja, ich spreche hier von Stereotypen. Es gibt bei beiden Geschlechtern Menschen, die so nicht vorgehen. Es gibt aber deutlich mehr, die in dieses Muster fallen. Und es ist auch kein Appell an die Frauen, sich mit völlig überflüssigen Machtspielchen aufzuhalten, während alle bereits sachorientiert arbeiten könnten. Ich will nicht „die Sprache der Männer lernen müssen“, um im Beruf voran zu kommen.

Aber ich will auch nicht länger, dass Frauen sich gegenseitig niedermachen. Dass sie genau die Muster übernehmen, die sie an in #Aufschrei bemängeln, um vermeintliche Konkurrentinnen auszuschalten. Es ist nicht besonders glorreich, hintenrum Gerüchte zu streuen, ob sich da vielleicht jemand beim Chef hoch geschlafen zu habe. Oder Mitarbeiterinnen über ihre Äußerlichkeiten bei den Kollegen schlecht zu machen.

Halbnackte Frauen werben für billige Ware – freiwillig!

Ich möchte auch keine Werbespots mehr sehen, in denen kaum bekleidete Frauen mit dem Kauf billiger Produkte in Zusammenhang gebracht werden. Peinlich genug, dass es im 21. Jahrhundert noch Agenturen gibt, die solchen Mist verzapfen. Peinlich genug, dass es Kunden gibt, die solchen Mist in Auftrag geben. Aber warum muss es auch noch Frauen geben, die sich für solchen Mist hergeben?

Was ich sagen will: Wir Frauen müssen nicht stillhalten und auf die Erleuchtung in den Köpfen anderer warten. Auch nicht auf neue Gesetze oder auf Alice Schwarzer 2.0. Das alles ist zwar nötig, wenn sich langfristig und nachhaltig etwas für uns ändern soll.  Aber wir können – jede einzelne von uns – jetzt sofort anfangen, die Dinge zu ändern.

  • Indem wir stärker mit- als gegeneinander arbeiten
  • Indem wir unsere Netzwerke stärken und ebenso tragende Seilschaften bilden, wie es uns die Männer vormachen
  • Indem wir die Gerüchteküchen um uns herum nicht beachten und schon gar nicht schüren oder initiieren
  • Indem wir uns selbst nicht mehr unter Wert verkaufen (lassen)
  • Indem wir auf unsere Wortwahl anderen Frauen gegenüber achten. Möchten wir selbst so genannt werden?
Größe zeigen statt dulden

Leider sehe ich in den letzten Jahren eher die umgekehrte Entwicklung. Mein Eindruck ist, es gibt wieder zunehmend mehr Mädchen und Frauen, die meinen, sich von Jungs/Männern alles gefallen lassen zu müssen. Die sich klein und damit zur leichten Beute machen.

Warum orientieren wir uns nicht, bis wir die großen Dinge ändern können, an den Fischen oder Vögeln? Sie schwimmen oder fliegen im Schwarm und zeigen so ihre wirkliche Größe.

Ich möchte diesen Blog nicht ohne zwei Nachsätze schließen:

  • Seit dem 25.01.2013 sind mir so viele Situationen wieder eingefallen sind, in denen ich mich völlig überflüssig wehren musste, nur weil ich Frau bin. In denen ich mich in der Öffentlichkeit unwohl gefühlt habe, nur weil ich Frau bin. So unangenehm dieses Aufrütteln ist, es wird für mein künftiges Verhalten nicht ohne Folgen bleiben. Danke dafür, #Aufschrei!
  • Es gab vor allem am 25.01.2013 auf  Twitter auch viele gute Beiträge  von Männern, die angesichts der Masse an Statements einfach traurig waren und denen ich diese Trauer auch abkaufe. Ich hoffe, dass manch einer davon sich künftig den ein oder anderen Spruch verkneifen wird, weil ihm nicht bewusst war, wie sein weibliches Gegenüber ihn wahrnimmt.

Wenn morgen die Welt untergeht, surfen wir dann im Universum weiter?

Die Mayas sind schuld wenn morgen die Welt untergeht! Hätten die größere Kalender gehabt, müssten wir uns heute keine Gedanken machen, wo wir ab dem 22.12.2012 surfen, chatten, twittern, facebooken und plussen. Und seien wir ehrlich, das ist es doch, was an dem ganzen Drama WIRKLICH lästig ist.

Weltuntergang
Wehe, der Kuchen ist gerade im Ofen, wenn die Welt untergeht! (Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Lohnt es sich überhaupt noch, die ersten Fotos vom Weltuntergang noch schnell auf Flickr oder Pinterest zu speichern, oder ist das schon vergebliche Liebesmühe? Und wann genau findet das Ereignis denn statt? Nicht dass ich dann gerade einen Kuchen im Ofen habe und hinterher ist er verbrannt und ungenießbar. Oder dass ich mich rechtzeitig ein letztes Mal bei meiner Mutter gemeldet habe. Wenn die so richtig sauer ist, dann ist nicht mehr gut Kirschen essen.

Weltuntergangsfotos auf Pinterest und verärgerte Mütter

Sollte man halt alles wissen. Aber so sind sie, die Mayas Verschwörungstheoretiker. Nur nicht zu genau festlegen, sonst werden die schönen Theorien eventuell noch vom bösen Feind unterwandert und kaputt gemacht. Wäre ja tragisch, wenn eine Verschwörung plötzlich gar keine mehr wäre. Alles ganz umsonst geplant. Wobei, was genau gäbe es da eigentlich zu planen? Hamsterkäufe wohl kaum. Bunkerbau auch nicht. Denn: Wenn weg, dann weg! Oder etwa doch nicht?

Was genau bedeutet eigentlich Weltuntergang? Bricht alles auseinander oder geht die Welt im Ganzen woanders hin? So, wie sie ist? Mit uns allen drauf und wir merken das überhaupt nicht. Weil sich dann ja eigentlich nichts ändert. Zumindest so lange nicht, wie es noch Luft zum Atmen gibt. Ok, hell sollte es auch noch werden, sonst wäre ich auf Dauer echt schlecht gelaunt. Und warm auch, gern ein bisschen wärmer als jetzt. Aber ansonsten wäre es mir egal, wo die Erde dann ist. An den Sternen am Himmel konnte ich mich bislang sowieso noch nie orientieren. Wenn die plötzlich eine andere Konstellation hätten, würde ich es vermutlich nicht mal merken.

Hell, warm und online – das ist es, was zählt

Und klappt dann noch alles mit den Funknetzen? Kann ich noch surfen, SMSen, mailen und telefonieren? Wenn nicht, wäre das schon doof auf Dauer. Vermutlich würde es aber nicht lange anhalten. Würden ja auch viele pfiffige Suchtis mit untergehen, die sich in dem Bereich gut auskennen und die sich sicher schnell was Neues einfallen lassen würden. Ratzfatz surfen wir dann im Universum weiter. Mir soll es egal sein.

Stell Dir vor, morgen geht die Welt unter und keiner kriegt es mit? Die Verschwörungsfuzzis und Panikmacher würden sich glatt in den Hintern beißen. 😀

Edit:

22.12.2012 – Ich hab nix gemerkt. Ihr vielleicht? Sind wir nun untergegangen und wissen es nicht?

Community und Social Media Manager – die eierlegenden Wollmilchsäue

Junior Social Media Manager, Senior Community Manager, Social Media Consultant: Was genau unterscheidet sie? Dieser Frage hat sich der Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) angenommen und fünf aussagekräftige Berufsbilder skizziert und voneinander abgegrenzt. Der Verband reagierte damit auf den steigenden Bedarf an Fachkräften und die große Unsicherheit in den Unternehmen.

Im Vergleich zum Community/Social Media Manager schiebt die eierlegende Wollmilchsau eine ruhige Kugel.(Bildquelle: http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Eierlegende_Wollmilchsau)
Social Media Manager als eierlegende Wollmilchsau der digitalen Welt?
(Bildquelle: kamelopedia.mormo.org)

In den letzten Wochen habe ich mich notgedrungen häufiger mit Stellenanzeigen im Bereich Unternehmenskommunikation/Social MediaCommunity Management auseinandergesetzt als mir lieb war. Und ich muss sagen, ich habe eines gelernt: Die eierlegende Wollmilchsau ist Kinderfasching im Vergleich zu vielen Stellenbeschreibungen, die als Community oder Social Media Manager daher kommen.

Sie sind jung und brauchen kein Geld

Keine Ahnung woran es liegt, dass Personalverantwortliche einfach mal alle Features, die irgendwo im Haus fehlen, in diese Stellen packen. Auch wenn es sich bei Social Media Aktivitäten immer noch um einen jungen Markt handelt, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Community und Social Media Manager weder Wolpertinger noch eierlegende Wollmilchsäue sind. Sie können weder im Dunklen sehen noch werden sie den Weltuntergang am 21.12.2012 aufhalten können. Wobei, falls die Welt dann doch nicht untergeht, hat sie es natürlich nur den Community und Social Media Managern dieser Welt zu verdanken. So!

Durchschnittliche Stellenbeschreibung (mit einem Augenzwinkern):

  • PR, Marketing, Kommunikationswissenschaften, BWL möglichst als Studium mit überdurchschnittlich gutem und schnellem Abschluss.
  • On Top noch fit in den gängigen Graphikprogrammen, PHP, HTML und CSS.
  • Natürlich auch in Eventmanagement, SEO, SEM und Sales.
  • Bloggen, Facebook und Twitter inklusive Monitoring und Reporting sind sowieso selbstverständlich.
  • Ebenso wie nachweisbare Erfolge in Strategieentwicklung, Projektmanagement und Personalführung.
  • Mindestens zwei Jahre Agenturerfahrung.
  • Deutsch, Englisch und bevorzugt noch zwei weitere Sprachen als Muttersprache.
  • Dabei kommunikationsstark, kooperativ, überdurchschnittlich engagiert, rund um die Uhr für den Job im Einsatz.
  • Strategisch-konzeptionell, redaktionell und operativ nicht zu toppen.
  • Und natürlich nicht älter als 25 bei unter 30.000 Jahreseinkommen.

Gegen die Featuritis in vielen Ausschreibungen ist die gleichzeitige Produktion von Eiern, Milch, Fleisch und Wolle tatsächlich Kinderfasching! Wer wirklich so breit aufgestellt ist, dass er gängigen Suchprofilen entspricht, der ist vor allem eines: Mittelmaß.

Woher kommt die Unsicherheit und der hohe Anspruch?

Zum einen herrscht in den Unternehmen unverändert große Unsicherheit in allem, was mit diesem ominösen „Social Media Zeugs“ zu tun hat. Zum anderen denken immer noch zu viele, nur weil sie seit einem Jahr private Facebook- und Twitter-Accounts haben, seien sie Social Media Experten. Auch wenn der Webentwickler „das Internet“ entwirft und der Marketingleiter schon seit 25 Jahren klassisches Marketing macht, sind sie deshalb nicht automatisch die geborenen Community und Social Media Manager. Dazu fehlen in den meisten Fällen die kommunikativen Stärken in Foren, Blogs, Netzwerken. Und das Ganze in Echtzeit. Dazu braucht es aber auch nicht zwingend ein Studium. Wir haben heute in Deutschland sehr erfahrene Leute, die mit dem Zukunftsmarkt Social Media mitgewachsen sind und sich so eine sehr hohe Expertise erworben haben.

Der BVCM bringt Licht ins Dunkel

Licht ins Dunkel bringt der Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) mit seinen fünf klar abgegrenzten Berufsbildern. Unter anderem auf der Basis seiner Mitglieder, viele davon mit langjähriger Erfahrung im Social Media Umfeld, hat er die unterschiedlichen Kompetenzfelder skizziert. Ob Social Media Consultant, Junior Community Manager, Social Media Manager, die ausführliche Tabelle hilft bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber bzw. Mitarbeiter gleich gut. Stellenausschreibungen können präziser gefasst werden und Bewerber können sich gegen unangemessene Forderungen seitens der Unternehmen besser abgrenzen.

Zu den Anforderungsprofilen an Social Media Berufsbilder

Gibt es bereits eine eigene Abteilung für die digitale Kommunikation, hilft das Social Media Governance Schema von BVCM-Mitglied Ben Ellermann bei der Strukturierung bzw. der Einbindung in den Informationsfluss des Unternehmens:

Social Media Berufsbilder im Governance Prozess. (Ben Ellermann)
Social Media Berufsbilder im Governance Prozess.
(Ben Ellermann)

Wie ich finde, ein guter Ansatz, um mehr Klarheit in den Stellenmarkt zu bringen. Denn schließlich soll die eierlegende Wollmilchsau im Social Media Geschäft nicht der Normalfall bleiben.

Übrigens, in den nächsten Tagen veröffentlicht der Bundesverband Community Management eine Umfrage zu den gängisten Berufsbezeichnungen im Social Media Umfeld.

Community, Social, Media

Stell Dir vor, Facebook ruft zum Urnengang und 30 Prozent sagen NEIN

Am 04.12.2012 hat Facebook seine Nutzer global eingeladen, über die Änderungsvorschläge zu den Datenverwendungsrichtlinien und die Erklärung der Rechte und Pflichten abzustimmen. Sprechen sich innerhalb einer Woche mindestens 30 Prozent aller Nutzer weltweit gegen diese Änderungen aus, werden sie nicht umgesetzt. Doch wie wahrscheinlich ist dieser Fall?

Facebook, Wahl
Stell Dir vor, Facebook ruft zum Urnengang und 30 % gehen hin! (Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Facebook hat sich dieses Mal richtig Mühe gegeben. Jedes einzelne Mitglied wurde angeschrieben und explizit auf die Abstimmung hingewiesen. Sieben Tage, also bis zum 10.12.2012 hatten wir Zeit, unsere Meinung kund zu tun. Soweit die Theorie.

Praktisch ist es jedoch so, dass mindestens 30 Prozent der eine Milliarde Nutzer sich gegen die Änderungen aussprechen müssen, um sie zu kippen. Liegt das Abstimmungsergebnis darunter, hat es allenfalls beratenden Charakter. Damit müssen sich auch die größten Optimisten wohl spätestens am 11.12.2012 anfreunden, denn dann gibt Facebook die Ergebnisse offiziell bekannt.

30 Prozent – ein reales Ziel?

Für sonderlich viel Aufregung wird die Aufforderung zur Abstimmung im Facebook Headquarter mit Sicherheit nicht gesorgt haben. Denn dass diese 30 Prozent je erreicht werden, ist aus folgenden Gründen reine Utopie:

  • Datenschutz ist nur in wenigen Ländern ein großes Thema => Keine hohe Sensibilisierung der Nutzer.
  • Umgang mit Abstimmungen allgemein: Wer es nicht gewohnt ist, bei Veränderungen nach seiner Meinung gefragt zu werden, der wird auch auf Facebook nicht abstimmen. => Gesellschaftliche Unterschiede.
  • Definition aktiver Nutzer: Aktiv ist, wer sich mindestens ein Mal im Monat einloggt.  Wer so selten online ist, den wird vermutlich auch eine Abstimmung wenig interessieren. => Geringe Partizipation allgemein.
  • Zugriff auf das Internet: Längst nicht in allen Ländern ist die Situation so komfortabel wie z.B. in Deutschland. => Reichen hier 7 Tage aus, um teilzunehmen?
  • Mehrfachprofile: Wie viele Nutzer haben mehr als ein Profil und wie viele davon sind inaktiv. Stimmen die wirklich mit allen Profilen ab? => Fake-/inaktive Accounts.
  • Fake-E-Mail-Adressen: Instant-Adressen werden zur Registrierung angelegt um hinterher nicht mit unerwünschten Mails belästigt zu werden => Aufforderung erreicht Empfänger nicht.
  • Notorische „Die Welt ist schlecht und gemein-Sager“: Sie stimmen nicht ab, weil sie ja sowieso keine Chance haben, was zu  ändern. Üblicherweise sind das die Gleichen, die permanent schimpfen, wie schlecht alles ist und dass die „Großen“ auf den „kleinen Mann“ keine Rücksicht nehmen. => Pessimismus.
  • Nielsen-Regel: 90 % der Nutzer in Community schauen nur passiv zu, 9 % bringen sich gelegentlich ein, 1 % stellt proaktiv Content zur Verfügung. => Gewohnheit.
  • Und nicht zu vergessen: Es gibt ja auch Leute, die die Änderungen gut finden.
Dann könnte man sich die Abstimmerei ja gleich sparen, oder?

Nein, könnte man nicht, auch wenn es dem Zeitgeist entspräche. Ich finde es falsch, sich über Dinge zu beschweren und dann, wenn man aktiv werden könnte, nicht aktiv zu werden. Egal, wie viel Aussicht auf Erfolg man hat. Hätte sich jeder hinter dem Argument „Klappt ja doch nicht“ verschanzt, hätten Frauen noch immer keinen Zugang zu Universitäten und  der Überwachungsstaat der ehemaligen DDR würde immer noch seine Bürger einschüchtern.

Fazit

Wer meckern will, muss auch den Arsch in der Hose haben, dann zu seiner Meinung zu stehen, wenn es darauf ankommt. Egal ob er damit sofort etwas ändern kann oder nicht. Das Leben ist schließlich kein Stammtisch! 😉

Update 11.12.2012

Wie erwartet wurde die 30 Prozent Hürde nicht erreicht. Genau genommen haben sich nicht mal 0,1 Prozent der Nutzer beteiligt. Zumindest, wenn man die Zahl der kommunizierte Milliarde Facebook-Mitglieder heranzieht. Dass der Prozentsatz,  bezogen auf die tatsächlich aktiven Nutzer deutlich höher liegt,  ist jedem Kenner des Marktes klar. Es ändert aber nichts an der Tatsache: Facebook muss seine Nutzer jetzt überhaupt nicht mehr fragen, wenn es seine Nutzungsbedingungen ändern will. Denn diese Änderung war ebenfalls Gegenstand der Abstimmung.

Hierzu Stimmen aus dem Netz:

Community Manager: Eine aussterbende Art?

Wer weiß, was ein Community Manager macht und wie er sich vom Social Media Manager unterscheidet? Obwohl an allen Ecken über Social Media und Communitys gesprochen wird, scheint der Community Manager immer weniger ein Begriff zu sein. So zumindest mein  Eindruck bei der letzten Social Media Night des Jahres am 05.12.2012  in Stuttgart. 

Die Social Media Night findet alle vier Wochen, immer am ersten Mittwoch des Monats im Mercedes Benz Museum Stuttgart statt. Veranstalter ist der Social Media Club Stuttgart unter der Leitung von Markus Besch.

Community, Social, Media, Manager
Community Manager: Vom Aussterben bedroht? Bild: René Vinke / pixelio.de

2011 hielt die letzte Veranstaltung des Jahres zusätzlich zu den üblichen Fachvorträgen noch ein paar zusätzliche Schmankerl bereit. Neben einem kurzweiligen Unterhaltungsprogramm zum Beispiel Thementische zu unterschiedlichen Schwerpunkten im Bereich Social Media. An jedem Tisch beantworteten Experten die Fragen interessierter Besucher.

Bei der letzten Social Media Night 2012 stand dieser Programmpunkt ebenfalls wieder auf dem Plan. Wie schon im vergangenen Jahr habe ich den Expertentisch zum Thema „Community Management“ betreut, dieses Jahr gemeinsam mit Aline vom Verdure Medienteam. Sehr viel zu tun hatten wir offen gestanden nicht. Teilweise lag das sicher daran, dass das Konzept nicht ganz selbsterklärend war. Mein Eindruck war aber auch, dass viele Gäste mit dem Begriff „Community Management“ nichts beziehungsweise nichts mehr anzufangen wussten. Während vor nicht allzu langer Zeit die Community noch in aller Munde war, scheint mit dem Siegeszug von Facebook auch ein sprachlicher Wandel einher gegangen zu sein. Heute ist alles Social Media und nicht mehr Community. Wird die Unterscheidung und das, was das Social in Social Media eigentlich ausmacht, zunehmend zum Steckenpferd der Insider?

Bedeutet das auch, dass der Community Manager ausstirbt? Wird er jetzt automatisch zum Social Media Manager? Betrachtet man sich diesbezügliche Stellenausschreibungen eingehender, bekommt man diesen Eindruck. Hier werden klassische Social Media Manager Positionen als Community Manager ausgeschrieben und umgekehrt. Kein Wunder, herrscht in diesem Bereich doch noch immer viel Unsicherheit in den Unternehmen, was sich unter anderem die Fortbildungs- und Consulting“industrie“ geschäftstüchtig zu Nutze macht.

Wie seht ihr das? Hat der Community Manager, zumindest dem Wortsinn nach, ausgedient? Und wo werden wir bezüglich der Berufsklassifizierung letztendlich landen? Wieder bei der Unternehmenskommunikation wie „früher“ auch?