Arbeiten40, Digitale Transformation, KMU

6 Gründe, warum KMU beim digitalen Wandel die Nase vorn haben

Unternehmen, die flexibel agieren können und wollen, werden beim digitalen Wandel die Nase vorn haben. Das ist die große Chance für KMU mit ihren kürzeren Wegen und ihrer größeren Nähe zu Kunden und Beschäftigten. Sechs Beispiele zeigen, welche Handlungsansätze es gibt.

Arbeiten40, Digitale Transformation, KMUDigitale Transformation, digitaler Wandel, Arbeiten 4.0, Industrie 4.0, Enterprise 2.0, die durch die Digitalisierung nötigen Veränderungen tragen viele Namen. Nicht alle beschreiben genau das Gleiche, aber das ist egal. Denn im Grunde geht es schlicht und ergreifend um die Maßnahmen, die Unternehmen spätestens heute einleiten müssen, wenn sie morgen noch wettbewerbsfähig sein wollen. Das gilt sowohl für die Wissensarbeit als auch für die Produktion.

Die Herausforderungen sind bekannt

Eigentlich ist das auch nicht so schwer, denn vieles wissen wir ja bereits:

  • Die Welt rückt näher zusammen und damit auch die Wettbewerber
  • Entwicklungszyklen werden immer schneller
  • Kunden wollen und können mehr Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen
  • Die Grundhaltung von Beschäftigten zu Festanstellung und Vollzeit verändert sich
  • Der Ruf nach familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen wir lauter
  • Der Wunsch nach autonomem Arbeiten wächst

Kurz gesagt: Unternehmen müssen flexibler werden.

StartUps – Die Schnellboote im digitalen Wettbewerb

Wie das geht, machen uns StartUps im Bereich Wissensarbeit vor. Gearbeitet wird – soweit möglich – an verteilten Plätzen. Sei es von daheim, im Coworking Space, am Strand oder im gemeinsamen Büro. Auch die Arbeitszeiten sind meist flexibel und berücksichtigen den jeweiligen Biorhythmus, das Familienleben und das Privatleben ganz allgemein. Ausgeprägte Hierarchien gibt es nicht, jeder bringt das ein, was er oder sie am besten kann. Klar gibt es auch hier ungeliebte Arbeiten, über die man sich dann verständigen muss, wer sie wann macht.

Ein eindrucksvolles Beispiel für ein Unternehmen, was jetzt schon zukunftstauglich ist, ist die Agentur Dark Horse Innovation. Ihr Buch “Thank God, It’s Monday” lege ich allen ans Herz, die sich für neue Arbeitsmodelle interessieren.

KMU – Keine Schnellboote mehr aber wendiger als Flugzeugträger

Zugegeben, ganz so einfach haben es KMU nicht. Sie starten nicht neu. Hier gibt es bereits gewachsene Strukturen, Abstimmungs- und Freigabe-Richtlinien, Karrieren, die mit Führung verbunden sind und so weiter. Dennoch sind sie wesentlich flexibler als die meisten Großunternehmen. Und genau hier liegt der Schlüssel für ihre Zukunft.

  • Kleine und mittlere Unternehmen haben in der Regel kürzere Entscheidungswege als Großunternehmen und Konzerne. Damit sind sie wendiger und können schneller auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen reagieren. Sie müssen es aber auch wirklich wollen.
  • Auch der Weg zum Kunden ist kürzer. Rückmeldungen und Anforderungen können schneller wahrgenommen und in der künftigen Planung berücksichtigt werden. Vorausgesetzt man nutzt das Wissen der Beschäftigten, die in direktem Kundenkontakt stehen. Sie stehen in der ersten Reihe und haben in aller Regel wertvolles Wissen, das viel zu selten bis zur Führungsspitze und der Unternehmensplanung vordringt.
  • KMU können ihre größere Nähe zu den Beschäftigten nutzen, um sich mit deren Wünschen und Nöten auseinander zu setzen. Fragen Sie, was ihnen fehlt und was ihnen helfen würde. Schaffen Sie Möglichkeiten, zumindest teilweise auch von daheim zu arbeiten oder sich die Zeiten flexibel einteilen zu können. Ich weiß, dass das nicht bei allen Arbeitsschritten problemlos geht, aber an vielen Stellen ist es möglich. Man muss es nur wollen. Warum Sie das tun sollen? Die Beschäftigten, die sie halten, müssen Sie nicht neu einstellen.
  • Geben Sie Ihren Beschäftigten mehr Freiheiten. Nehmen Sie sie in die Verantwortung. Ohne “Deckel von oben” läuft so manches reibungsloser und erfolgreicher als mit. Agile Arbeitsmodelle wie zum Beispiel Scrum sind hier wirkungsvolle Instrumente für mehr Autonomie. Gleichzeitig werden Führungskräfte entlastet und können sich wieder stärker ihren fachlichen Qualifikationen widmen. Diese werden durch den klassischen Aufstieg mit Führungsverantwortung fast immer drastisch beschnitten.
  • Knüpfen Sie Aufstiegschancen nicht an Führungsverantwortung. Befördern Sie eine hervorragende Ingenieurin in eine Führungsposition, schwächen Sie selbst Ihr Unternehmen. Die Fachkraft hat weniger Zeit, das zu tun, weswegen sie eigentlich aufgestiegen ist. Stattdessen muss sie sich Aufgaben widmen, die sie nicht gelernt hat, die nicht in ihrem Stärkenbereich liegen und auf die sie oft auch keine Lust hat. Schaffen Sie spannende und verantwortungsvolle Stellen für Ihre Fachkräfte und suchen Sie intern oder extern nach Leuten, die ein Händchen für unterstützende, moderierende Führungsarbeit haben. Damit bleiben Sie fachlich stärker und werden zum attraktiven Arbeitgeber für neue Mitarbeiter.
  • “Fachkräftemangel”, “War for Talents”, jeder kennt diese Buzz Words. Gemeint ist die vermeintliche Knappheit an Fachkräften auf Grund der demografischen Entwicklung. Auch hier können KMU ihre Karte ausspielen und die Nase vorn haben. Vereinfachen Sie Ihre Bewerbungsverfahren. Öffnen Sie sie für Mosaik-Karrieren, für internationale Bewerber, für Teilzeit-Profis, für Freelancer, für Wiedereinsteiger, für alle. Verzichten Sie auf vorgeschaltete Standardseiten, über die man sich nur bewerben kann, wenn ganz bestimmte Voraussetzungen (zum Beispiel ein bestimmter Studienabschluss, eine bestimmte Fachrichtung) erfüllt sind. Setzen Sie auf individuelle Bewerbungen, führen Sie mehr persönliche Gespräche (online, am Telefon und persönlich) und binden Sie die Fachabteilungen stärker in die Entscheidungen ein. Das kostet zwar mehr Zeit, wird ihnen aber die “Hidden Talents” bringen. Je stärker sich unsere Gesellschaft ändert, desto seltener werden die “klassischen” Lebensläufe. Wenn Sie hier reagieren, haben Sie die besten Karten im Kampf um gute Beschäftigte.

Warum Sie mir diesen Punkten die Nase vorn haben können? Weil Sie schneller und flexibler agieren und reagieren können als Großunternehmen. Weil Sie zuhören, was Beschäftigte und Kunden wollen. Weil sie offen sind für Neues und Ungewohntes.

Ja, es gehört Mut dazu, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Aber meiner Meinung nach sind sie unumgänglich, wenn man für die Zukunft gerüstet sein will.

Fangen Sie an. Am besten heute noch.

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

Ein Gedanke zu „6 Gründe, warum KMU beim digitalen Wandel die Nase vorn haben“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s