Der Minister mit der Zeitmaschine oder „Die türkische Lachnummer“

Der türkische Vize-Regierungschef und Regierungssprecher Bülent Arinc macht sich Sorgen um die türkische Moral. Neben Drogenkonsum und Sexsucht sieht er hier insbesondere die Frauen in der Pflicht. Deshalb will er ihnen verbieten, in der Öffentlichkeit laut zu lachen. Denn das vertrage sich nicht mit der Tugendhaftigkeit der Frau  und schade deren Moral. Was die türkischen Frauen von dieser Lachnummer halten? Sie lachen sich eins. Öffentlich!

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Die türkische Lachnummer, einfach lächerlich! (Foto: Jens Roth / pixelio.de)

Es gibt Nachrichten, die man nicht im Auto hören sollte. Die Gefahr, sich dem Straßengraben unsittlich zu nähern, ist einfach zu groß. Eine Meldung dieses Kalibers waren die Auszüge aus einer Rede, die der türkische Vize-Regierungschef Bülent Arinc auf einer öffentlichen Veranstaltung gehalten haben soll. Darin echauffierte er sich über den moralischen Verfall in seinem Land:

  • Das Fernsehen mache mit seinen Serien viele Teenager zu Sexbesessenen
  • Der Drogenkonsum steige dramatisch
  • Die Gewalt gegen Frauen nehme zu
  • Frauen lachen laut in der Öffentlichkeit und bringen so ihre Tugend in Gefahr

Wer jetzt denkt, der letzte Punkt sein ein Scherz, der irrt. Frauen dürfen ruhig weiter laut lachen, aber eben daheim! In der Öffentlichkeit ist das unanständig. Für Frauen.  Meint Arinc.

Ist die Türkei im Besitz einer Zeitmaschine?

Auch wenn wir inzwischen von der türkischen Regierung allerlei Possen (Internetverbot und Co.) gewohnt sind, diese Lachnummer lässt mich vermuten, dass Herr Arinc und seine Kollegen heimlich in den Besitz einer Zeitmaschine gekommen sein müssen. Einer Zeitmaschine mit einem klitzekleinen Problemchen: Man kann mit ihr nur in die Vergangenheit reisen. Blöd halt, wenn man das nicht bemerkt. Dann kann so manches, was man im Jetzt äußert, klingen als wäre man mit dem Kopf noch im Vorvorgestern.

So kurz vor einer wichtigen Wahl ist das vielleicht nicht ganz so günstig. Immerhin ist rund die Hälfte der Bevölkerung weiblich, wahlberechtigt und könnte, wenn sie nicht gerade zum Lachen im Keller ist, zur Urne gehen. Wobei das Lachverbot so gesehen ein gutes Mittel wäre, Frauen von ihrer Wahlbeteiligung abzuhalten. Könnte ja sein, sie würden auf den Wahlzetteln etwas sehen, was sie zu öffentlichem Lachen reizen würde. 😉

Was sagen die türkischen Frauen zu der Lachnummer?

Sie lachen! Und zwar nicht ins Fäustchen, sondern laut und vor allem öffentlich. Unter den Hashtags #direnkahkaha oder #kahkaha überschwemmen Fotos fröhlich lachender Frauen das Netz. Scheint, als ob sie das Verbot nicht besonders ernst nähmen. Aber mal ehrlich, wer von uns könnte das. Ich halte es hier wie Neelie Kroes von der Europäischen Kommission: Wenn ich lachen will, lache ich. Egal, wann und wo.

Türkei, lachen, Frauen, Verbot, ArincIn diesem Sinne: #direnkahkaha – Widersetzen und lachen.

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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