Social Media: Droht die Weiterbildungsinflation?

Social Media Manager/Expert Lehrgänge schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Je nach Gusto wählen Interessenten zwischen reinen Präsenz-,  reinen Online– oder Mischveranstaltungen, mit oder ohne Zertifikat, von kostenlos bis mehrere Tausend Euro teuer. Der Wert der vermittelte Inhalte  ist dabei für den Laien schwer einzuschätzen. Klare Regelungen, was die Berufsbilder und deren Abschlüsse betrifft, sind dringend gefragt.

Social, Media, Weiterbildung
Social Media Lehrgänge sprießen wie Pilze aus dem Boden. Bild: Rainer Sturm_pixelio.de

„Alles, was ich als Händler über Social Media wissen muss in zwei Stunden mit anschließender Diskussionsrunde. Teilnahme kostenlos.“

„In  zwei verlängerten Wochenenden zum Social Media Manager für nicht mal 3.000 Euro.“

„Zum zertifizierten Social Media Manager für unter 300 Euro durch eintägige Prüfung.“

„Zertifikatskurs Social Media Manager vermittelt in sechs Seminaren an zwei Wochenenden fachliches Know-How und praktische Kenntnisse für wenig mehr als 2.000 Euro.“

So oder ähnlich lauten die Angebote, die mir fast täglich auf Xing, Facebook, Monster und Co. vorgeschlagen werden. Eine Entwicklung, die die Unsicherheit am Markt anschaulich widerspiegelt. Überall heißt es, man müsse „was mit Social Media“ machen, aber nur wenige Unternehmen fühlen sich den daraus resultierenden Anforderungen gewachsen oder haben zumindest eine einigermaßen konkrete Vorstellung, wie das für ihr Unternehmen aussehen könnt.

Eine Situation, die – egal in welcher sich rasch entwickelnden Berufsgruppe – viele das schnelle Geld wittern lässt. Darunter leider auch viele selbsternannte Profis, die zwar mehr Ahnung vom Markt haben, als die Hilfesuchenden, selten aber genug, um kompetent zu lehren. Wie trennt man hier die Spreu vom Weizen?

Angebote prüfen. Aber wie?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich selbst erst einmal über den eigenen Bedarf im Klaren sein. Möchte man nur einen groben Überblick über die Entwicklungen der letzten zwei bis drei Jahre im World Wide Web, dann werden bereits die meisten kostenlosen Angebote dieser Aufgabe gerecht.

Will man privat stärker in Netzwerken, Communitys und Co. aktiv werden, braucht es ebenfalls keine kostspielige Weiterbildung. Eine gute Übersicht über die gängigen Plattformen und Werkzeuge, vielleicht ein leicht verständliches Anfängerbuch, z.B. von Annette Schwindt, oder ein, zwei Blog-Abos sollten reichen. Jetzt noch ein Quentchen Mut, auch mal eine Frage öffentlich in seinem Profil zu stellen, dann dürfte auch hier nicht viel schief gehen.

Mehr Aufwand sollte betreiben, wer Social Media künftig geschäftlich nutzen möchte. Hier empfiehlt es sich, neben den Inhalten auch die Referenten/Dozenten genauer unter die Lupe zu nehmen.

  • Wie seriös wirkt die Seite des Anbieters?
  • Wie stellt sich der Veranstalter selbst dar?
  • Werden Wunder versprochen und überwiegend mit markigen Sprüchen geworben?
  • Wie konkret sind die Angebote ausformuliert? Eher als Rundumschlag oder nach dem Motto „lieber weniger gut als alles ein bisschen“?
  • Wie präsentieren sich die Referenten/Dozenten?
  • Haben sie sich in der Branche bereits einen Namen machen können?
  • Wie stellen sie sich auf den gängigen Plattformen (z.B. Facebook, Twitter, Youtube, usw.) dar?
  • Haben sie eigene Blogs, die einen Einblick in ihr Denken gewähren?
  • Wie sieht ihr Werdegang auf Xing oder LinkedIn aus?
  • Was weiß Google zu diesem Angebot und den beteiligten Personen?
Auch Profis helfen gerne weiter

Fragen zu stellen, ist natürlich auch immer ein guter Tipp. Bei Leuten, von denen man weiß, dass sie im Social Media Segment tätig sind. Hier sprechen sich gute Angebote meist schnell rum. Auch bei Organisationen wie z.B. dem Bundesverband Community Management e.V. (BVCM auf Facebook), dem regionalen Social Media Club (falls es einen gibt).

Letzteres ist vor allem Unternehmen ans Herz zu legen, die qualifiziertes Fachpersonal mit Berufserfahrung suchen. Da sich derzeit unter dem Begriff „Social Media Manager“ durch die nicht geregelten Anforderungen vieles auf sehr unterschiedlichem Niveau tummelt, haben es Recruiter schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Für sie sind Institutionen wie der BVCM sehr hilfreich. Denn hier kennt man aktive Profis oft persönlich und weiß meist auch, wer sich gerade neu orientieren möchte.

Nur Mut. Dumme Fragen gibt es nicht.

Community, Social, Media

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

2 Gedanken zu „Social Media: Droht die Weiterbildungsinflation?“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s