Iron Blogger Stuttgart oder wie man die Jahrestage verpasst

So präsentieren sich die Iron Blogger Stuttgart Woche für Woche

Iron Blogger sind hart zu sich selbst. Woche für Woche heißt es: Bloggen oder zahlen! Wobei zahlen auch ganz nett ist. Denn ist genug in der Kasse, gehen die Iron Blogger davon essen. So wie am Donnerstag, 04.06.2019, in der Weinhalle 1896. Und da fiel es mir auf. Wir haben einige Jahrestage verpasst.

Ich blogge seit vielen Jahren. Hier auf ulrikekommuniziert und drüben auf leselustich, meinen beiden WordPress-Blogs, zwar erst seit 2012. Aber bei der KWICK! Community habe ich bereits Anfang der 2000er begonnen, erst privat auf dem Blog, der zu jedem Profil gehörte. Später dann, als ich dort als Community und Social Media Mangerin und Mitglied der Unternehmenskommunikation gearbeitet habe, lag auch der Corporate Blog, die Nutzerbespaßung und einiges mehr in meinen Händen. Schade eigentlich, dass diese Inhalte inzwischen verloren sind. Aber das bestätigt, wie sinnvoll es ist, volle Kontrolle über die eigenen Inhalte zu haben, zum Beispiel, indem man sie auf einem eigenen Blog veröffentlicht.

Bloggen oder zahlen, das ist die Frage

Zurück in die Gegenwart. Ich bin Mitglied der Iron Blogger Stuttgart. Das heißt, ich verfasse entweder jede Woche einen Blogpost oder ich zahle fünf Euro in die Bloggerkasse. Hat sich ein ordentlicher Betrag angesammelt, gehen die Bloggerinnen und Blogger gemeinsam essen. So wie Donnerstag, 04.06.2019.

Tatsächlich habe ich dieses Mal eher wenig zur Gesamtsumme beigetragen, auch wenn es oft knapp war. Stichtag ist Sonntag, null Uhr und nicht ganz so selten habe ich mich sonntags gegen 20 Uhr noch aufgerafft und eine Rezension oder sonstige Posts verfasst. Denn genau das war ein Grund für die Iron Blogger Bewegung. Blogs sollten dauerhaft und regelmäßig befüllt werden. Eine Zusammenfassung aller erstellten Beiträge wird wöchentlich auf Twitter veröffentlicht.

Judith hat ans obligatorische Foto gedacht. Danke dafür.

Stuttgart startete im September 2012. Also vor fast sieben Jahren. Viele Bloggende haben mitgemacht und sind nach einer Weile wegen Berufswechsel, Umzug, Familiengründung wieder ausgestiegen. Neue sind dazu gekommen. Manche hatten mehrere Blogs am Start, ich auch, mussten dann aber feststellen, dass das vor allem nebenberuflich wahlweise sehr stressig oder sehr teuer wurde. 🙂

In der Weinhalle 1896 waren mit Judith (war zwischendurch raus, jetzt wieder drin), Hubert, Thomas und mir tatsächlich einige Mitglieder der ersten Stunde dabei. Und wir hatten wirklich einen schönen Abend.

Ein schöner Blogger-Abend in der Weinhalle 1896

Das lag auch am tollen Service und dem leckeren Angebot in der Weinhalle 1896, dem früheren Murrhardter Hof. Die Kasse durchzubringen, war mit guter schwäbischer Küche und einer sehr üppigen Weinauswahl kein Problem. Erstaunlicherweise (oder auch nicht bei den Iron Blogger Stuttgart) war bei der Abstimmung im Vorfeld die Entscheidung für dieses Lokal einstimmig. Als Organisatorin des Termins war ich darüber natürlich erleichtert. Gleichzeitig war ich etwas unruhig. Nach dem Inhaberwechsel war ich noch nicht wieder in dem Lokal gewesen. Aber das Inhaberduo Geray und Haciresitoglu macht einen guten Job.

Alles in allem also ein runder Abend, der mir wieder gezeigt hat: Bloggen ist einfach lecker! 😉

Und den nächsten Jahrestag werde ich sicher nicht vergessen!

Feiert Stuttgart Crumpy Cat? Oder was ist da los?

Ich liebe ja Katzen, besonders die, die bei mir lebt. Mir unverständlich, wie man die eigenständigen Tiere nicht mögen kann.

Umso sympathischer ist mir ab sofort Stuttgart. Dort hat man, aus welchen Gründen auch immer, der Katze ein Denkmal gesetzt. Unklar ist bislang, wer das Tier letzten Freitag im Dorotheen Quartier kaltblütig ausgetzt hat.

Was hat es mit der blauen Katze von Stuttgart auf sich?

Im Netz finden sich bislang nur Spekulationen:

  • Ehrt Stuttgart damit Grumpy Cat, die missmutigste (rein optisch) Katze der Welt, die Mitte Mai gestorben ist.
  • Hat die Polizei ein neues Maskottchen, Katzen sind ja bekannt für ihre Charme-Offensive. Positive Imagepflege eben.
  • Oder wetzt gar die AfD ihre blauen Krallen?

Weiß jemand von euch Näheres? Ich bin sehr neugierig.

#catcontent #stuttgart #neugierig

Mein Wahl-Motto: Jugend an die Macht!

Meine Timeline ist voll. Jeder sagt mir, ich soll wählen gehen. Es nervt.

WahlkreuzAch halt, Moment. Klar nervt es. Aber ist es nicht auch toll, dass ich mit so vielen Menschen verbunden bin, denen die Möglichkeit, an ihrer Zukunft mitzuarbeiten, wichtig ist?! Ja, ist es ! Defintiv.

 

Menschen, die dafür aber weder Rezo – Die Zerstörung der CDU noch Comedians for Worldpeacce brauchen. Menschen, die eigenständig denken. Immer. Nicht nur vor Wahlen. Die mir immer wieder mit Gegenfragen und mir nicht bekannten Details neue Blickwinkel eröffnen. Ich bin dankbar für diese Menschen. Trotzdem möchte ich die Mehrzahl von ihnen nicht in der Politik sehen. Weil sie mir zu alt sind. Auch wenn viele davon jünger sind als ich selbst.

Warum alte Säcke (m/w/d) das Ruder aus der Hand geben sollen

Ich selbst bin inwischen über 50. Durch meine fortwährende Beschäftigung mit IT und Digitalisierung schon in der Schule und später als Community- und Social Media Managerin war ich immer „am Ball“. Trotzdem denke und handele ich anders als meine Enkelgeneration. Eben weil ich digitale Medien immer als Ergänzung zu meinem herkömmlichen Handeln genutzt habe. Mit der heutigen Situation aufgewachsen bin ich nicht. Deshalb kann ich vieles herleiten und erklären, warum es sich so entwickelt hat, wie das aktuell der Fall ist. Und ich kann analysieren, warum Dinge nicht funktionieren können. Und das tatsächlich sehr gut.

ABER! Ist das wirklich noch relevant (also das Erklären, nicht die Analyse, die bleibt immer relevant) und kann ich da so schnell „nacharbeiten“, wie die Entwicklung fortschreitet? Und warum sollte ich das überhaupt wollen? Es gibt doch längst Menschen, die das viel besser können. Für die das, was ich erklären kann, nicht erklärungsbedürftig ist. Weil es bereits zu ihrer Kindheit gehört hat.

Und genau diese Menschen sollen endlich das Ruder in die Hand nehmen.

Jugend an die Macht

Deshalb habe ich bei den Regionalwahlen rein nach Alter gewählt. Quer über die Parteigrenzen hinweg. Schülerinnen, Schüler, Studierende an die Macht! Menschen, die nicht ständig mit dem Spruch kommen, dass es „früher“ ja auch funktioniert hat, dass man auf A, B oder C Rücksicht nehmen muss. Und die nicht an ihren Pöstchen hängen weil sie Angst vor „Machtverlust“ haben.

Menschen, die es schaffen, sich schnell und effizient über Ländergrenzen zu vernetzen, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen und damit alte Diplomatie-Zöpfe abzuschneiden. Das beste Beispiel dafür ist die Bewegung Fridays for Future. Offensichtlich verstehen die jungen Menschen, die sich hier engagieren, die Studien weltweiter WissenschaftlerInnen besser als die aktuell Regierenden.

Mir ist klar, dass auch diese Menschen nicht zaubern können. Dass vieles langsamer gehen wird, als erhofft. Aber so gemächlich, wie es in der Vergangenheit lief, kann und darf es nicht weitergehen. Weder bei der Umwelt, noch bei der Wohnraumwirtschaft, noch in der Arbeitgestaltung. Behalten wir das Tempo bei, werden wir von den Entwicklungen überrollt werden.

Warum ich – bei aller Kritik – das Rezo-Video feiere

Deshalb feiere ich auch das Video von Rezo. Ja, es ist einiges etwas kurz gegriffen. Zuständigkeiten werden unsauber und pauschalisierend zugeordnet (Länder- versus Bundeskompetenz), die Schuld primär der CDU und ein bisschen der SPD angelastet, obwohl da durchaus noch weitere Parteien, FDP und Grüne, mit am Zug waren. Das polarisiert. Und die Reaktion der CDU macht es nicht besser!

Aber das Video hat Stand jetzt über elf Millionen Menschen erreicht. Dazu kommen weitere zig Millionen Follower anderer Youtuber, die Rezo unterstützen. Nicht nur junge Menschen. Nicht nur wohlwollende. Nicht nur ernsthaft politisch interessierte.

Sicher wird sich die Mehrzahl nicht die gesamten 55 Minuten angesehen haben, genauso wenig, wie sich alle die elf pdf-Seiten der Union durchgelesen haben werden. Vermutlich dürfen viele von ihnen auch noch nicht wählen. Und wäre der Medienhype nicht so hoch, hätten sich wohl auch nicht so viele andere Youtuberinnen angeschlossen.

Dennoch ist dieses Video und die Reaktionen darauf ein Zeichen dafür, was junge Menschen heute schnell und effektiv bewegen können. Indem sie „die Digitalisierung“ ganz selbstverständlich auch für wichtige, die ganze Welt betreffende Themen einsetzen.

Ich habe meine Stimmen schon vor etwa zwei Wochen per Briefwahl abgegeben. Rezo war da noch kein Thema, aber der Wirbel darum bestätigt mich, dass ich richtig gewählt habe: Jugend an die Macht!

Weil sie es können.

Fun Fact: Die CDU hat übrigens bei den Regionalwahlen keine Stimme bekommen. Sie hatte keine SchülerInnen oder Studierende aufgestellt. Dafür aber reichlich RentnerInnen und sonstige Menschen im Ruhestand.

Master of Desaster – Weil ich es gut finde!

Am Wochenende habe meinen Eindruck zu Master of Desaster von Sabine Zehnder verbloggt.

Ein Buch das mich begeistert hat, weil ich Veränderung liebe, aber die Tendenz habe, erst dann zu starten, wenn ich DEN perfekten Plan im Kopf habe. Spannenderweise nur wenn es um mich geht. Beruflich finde ich fail fast wesentlich klüger.

Master of Desaster

Obwohl ich Lebens- und/oder Karriereratgeber hasse und völlig sinnlos finde, hat Sabine Zehnder mit Master of Desaster bei mir offene Türen eingerannt.

Von ihr kommen keine „totsicheren Tipps“, keine „Erfolgsgarantien“ und keine Standardlösungen. Dafür gibt es Leitplanken, die sich in ihren Leben bewährt haben. An denen sie sich immer wieder orientiert und neu ausgerichtet hat.

Das macht Master of Desaster zu einem tollen Handbuch für unsere Zeit und für alle, die Lust auf Veränderung haben.

Warum mir der Tod von Robert Basic so nahe geht

In der Nacht zum zweiten November ist Robert Basic gestorben. Seit dem 27. Oktober hat er uns in seiner Facebook-Timeline „live“ an einem massiven Eingriff in sein bisheriges Leben teilhaben lassen. Von jetzt auf gleich als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert und gleich auf den OP-Tisch. Herzinfarkt.

Mit jedem Post von Robert konnte man spüren, wie sehr ihn die Situation ängstigte. Wie groß die Angst vor dem neuen, veränderten Leben nach der Entlassung war. Wie es ihn in seinem Alltag, in seinem Beruf, einfach überall einschränken würde.

Und gleichzeitig war da diese Faszination für die vielen neuen Erfahrungen, die Robert Basic in dieser Situation machen konnte beziehungsweise musste. Die High-Tech Geräte, ausgeklügelte Medikationskonzepte, der perfekt instrumentierte Klinikalltag, all das hat er neugierig in sich aufgesogen und mit uns geteilt.

Am ersten November stand die Entlassung an. Mit dem bekannten schwarzen Humor hat Robert Basic die Situation geschildert: starke körperliche Einschränkungen und massivste Atemnot, aber sonst… alles ok. Ein Zwinker-Smiley schloß diesen Post ab.

Am nächsten Vormittag überschwemmte Fassungslosigkeit meine Timeline. Robert war in der Nacht gestorben.

Warum nimmt mich dieser Tod so mit, dass ich einige Tage Facebook gemieden habe? So nah standen wir uns schließlich nicht. Wenn ich mich richtig erinnere, sind wir uns sogar nie persönlich begegnet. Ja klar, die bissig-neugierige Art, die Reibungsfläche, die sie bietet, liegt mir. Aber das war nicht der Grund.

Zu lesen, wie die Hoffnung wieder kam, nochmal unter ganz neuen Bedingungen durchzustarten, das konnte ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Daran habe ich keine Minute gezweifelt. Und das passt auch zu den Tags seines Google-Profils „Spinnen. Austauschen. Denken. Lachen“.

Aber genau das hat mir auch gezeigt, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Wie schnell alle Pläne null und nichtig werden können. Wie unwichtig so vieles ist, woran ich festhalten will und wie sorglos ich mit anderen Dingen umgehe, die mein Leben zufriedener machen.

Das ist der eine Punkt. Der andere ist die Häufigkeit, mit der solche Augenblicke gerade bei mir aufschlagen. Menschen in meinem Alter, die tödlich erkranken oder von heute auf morgen nicht mehr da sind. Tatsächlich gehe ich mit dem Tod nicht mehr so entspannt um, wie ich das früher getan habe, obwohl er für mich sehr selbstverständlich zum Leben dazu gehört.

Woran das liegt? Ich weiß es nicht.
Vielleicht am Alter, wobei das für mich keine große Bedeutung hat.
Vielleicht an den kleinen Zipperlein, die mir zeigen, dass das ‚Alter doch nicht so bedeutungslos ist, zumindest körperlich.

Jedenfalls dauert es bei jedem „Einschlag“ länger, bis ich wieder zur Ruhe komme. Es ist nicht so, dass ich Angst vor meinem eigenen Tod hätte. Der kommt sowieso irgendwann. Aber ich denke länger über die verschwundenen Menschen nach. Auch darüber, ob ich in meinem Leben Qualität richtig bewerte. Was ich ändern könnte oder sollte.

Deshalb auch dieser Blogpost. Schreiben hilft mir, meine Gedanken zu sortieren und Unangenehmes zu verarbeiten. Und vielleicht irgendwann die Lösung zu finden, warum mit der Tod von Robert Basic so nahe geht.

In den letzten Tagen haben viele Menschen ihre Gedanken zu Robert Basic geteilt. Viele davon auf sehr bewegende Art und Weise:

 

Wer die Schaben hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!

EIn Deutschland machen sich die Schaben breit. Genauer gesagt bislang noch im Süden Deutschlands. Laut Schädlingsbekämpferin hat sie derzeit mindestens sechs Anrufe pro Tag. Tun kann man nichts, denn die Bernstein-Waldschabe spricht nicht auf die Kontakt-Fraßgifte an. 

Meine erste Begegnung mit Schaben, liebevoll auch Kakerlaken genannt, hatte ich als Kind in der Uniklinik Homburg. Nachts sind sie still und heimlich die Wände hoch gekrabbelt um bei Morgendämmerung wie ein Spuk zu verschwinden. Damals wusste ich noch nicht, um welche Tiere es sich handelte, aber beruhigend war anders!

Bei Professor Pfeiffer ging es den Schaben an den Kragen

Die nächste Begegnung ging dann schon deutlich tiefer unter die Haut. Der Schabe. Nicht mir. Zum Biochemiestudium gehörte auch ein Vordiplom in Zoologie und dazu ein Präparationskurs bei Professor Pfeiffer.

Schwäbisch wie er war, wurde alles verwertet, was das Haus kostenlos zu bieten hatte und was sonst keiner brauchte. Dazu gehörten große, fette, amerikanische Schaben. Irgendwann waren welche im Gebäude ausgebüxt und hatte sich prächtig vermehrt. Man fand sie überall:

  • in Kabelschächten
  • in Küchenschränken
  • in den Filtern der großen Kaffeebereiter im Konferenzraum

Und die geselligen Tierchen sorgen auch eigenständig für Nachschub. Kommende Semester wollen ja auch versorgt sein.

Rühren in zimmerwarmem Fett

Ehrlich, es war eklig, das Tier zu sezieren. Nicht genug, dass mein Drang, jedwedes Getier zu zerpflücken, extrem gering war und ist, die Schabe roch auch noch sehr muffig und man hatte das Gefühl, primär in halbflüssigem Fett zu rühren. Selbst im Tod noch unappetitlich. Details erspare ich an dieser Stelle, sonst lesen nur noch die Hartgesottenen weiter.

Cesar’s Schabenpalast in London

Unser nächstes Rendevous fand im Cesar’s Palace in London statt. Laut Papier ein 4*-Hotel, real mit kleinen Besonderheiten:

  • im Fahrstuhl blieb man mit den Füßen am Boden kleben
  • die Zimmertür war nur mit einem sehr wackeligen Miniriegelchen zu schließen
  • der Bettüberwurf hatte kopfgroße Flecken
  • die Laken kleinere
  • aus den verrosteten Wasserhähnen kamen Rinnsale

Kurzum alles so, als hätte der guten alte Cäsar da selbst noch logiert und aus lauter Ehrfurcht hätte niemand mehr gewagt, Hand an die Innenausstattung zu legen.

Meine Mitbewohner waren da weniger pingelig. Sie haben es sich im Bad gemütlich gemacht und wuselten in alle Ecken, als ich das Licht einschaltete. Lecker!*

Fuß anheben! Zack! Drauf! – NICHT

Dann war lange Zeit Ruhe. Bis vor etwa vier Wochen. Abends in der Küche. Licht an, schwupp wuselt was über den Boden. Fuß angehoben. Zack. Drauf. Nicht nett, ich weiß, aber Instinkt. In meiner Küche bin ich pingelig.

Bernstein-Waldschabe aka Ectobius vittiventris (CC BY 3.0 Amada44)

Erst dann habe ich näher hingesehen. Eine kleine Schabe! Eine Schabe? In meiner Wohnung? Und dann auch noch draufgetreten. Dabei lautet das oberste Gebot bei der Schabenjagd: Nie, aber auch wirklich nie drauftreten. Trägt die Schabe gerade Ei-Pakete, hat man die an den Schuhen und verteilt sie in der ganzen Wohnung. Zu spät. Schon passiert. Und ob es eine Schabe war, war ja auch nicht sicher.

Stunden später im Schlafzimmer. Schon wieder eines der Tiere. Zu Abwechslung an der Wand. Zack! Weg! Eh schon alles egal.

Hauptstadtschaben als blinde Passagiere?

So richtig ruhig war die Nacht dann nicht. Schaben. Wie peinlich. Auch wenn ich weiß, dass Schabenbefall nichts mit Sauberkeit zu tun hat. Die schleppt man sich üblicherweise ein. Entweder an den Schuhen (NICHT drauftreten!), im oder am Gepäck oder per Post versteckt in Kartons. Da ich etwa alle sechs Wochen drei bis vier Tage in Berlin arbeite, also regelmäßig fliege, den TXL-Bus in die Stadt nehme und dann im Hotel übernachte, konnte ich blinde Passagiere nicht ausschließen. Und für die Katze kommen auch regelmäßig Pakete, ein weiterer Gefahrenherd. Vorsichtshalber mal Fraßfallen aufstellen und beobachten.

Eine Woche später. In der Wasserschüssel der Katze hat sich ein Tier suizidiert. Sieht aus wie … EINE SCHABE! Ekelalarm! Nach fünf Minuten mit rotem Kopf schämen googele ich Schädlingsbekämpfer in meiner Region. Vorsichtshalber.

Am Abend des gleichen Tages. Ich sitze auf der Couch, sehe fern. Irgendwas läuft über den Bildschirm. Irgendwas mit sehr langen Fühlern. Schon wieder eine Schabe! Beide relativ klein aber bereits unterschiedliche Größe. Schon zwei Generationen? Ich muss die Fachfrau konsultieren. Gleich morgen.

Erst ’ne Latte, dann ’ne Schabe

Der nächste Morgen. Die Katze führt mich ganz aufgeregt zu ihrer Decke. Da liegt was größeres, hellbraunes. Ein dürres Blatt vom Fikus, denke ich mir und mache mir erst meine Latte Macchiato. Ohne die fängt der Tag schlecht an, Schabe hin oder her. Dann gehe ich doch nochmal zur Decke. EINE SCHABE! Ausgewachsen! Adrenalin strömt durch meinen Körper. Wie peinlich, wie mega mega peinlich. Ich wähle die Nummer der Schädlingsbekämpferin, spreche ihr aufs Band: Schaben eingeschleppt, Hilfe!

Dann der Rückruf. Ob ich Bild von einem Tier hätte. Habe ich nicht, aber ich habe drei tote Tiere. Die kann ich fotografieren. Soll ich tun und schicken. Sie kommt im Moment nicht hinterher. Hat täglich bis zu sechs Anrufen wegen Schabenbefall. Denn Süddeutschland wird derzeit von der Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris) überrannt.

Waldschabe, Schabe
Dreimal Bernstein-Waldschabe in unterschiedlichen Altersstufen.

Die Bernstein-Waldschabe kam über die Alpen

Eigentlich lebte diese Schabenart ausschließlich südlich der Alpen, hat aber vor einigen Jahren diese Grenze überwunden und macht sich seither bei uns breit. Diesen Sommer ist es wohl besonders schlimm. Und weil der Schabenruf schlecht, der Ekelfaktor hoch ist, ist die Panik nicht weit.

Völlig überflüssig, wie mir die Schädlingsbekämpferin versichert. Denn anders als ihre Verwandte, die Deutsche Schabe (Blattella germanica) oder die Gemeine Hausschabe (Blatta orientalis) ist Ectobius vittiventris kein Vorratsschädling und überträgt auch keine Krankheiten wie Hepatitis, Typhus oder Cholera.

Deutsche Schabe aka Küchenschabe aka Blattella germanica (CC BY-SA 3.0 / Lmbuga

Ihr natürlicher Lebensraum ist sich zersetzendes Holz und Blattwerk. Davon ernährt sich die Bernstein-Waldschabe auch, weshalb sie in der Wohnung nur kurze Zeit überleben kann. Da sie auch keine Ei-Pakete tragen, geht von den toten Tieren, wenn sie unentdeckt bleiben, also kein Schaden aus.

Flugfähig, keine Eier tragend, keine schwarzen Streifen am Hals

So ähnlich sich Deutsche Schabe und Bernstein-Waldschabe in Größe und Färbung auch sind, an folgenden Parametern lassen sie sich eindeutig unterscheiden

  • die Bernstein-Waldschabe ist flugfähig
  • sie ist auch tagaktiv, mir ist sie meist bei Dämmerung oder kurz danach aufgefallen
  • ihr fehlen die beiden schwarzen Streifen am Halsschild

Taucht also plötzlich etwas in der Wohnung auf, was nach Schabe aussieht, muss das noch lange kein Problem sein. Cool bleiben, sich informieren und dann reagieren, ist das richtige Vorgehen.

Warum ich das schreibe? Weil mir die Auskunft von Frau Wenzel sehr geholfen hat und weil ich dazu beitragen will, dieses Wissen zu verbreiten und dem ein oder anderen Menschen den Schrecken zu nehmen.

*  Das Hotel habe ich übrigens nach der ersten Nacht, die ich komplett bekleidet verbracht habe, gewechselt. Damit wurde ich die Flecken los, nicht aber die Schaben.

Edit 31.08.2017
Wie nicht anders zu erwarten, hat mein Schaben-Blogpost zu der ein oder anderen Diskussion geführt. Was denn an ein, zwei Schaben in der Wohnung schlimm sei, wurde ich gefragt. Kurz gesagt:

  1. an einer nichts, sofern sie keine Eier dabei hat und man nichts gegen angefressene und/oder mit Krankheitserregern verunreinigte Lebensmittel hat
  2. an zweien auch nicht, wenn sie gleichgeschlechtlich sind und die unter eins genannten Voraussetzungen erfüllen

Ich würde dann empfehlen, ordentlich zu heizen. Das verkürzt die Lebenszeit.

Und wenn sich zwei Schaben ganz doll lieb haben

Gehen wir jetzt davon aus, dass wir uns von jedem Geschlecht ein Tier eingehandelt haben und diese beiden sich liebevoll zugetan sind. Drei bis fünf Mal im Jahr produzieren Sie dann Nachkommen, etwa vierzig Stück pro „Wurf“. Ein Teil davon natürlich auch weiblich, also wieder drei bis fünf Mal 40 Eier pro Jahr und so weiter.

Du wirst das nicht merken, denn die Deutsche Schabe ist absolut lichtscheu. Gesellig leben die Tiere in großen Verbänden in dunklen Ecken. Normalerweise bekommt man sie nicht zu sehen. Sieht man eine, kann man davon ausgehen, dass sich mindestens ein- bis zweihundert Kollegen im „Bau“ auf ihre Rückkehr warten. Siehst du eine am hellichten Tag, schließ die Tür zu und such dir eine neue Wohnung.** Dann sind nämlich alle Verstecke schon so eng belegt, dass niemand mehr reinpasst.

Also merken wir uns:

Eine Schabe kommt selten allein!

**Kleiner Scherz, aber spätestens jetzt solltest du die Schädlingsbekämpfung anrufen.

Arbeiten mit verteilen Teams – Meine Erfahrungen

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Ja, ich habe ihn etwas vernachlässigt, meinen Lieblingsblog. Schuld daran war sehr viel Arbeit nach meinem Jobwechsel. Für euch hat das aber auch etwas Gutes, denn ich arbeite weiter in verteilten Teams. Gerne auch mal virtuelle Teams genannt, obwohl sie für mich sehr real sind und man auch hier klassische Teambuildingstrukturen erleben kann.

Verteilte Teams sind toll!

Meine Erfahrungen der letzten Jahre mit diesen verteilten Teams habe ich im Adventskalender des Bundesverband Community Management e.V. für digitale Kommunikation und Social Media, dessen Mitglied ich seit vielen Jahren bin, zusammengefasst. Dort erfahrt ihr

  • Was Führungskräfte digitaler, verteilter Teams brauchen.
  • Was die Teammitglieder mitbringen sollten.
  • Wie man das Thema angehen kann.
  • Welche Werkzeuge wichtig sind.

Mit liegt es dabei fern, meine Erfahrungen als das todsichere Rezept zu verkaufen. Hätte ich das, würde ich ein Buch darüber schreiben, reich und berühmt werden (also noch reicher und noch berühmter) und mich auf eine sonnige Insel zurückziehen. Zumindest so lange bis mir langweilig wäre. 😉

Traut euch einfach

Also nehmt euch davon, was für euch passt. Probiert sehr gerne auch mal Dinge aus, von denen ihr nicht wisst, ob sie passen. Und ignoriert, was euch nicht passt.

Oder diskutiert mit mir. Ich bin für jede „Bewusstseinserweiterung“ dankbar.