Professor Peter Kruse: Warum instabile Systeme kreativer sind

Harmonische Systeme sind dumm. Ihnen fehlt der Reibungsfaktor, der neue Ideen hervor bringt und sie nutzen nicht die im System vorhandenen Stärken. Deshalb können auch streng hierarchisch geführte Unternehmen niemals das Maximum ihres wirklichen Potenzials ausschöpfen, wenn sie nur auf das Wissen und die Stärken des Managements verlassen. 

Dass mich die Veränderungen in unserer Gesellschaft durch die fortschreitende Digitalisierung faszinieren, ist nicht neu. Dass ich eine Verfechterin heterogener Team bin, auch nicht. Dazu habe ich erst kürzlich gebloggt, als es um den „Kampf der Generationen“ ging. Hier interessiert mich weder Generation Y, noch Generation X oder die Baby Boomer. Unsere Zukunft liegt in der Generation Diversity. Die Generation, die nicht mehr in Schubladen – die einen sind besser, die anderen schlechter – denkt, sondern die sich an den Stärken der jeweiligen Generation, des jeweiligen Menschen orientiert und diese effizient und auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten, fördert und nutzt.

Für mich geht das weit über die vor Jahren viel zitierte Schwarmintelligenz hinaus. Handelt es sich doch nicht nur um die Intelligenz der Einzelwesen sondern um ihren Stärkenbereich, ihre Prägung. Also das, was sie immer mit einbringen können. Egal, wo man sie platziert. Teams die so strukturiert sind, befinden sich in einem permanenten Spannungsfeld, das immer wieder dazu führt, Situationen und Aufgaben aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Professor Peter Kruse dazu 2007 im Interview:

Ein weiterer Grund für mich, nicht an das Überdauern des mittleren Managements zu glauben. In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels müssen Unternehmen auf die Stärken aller ihrer Mitarbeiter setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn wer in seinem Stärkebereich eingesetzt wird, ist enorm viel leistungsfähiger, weil er das macht, was ihm liegt und was ihm leicht fällt. Auch hier wird es Menschen geben, die den Teams unterstützend und beratend zur Seite stehen. Mit klassischer Führungsarbeit hat das aber nichts mehr zu tun. Viel mehr gilt es, Steine aus dem Weg zu räumen, im Zweifel zu stärken, sich selbst zurück zu nehmen. Also all das, was von Frauen schon immer erwartet wird. Deshalb sind für mich die Frauen auch die „Enabler“ der Zukunft. Diejenigen, die dynamische und heterogene Teams moderieren, bestärken und unterstützen, unterschiedliche Einflüsse zulassen. Natürlich alles auf Augenhöhe.

Doch ich will hier nicht in eine Gender Diskussion abschweifen und schon gar nicht verallgemeinern. Wichtiger ist, endlich raus aus unserem – leider auch typisch deutschen – Schubladendenken zu kommen. Die „jungen Wilden“ ebenso zuzulassen, wie die „bedächtigen Erfahrenen“ und zwar ohne beide Seiten in den Wettbewerb zu stellen. Während die jungen Wilden verstehen müssen, dass Erfahrung durchaus auch einen Wert hat, sollten die Erfahrenen akzeptieren, dass Lernen und Erfahrungen sammeln heute anders funktioniert. Es ist nicht mehr zwingend und für jede einzelne Person notwendig, sich jahrelang mit irgendwelchem Kram zu befassen, der für die heutige Welt nicht mehr relevant ist. Es wird Zeit, dass wir diesen Zopf, der noch aus ganz anderen Zeiten stammt, endlich abschneiden.

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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