MfG vs. CU: Jede Zeit hat ihre Sprache

Netzjargon
Ob AKW und FTW – jede Zeit hat ihre Sprache. (Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Im Jahr 1999 stürmten Die Fantastischen Vier mit ihrem Titel „MfG – Mit freundlichen Grüßen“ die Charts. Ein Song über PVC und BSE, über EKZ und AKW. Würden sie heute ein Remake einspielen, müssten wir uns wohl eher auf WTF und AFK, DND und IDK gefasst machen. Denn mit den Medien hat sich auch die Sprache gewandelt.

Dass wir für verständliche Texte keine Vokale brauchen, wissen wir längst. Dass Buchstabendreher in den seltensten Fällen Schwierigkeiten bereiten, auch. Anders sieht es mit dem Netzjargon aus, der sich aus Chat, SMS und Instant Messengers entwickelt hat. In der Welt der schnellen Kommunikation und der 140 Zeichen muss man sich kurz fassen, wenn man „gehört“ werden will.

Doch Vorsicht, aus dem Kontext gerissen, kann da auch schnell mal ein Irrtum vorprogrammiert sein.

kk vs 2k – oder 1000 Missverständnisse

Chatpartner Y bietet X einen gebrauchten Server an.

  • X bietet 200 Euro.
  • Y antwortet: 2k.
  • X denkt, Y hat sich vertippt und meint kk = okay

Ein Termin zur Übergabe wird vereinbart. X legt stolz seine 200 Euro auf den Tisch. Y haut ihm eine aufs Maul, weil er 2k, also 2.000 Euro wollte und deswegen den weiten Weg auf sich genommen hat. K stand hier nicht für okay sondern für Kilo beziehungsweise Tausend. Dumm gelaufen.

PEBKAC oder PEBCAK

Oder Sie kommen mit dem neuen Programm im Büro nicht zurecht und wenden sich per E-Mail an Ihren Administrator. Der stellt ein paar Fragen und antwortet nach einigem hin und her: PEBKAC! Danach reagiert er nicht mehr auf Nachfragen. Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten, wie Sie reagieren können:

  • Sie wissen zwar nicht, was das bedeutet, freuen sich aber schon mal, weil Sie davon ausgehen, dass er bereits auf dem Weg zu Ihnen ist und deshalb nicht mehr antwortet. Vermutlich werden Sie warten können, bis Sie schwarz sind. Er wird nicht kommen.
  • Sie wissen was es bedeutet, nämlich „problem exists between keyboard and chair“ oder sinngemäß „du bist ganz einfach zu doof für alles, was mit Computer zu tun hat“, stehen auf, gehen zu Ihrem Administrator und antworten ihm von Angesicht zu Angesicht: BOFH! FU! Dabei kann es nicht schaden, wenn Sie den Türgriff bereits in der Hand haben und zügig gehen. 😉
C6 – weder Auto noch Briefumschlag noch Schachspiel

Fragt im Chat jemand nach C6, will er nicht mit Ihnen Schach spielen. Ok, zum Zuge würde er gerne kommen, aber eher auf körperlicher Ebene. Rechnen Sie innerhalb der nächsten Sekunden mit Detailfotos nackter Tatsachen, die Sie nie im Leben sehen wollten. C6 steht für Cybersex, also virtuelle Erotik.

Und dann gibt es noch ein paar Kürzel, die ihre Bedeutung mit den jeweils angesagten Medien ändern. Stand zum Beispiel WTF lange Zeit ganz selbstverständlich für „what the fuck?“ bzw. „was soll der Scheiß?“, kann es heute auch für „whatsuptwitterfacebook“ stehen, die Hauptkommunikationsmittel der Postdigital Natives. Gleiches gilt natürlich auch für FTW, „for the win“.  Übersetzt bedeutet das in etwa: „nichts geht über…“. Das kann jetzt eben auch „facebooktwitterwhatsup“ bedeuten.

HDGDL – was Nettes zum Schluss oder doch nicht?

Kommt ihnen jemand ganz überraschend mit einem vermeintlich lieb gemeinten HDGDL, dann sollten Sie vorsichtshalber die Streams auf Ihren Netzwerken oder die Profile des Absenders kontrollieren. Denn was früher ganz eindeutig „hab‘ dich ganz doll lieb“ bedeutete, wird heute auch gerne mal für die Ankündigung von Ärger verwendet: „hab‘ dich gedisst, du loser“. Es macht also Sinn, sich ab und zu aufs Laufende zu bringen, was den Netzjargon angeht.

Wem das jetzt TMI war, dem kann ich nur sagen: OMG Dafuq.

CU!

Crowdsourcing: Wenn es Spaß macht, machen alle mit

„Habt ihr knackige Sprüche für uns Digitalen? T-Shirt und Kaffeetassen wären das Ziel…“ lautete vor einigen Tagen die Einladung zum Brainstorming auf Facebook. Unkompliziertes Crowdsourcing eben. Und wie (fast) immer, war auf die Follower Verlass. Keine zwei Minuten vergingen bis zu den ersten Kommentaren.

Sehr schön zum Beispiel: „Kölsch 0,2 statt Web 2.0“ für alle Biertrinker. Wobei ich mein Bier ja lieber aus richtigen Gläsern trinke und nicht aus Schnapsgläsern.

Was meinen Blog angeht, muss das Motto nicht ernst genommen werden ;-) (Bildquelle Verbotszeichen: wikipedia | gemeinfrei)
Was meinen Blog angeht, muss das Motto nicht ernst genommen werden 😉 (Bildquelle Verbotszeichen: wikipedia | gemeinfrei)

Oder für die Anspruchsvolleren: “ Interpunktion und Orthographie dieser Email ist frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Regeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.“

Real life oder nur afk?

Nerdiger wurde es mit: „There is no real life, only afk!“ Für alle Eltern und anderen, denen „afk“ nichts sagt: Das ist Netzjargon und steht für „away from keyboard“. Es bedeutet also soviel wie „Ich kann jetzt eine Weile nichts schreiben.“ Zum Beispiel, weil die Eltern grad zusehen.

Mit Twitters „Follow Friday“ im Visier lautete mein Vorschlag für die T-Shirt-Rückansicht: „Ist heute Follow Freitag oder warum läufst du mir nach?“ 

Twitters Follow Friday mal anders

So ganz hat mich dieses T-Shirt den Rest des Abends nicht mehr in Ruhe gelassen. Wer wäre wohl die beste Zielgruppe dafür?

  • Mein Favorit sind immer noch genervte Eltern, die ihre Kinder zum ausgiebigen Waldspaziergang einladen. Quasi Hänsel und Gretel 2.0.
  • Um bei den Kindern zu bleiben: Auch der Lehrer beim Wandertag (gibt es das überhaupt noch oder läuft das heute im Klassenzimmer über Google Earth ab?) könnte seine Post-Digital-Natives ganz sicher mal schnell verblüffen. Allerdings müsste er auch mit der ein oder anderen Rückansicht von sich in diversen Netzwerken und vermutlich auch mit Anrufen irritierter Eltern rechnen.
  • Ähnlich verblüfft würde bestimmt auch die Reisegruppe reagieren, wenn der Reiseleiter seine Jacke auszieht und sich ins Fäustchen lacht. Alternativ könnte hier auch ein entsprechend bedruckter Schirm zum Einsatz kommen.
  • Ergänzt um ein „Bitch“ oder „Alder“, je nach Geschlecht, wäre das Shirt vermutlich auch der Renner in einschlägigen Clubs und Jugendhäusern. Hier muss allerdings mit dem Risiko rechnen, zusätzlich mit diversen Platzwunden und blauen Flecken garniert zu werden. Auch ein Messer zwischen den Rippen würde ich nicht gänzlich ausschließen. Die „Bitches“ und – wie heißen die „Lans“ eigentlich aktuell? – zeichnen sich ja nicht gerade durch herausragenden Sinn für Ironie aus. Sie nehmen ihr Leben halt noch ernst.
Crowdsourcing ftw!

Aber ich schweife ab. Eigentlich sollte es hier ja um Crowdsourcing gehen. Tut es letztendlich auch. Denn wenn eine locker in den digitalen Raum geworfene Frage nicht nur Ergebnisse bringt, sondern einen auch Stunden später noch amüsiert, dann zeigt das:

Crowdsourcing funktioniert, besonders wenn man Spaß dabei hat.

Oder um im Netzjargon zu bleiben: Crowdsourcing ftw!

Wenn morgen die Welt untergeht, surfen wir dann im Universum weiter?

Die Mayas sind schuld wenn morgen die Welt untergeht! Hätten die größere Kalender gehabt, müssten wir uns heute keine Gedanken machen, wo wir ab dem 22.12.2012 surfen, chatten, twittern, facebooken und plussen. Und seien wir ehrlich, das ist es doch, was an dem ganzen Drama WIRKLICH lästig ist.

Weltuntergang
Wehe, der Kuchen ist gerade im Ofen, wenn die Welt untergeht! (Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Lohnt es sich überhaupt noch, die ersten Fotos vom Weltuntergang noch schnell auf Flickr oder Pinterest zu speichern, oder ist das schon vergebliche Liebesmühe? Und wann genau findet das Ereignis denn statt? Nicht dass ich dann gerade einen Kuchen im Ofen habe und hinterher ist er verbrannt und ungenießbar. Oder dass ich mich rechtzeitig ein letztes Mal bei meiner Mutter gemeldet habe. Wenn die so richtig sauer ist, dann ist nicht mehr gut Kirschen essen.

Weltuntergangsfotos auf Pinterest und verärgerte Mütter

Sollte man halt alles wissen. Aber so sind sie, die Mayas Verschwörungstheoretiker. Nur nicht zu genau festlegen, sonst werden die schönen Theorien eventuell noch vom bösen Feind unterwandert und kaputt gemacht. Wäre ja tragisch, wenn eine Verschwörung plötzlich gar keine mehr wäre. Alles ganz umsonst geplant. Wobei, was genau gäbe es da eigentlich zu planen? Hamsterkäufe wohl kaum. Bunkerbau auch nicht. Denn: Wenn weg, dann weg! Oder etwa doch nicht?

Was genau bedeutet eigentlich Weltuntergang? Bricht alles auseinander oder geht die Welt im Ganzen woanders hin? So, wie sie ist? Mit uns allen drauf und wir merken das überhaupt nicht. Weil sich dann ja eigentlich nichts ändert. Zumindest so lange nicht, wie es noch Luft zum Atmen gibt. Ok, hell sollte es auch noch werden, sonst wäre ich auf Dauer echt schlecht gelaunt. Und warm auch, gern ein bisschen wärmer als jetzt. Aber ansonsten wäre es mir egal, wo die Erde dann ist. An den Sternen am Himmel konnte ich mich bislang sowieso noch nie orientieren. Wenn die plötzlich eine andere Konstellation hätten, würde ich es vermutlich nicht mal merken.

Hell, warm und online – das ist es, was zählt

Und klappt dann noch alles mit den Funknetzen? Kann ich noch surfen, SMSen, mailen und telefonieren? Wenn nicht, wäre das schon doof auf Dauer. Vermutlich würde es aber nicht lange anhalten. Würden ja auch viele pfiffige Suchtis mit untergehen, die sich in dem Bereich gut auskennen und die sich sicher schnell was Neues einfallen lassen würden. Ratzfatz surfen wir dann im Universum weiter. Mir soll es egal sein.

Stell Dir vor, morgen geht die Welt unter und keiner kriegt es mit? Die Verschwörungsfuzzis und Panikmacher würden sich glatt in den Hintern beißen. 😀

Edit:

22.12.2012 – Ich hab nix gemerkt. Ihr vielleicht? Sind wir nun untergegangen und wissen es nicht?

Community und Social Media Manager – die eierlegenden Wollmilchsäue

Junior Social Media Manager, Senior Community Manager, Social Media Consultant: Was genau unterscheidet sie? Dieser Frage hat sich der Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) angenommen und fünf aussagekräftige Berufsbilder skizziert und voneinander abgegrenzt. Der Verband reagierte damit auf den steigenden Bedarf an Fachkräften und die große Unsicherheit in den Unternehmen.

Im Vergleich zum Community/Social Media Manager schiebt die eierlegende Wollmilchsau eine ruhige Kugel.(Bildquelle: http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Eierlegende_Wollmilchsau)
Social Media Manager als eierlegende Wollmilchsau der digitalen Welt?
(Bildquelle: kamelopedia.mormo.org)

In den letzten Wochen habe ich mich notgedrungen häufiger mit Stellenanzeigen im Bereich Unternehmenskommunikation/Social MediaCommunity Management auseinandergesetzt als mir lieb war. Und ich muss sagen, ich habe eines gelernt: Die eierlegende Wollmilchsau ist Kinderfasching im Vergleich zu vielen Stellenbeschreibungen, die als Community oder Social Media Manager daher kommen.

Sie sind jung und brauchen kein Geld

Keine Ahnung woran es liegt, dass Personalverantwortliche einfach mal alle Features, die irgendwo im Haus fehlen, in diese Stellen packen. Auch wenn es sich bei Social Media Aktivitäten immer noch um einen jungen Markt handelt, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass Community und Social Media Manager weder Wolpertinger noch eierlegende Wollmilchsäue sind. Sie können weder im Dunklen sehen noch werden sie den Weltuntergang am 21.12.2012 aufhalten können. Wobei, falls die Welt dann doch nicht untergeht, hat sie es natürlich nur den Community und Social Media Managern dieser Welt zu verdanken. So!

Durchschnittliche Stellenbeschreibung (mit einem Augenzwinkern):

  • PR, Marketing, Kommunikationswissenschaften, BWL möglichst als Studium mit überdurchschnittlich gutem und schnellem Abschluss.
  • On Top noch fit in den gängigen Graphikprogrammen, PHP, HTML und CSS.
  • Natürlich auch in Eventmanagement, SEO, SEM und Sales.
  • Bloggen, Facebook und Twitter inklusive Monitoring und Reporting sind sowieso selbstverständlich.
  • Ebenso wie nachweisbare Erfolge in Strategieentwicklung, Projektmanagement und Personalführung.
  • Mindestens zwei Jahre Agenturerfahrung.
  • Deutsch, Englisch und bevorzugt noch zwei weitere Sprachen als Muttersprache.
  • Dabei kommunikationsstark, kooperativ, überdurchschnittlich engagiert, rund um die Uhr für den Job im Einsatz.
  • Strategisch-konzeptionell, redaktionell und operativ nicht zu toppen.
  • Und natürlich nicht älter als 25 bei unter 30.000 Jahreseinkommen.

Gegen die Featuritis in vielen Ausschreibungen ist die gleichzeitige Produktion von Eiern, Milch, Fleisch und Wolle tatsächlich Kinderfasching! Wer wirklich so breit aufgestellt ist, dass er gängigen Suchprofilen entspricht, der ist vor allem eines: Mittelmaß.

Woher kommt die Unsicherheit und der hohe Anspruch?

Zum einen herrscht in den Unternehmen unverändert große Unsicherheit in allem, was mit diesem ominösen „Social Media Zeugs“ zu tun hat. Zum anderen denken immer noch zu viele, nur weil sie seit einem Jahr private Facebook- und Twitter-Accounts haben, seien sie Social Media Experten. Auch wenn der Webentwickler „das Internet“ entwirft und der Marketingleiter schon seit 25 Jahren klassisches Marketing macht, sind sie deshalb nicht automatisch die geborenen Community und Social Media Manager. Dazu fehlen in den meisten Fällen die kommunikativen Stärken in Foren, Blogs, Netzwerken. Und das Ganze in Echtzeit. Dazu braucht es aber auch nicht zwingend ein Studium. Wir haben heute in Deutschland sehr erfahrene Leute, die mit dem Zukunftsmarkt Social Media mitgewachsen sind und sich so eine sehr hohe Expertise erworben haben.

Der BVCM bringt Licht ins Dunkel

Licht ins Dunkel bringt der Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) mit seinen fünf klar abgegrenzten Berufsbildern. Unter anderem auf der Basis seiner Mitglieder, viele davon mit langjähriger Erfahrung im Social Media Umfeld, hat er die unterschiedlichen Kompetenzfelder skizziert. Ob Social Media Consultant, Junior Community Manager, Social Media Manager, die ausführliche Tabelle hilft bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber bzw. Mitarbeiter gleich gut. Stellenausschreibungen können präziser gefasst werden und Bewerber können sich gegen unangemessene Forderungen seitens der Unternehmen besser abgrenzen.

Zu den Anforderungsprofilen an Social Media Berufsbilder

Gibt es bereits eine eigene Abteilung für die digitale Kommunikation, hilft das Social Media Governance Schema von BVCM-Mitglied Ben Ellermann bei der Strukturierung bzw. der Einbindung in den Informationsfluss des Unternehmens:

Social Media Berufsbilder im Governance Prozess. (Ben Ellermann)
Social Media Berufsbilder im Governance Prozess.
(Ben Ellermann)

Wie ich finde, ein guter Ansatz, um mehr Klarheit in den Stellenmarkt zu bringen. Denn schließlich soll die eierlegende Wollmilchsau im Social Media Geschäft nicht der Normalfall bleiben.

Übrigens, in den nächsten Tagen veröffentlicht der Bundesverband Community Management eine Umfrage zu den gängisten Berufsbezeichnungen im Social Media Umfeld.

Community, Social, Media

Stell Dir vor, Facebook ruft zum Urnengang und 30 Prozent sagen NEIN

Am 04.12.2012 hat Facebook seine Nutzer global eingeladen, über die Änderungsvorschläge zu den Datenverwendungsrichtlinien und die Erklärung der Rechte und Pflichten abzustimmen. Sprechen sich innerhalb einer Woche mindestens 30 Prozent aller Nutzer weltweit gegen diese Änderungen aus, werden sie nicht umgesetzt. Doch wie wahrscheinlich ist dieser Fall?

Facebook, Wahl
Stell Dir vor, Facebook ruft zum Urnengang und 30 % gehen hin! (Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Facebook hat sich dieses Mal richtig Mühe gegeben. Jedes einzelne Mitglied wurde angeschrieben und explizit auf die Abstimmung hingewiesen. Sieben Tage, also bis zum 10.12.2012 hatten wir Zeit, unsere Meinung kund zu tun. Soweit die Theorie.

Praktisch ist es jedoch so, dass mindestens 30 Prozent der eine Milliarde Nutzer sich gegen die Änderungen aussprechen müssen, um sie zu kippen. Liegt das Abstimmungsergebnis darunter, hat es allenfalls beratenden Charakter. Damit müssen sich auch die größten Optimisten wohl spätestens am 11.12.2012 anfreunden, denn dann gibt Facebook die Ergebnisse offiziell bekannt.

30 Prozent – ein reales Ziel?

Für sonderlich viel Aufregung wird die Aufforderung zur Abstimmung im Facebook Headquarter mit Sicherheit nicht gesorgt haben. Denn dass diese 30 Prozent je erreicht werden, ist aus folgenden Gründen reine Utopie:

  • Datenschutz ist nur in wenigen Ländern ein großes Thema => Keine hohe Sensibilisierung der Nutzer.
  • Umgang mit Abstimmungen allgemein: Wer es nicht gewohnt ist, bei Veränderungen nach seiner Meinung gefragt zu werden, der wird auch auf Facebook nicht abstimmen. => Gesellschaftliche Unterschiede.
  • Definition aktiver Nutzer: Aktiv ist, wer sich mindestens ein Mal im Monat einloggt.  Wer so selten online ist, den wird vermutlich auch eine Abstimmung wenig interessieren. => Geringe Partizipation allgemein.
  • Zugriff auf das Internet: Längst nicht in allen Ländern ist die Situation so komfortabel wie z.B. in Deutschland. => Reichen hier 7 Tage aus, um teilzunehmen?
  • Mehrfachprofile: Wie viele Nutzer haben mehr als ein Profil und wie viele davon sind inaktiv. Stimmen die wirklich mit allen Profilen ab? => Fake-/inaktive Accounts.
  • Fake-E-Mail-Adressen: Instant-Adressen werden zur Registrierung angelegt um hinterher nicht mit unerwünschten Mails belästigt zu werden => Aufforderung erreicht Empfänger nicht.
  • Notorische „Die Welt ist schlecht und gemein-Sager“: Sie stimmen nicht ab, weil sie ja sowieso keine Chance haben, was zu  ändern. Üblicherweise sind das die Gleichen, die permanent schimpfen, wie schlecht alles ist und dass die „Großen“ auf den „kleinen Mann“ keine Rücksicht nehmen. => Pessimismus.
  • Nielsen-Regel: 90 % der Nutzer in Community schauen nur passiv zu, 9 % bringen sich gelegentlich ein, 1 % stellt proaktiv Content zur Verfügung. => Gewohnheit.
  • Und nicht zu vergessen: Es gibt ja auch Leute, die die Änderungen gut finden.
Dann könnte man sich die Abstimmerei ja gleich sparen, oder?

Nein, könnte man nicht, auch wenn es dem Zeitgeist entspräche. Ich finde es falsch, sich über Dinge zu beschweren und dann, wenn man aktiv werden könnte, nicht aktiv zu werden. Egal, wie viel Aussicht auf Erfolg man hat. Hätte sich jeder hinter dem Argument „Klappt ja doch nicht“ verschanzt, hätten Frauen noch immer keinen Zugang zu Universitäten und  der Überwachungsstaat der ehemaligen DDR würde immer noch seine Bürger einschüchtern.

Fazit

Wer meckern will, muss auch den Arsch in der Hose haben, dann zu seiner Meinung zu stehen, wenn es darauf ankommt. Egal ob er damit sofort etwas ändern kann oder nicht. Das Leben ist schließlich kein Stammtisch! 😉

Update 11.12.2012

Wie erwartet wurde die 30 Prozent Hürde nicht erreicht. Genau genommen haben sich nicht mal 0,1 Prozent der Nutzer beteiligt. Zumindest, wenn man die Zahl der kommunizierte Milliarde Facebook-Mitglieder heranzieht. Dass der Prozentsatz,  bezogen auf die tatsächlich aktiven Nutzer deutlich höher liegt,  ist jedem Kenner des Marktes klar. Es ändert aber nichts an der Tatsache: Facebook muss seine Nutzer jetzt überhaupt nicht mehr fragen, wenn es seine Nutzungsbedingungen ändern will. Denn diese Änderung war ebenfalls Gegenstand der Abstimmung.

Hierzu Stimmen aus dem Netz:

Community Manager: Eine aussterbende Art?

Wer weiß, was ein Community Manager macht und wie er sich vom Social Media Manager unterscheidet? Obwohl an allen Ecken über Social Media und Communitys gesprochen wird, scheint der Community Manager immer weniger ein Begriff zu sein. So zumindest mein  Eindruck bei der letzten Social Media Night des Jahres am 05.12.2012  in Stuttgart. 

Die Social Media Night findet alle vier Wochen, immer am ersten Mittwoch des Monats im Mercedes Benz Museum Stuttgart statt. Veranstalter ist der Social Media Club Stuttgart unter der Leitung von Markus Besch.

Community, Social, Media, Manager
Community Manager: Vom Aussterben bedroht? Bild: René Vinke / pixelio.de

2011 hielt die letzte Veranstaltung des Jahres zusätzlich zu den üblichen Fachvorträgen noch ein paar zusätzliche Schmankerl bereit. Neben einem kurzweiligen Unterhaltungsprogramm zum Beispiel Thementische zu unterschiedlichen Schwerpunkten im Bereich Social Media. An jedem Tisch beantworteten Experten die Fragen interessierter Besucher.

Bei der letzten Social Media Night 2012 stand dieser Programmpunkt ebenfalls wieder auf dem Plan. Wie schon im vergangenen Jahr habe ich den Expertentisch zum Thema „Community Management“ betreut, dieses Jahr gemeinsam mit Aline vom Verdure Medienteam. Sehr viel zu tun hatten wir offen gestanden nicht. Teilweise lag das sicher daran, dass das Konzept nicht ganz selbsterklärend war. Mein Eindruck war aber auch, dass viele Gäste mit dem Begriff „Community Management“ nichts beziehungsweise nichts mehr anzufangen wussten. Während vor nicht allzu langer Zeit die Community noch in aller Munde war, scheint mit dem Siegeszug von Facebook auch ein sprachlicher Wandel einher gegangen zu sein. Heute ist alles Social Media und nicht mehr Community. Wird die Unterscheidung und das, was das Social in Social Media eigentlich ausmacht, zunehmend zum Steckenpferd der Insider?

Bedeutet das auch, dass der Community Manager ausstirbt? Wird er jetzt automatisch zum Social Media Manager? Betrachtet man sich diesbezügliche Stellenausschreibungen eingehender, bekommt man diesen Eindruck. Hier werden klassische Social Media Manager Positionen als Community Manager ausgeschrieben und umgekehrt. Kein Wunder, herrscht in diesem Bereich doch noch immer viel Unsicherheit in den Unternehmen, was sich unter anderem die Fortbildungs- und Consulting“industrie“ geschäftstüchtig zu Nutze macht.

Wie seht ihr das? Hat der Community Manager, zumindest dem Wortsinn nach, ausgedient? Und wo werden wir bezüglich der Berufsklassifizierung letztendlich landen? Wieder bei der Unternehmenskommunikation wie „früher“ auch?

Nikolaus-Blog

Na, war ordentlich was drin im Stiefel heute früh?

Falls nicht, hier ein kleiner Augenschmaus, das noch dazu sehr figurfreundlich ist:

Nikolaus, Weihnachten, Plätzchen
(Bild: Urike Rosina CC-BY-NC-SA)

Und auf die Ohren gibt es auch noch was:

Gerhard Polt – Sankt Nikolaus

Euch allen einen entspannten und gemütlichen Advent.