VHS Esslingen goes BarCamp

Wie halte ich mich gesund? Diese Frage diskutierten die Besucher des BleibGesundCamps am 27. und 28. April 2013 in den Räumen der Volkshochschule (VHS) Esslingen. Das Besondere daran: Die Veranstaltung fand als sogenanntes BarCamp statt. Ein Format, dass man bislang überwiegend aus der IT und Social Media Szene kennt. Gebuchte Sprecher sucht man hier vergebens. Offener Austausch steht im Vordergrund.

Dass die Volkshochschule einen Kurs rund um die Gesundheit anbietet, wäre an sich keine große Meldung wert. Selbst wer die Arbeit der VHS nicht so gut kennt, wird sich über das Thema nicht wundern. Weniger selbstverständlich ist hingegen das Format, in dem die Veranstaltung angeboten wurde: das BarCamp. BarCamp wird meist mit Unkonferenz übersetzt. Aber mal ehrlich, aussagekräftiger ist das auch noch nicht.

Was ist also ein BarCamp?

BarCampsgehen auf eine Beobachtung von Tim O’Reilly zurück. Er fand die Kaffeepausen bei klassischen Tagungen als die absolut produktivsten Phasen und lud deshalb 2005 zum sogenannten FooCamp (Friends of O’Reilly) ein. Gestellt wurden nur die Räume und die Verpflegung für die Teilnehmer. Der Rest musst in Selbstorganisation ohne Vorgaben direkt vor Ort stattfinden.

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Die VHS Esslingen fungiert als Vorreiter und veranstaltet ihr erstes BarCamp. (Foto:privat)

An der Selbstorganisation hat sich bis heute nichts geändert. Noch immer ist die herausragende Eigenschaft eines BarCamps die Tatsache, dass keine Sprecher gebucht werden und dass diese auch im Vorfeld nicht feststehen. Diesen Status kann man sich weder als Sponsor noch auf irgendeinem anderen Weg erkaufen.  Themen anbieten können – müssen aber nicht – alle Interessierten, auch professionelle Referenten.

Per Handzeichen wird dann abgestimmt, wer Interesse an dem jeweiligen Thema, der sogenannten „Session“ hat. Diese dauern in der Regel 45 Minuten und sollten nicht in eine „One-Man-Show“ ausarten. Vielmehr stehen Diskussion und aktiver Austausch im Vordergrund. Die verbleibenden 15 Minuten bis zur vollen Stunde können zum Raumwechsel, zum Netzwerken oder als Erfrischungspause genutzt werden.

Ein schneller Blick aufs Sessionboard hilft

Wichtigstes Hilfsmittel bei dieser Session Planung ist das „Session-Board“, eine Wand (Pinnwand, Whiteboard, Fensterscheibe, usw.), die wie ein Stundenplan unterteilt ist. In der horizontalen Reihe stehen die einzelnen Räume, in denen Sessions angeboten werden können. Sehr perfekt bei der VHS Esslingen: Es gab auch Sporträume inklusive Duschen. Vertikal werden im Stundentakt die Themen präsentiert, denn jeder Anbieter pinnt nach der Abstimmung eine  kurze Beschreibung seines Beitrages an das Board. Die Abstimmung dient bei unterschiedlichen Raumgrößen übrigens primär der passenden Raumwahl und nicht der Bewertung des Themas.

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Wo geht es hier bitte zu meinem Thema? Session-Board beim BleibGesundCamp bei der VHS Esslingen (Foto: privat)

Am zweiten Veranstaltungstag beginnt das Spiel dann von Neuem. Sehr oft ergeben sich nämlich aus den Diskussionen des Vortages neue Ansätze, die vertieft werden sollen. Tag zwei ist deshalb meistens die Essenz aus den Vorträgen, Diskussionen, Gesprächen beim Frühstück, Mittagessen oder bei der Abendveranstaltung. Also das Ergebnis des Netzwerkens und des Austausches und damit genau das, was nicht nur Tim O’Reilly an BarCamps so fasziniert.

Die twittern während der Vorträge – wie unhöflich!

Was anderswo als grobe Unhöflichkeit gesehen wird – Vortragsteilnehmer tippen ungengiert auf ihrem Handy herum – gehört bei BarCamps zum guten Ton. Indem man in Echtzeit über die Veranstaltung berichtet, „wirbt“ man für die Veranstalter, die Sponsoren – wir erinnern uns: Räume und Verpflegung werden organisiert – und natürlich für die Referenten und ihre Themen. Die Verbreitung der Sponsorennamen im Netz ist das Dankeschön der Teilnehmer für die Unterstützung der Veranstaltung.

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Was passiert gerade wo beim BleibGesundCamp? Die Twitterwall weiß es. (Foto:privat)

Auf der Twitterwall – so nennt man die Projektion der Teilnehmerbeiträge auf Twitter in Echtzeit z.B. auf eine Wand im Pausenraum – kann man aber auch klar formulierte Kritik lesen, wenn Themen sehr kontrovers diskutiert werden können oder jemand in die Eigenwerbung verfällt. Für die meisten, die die „Social Media Szene“ nicht auskennen, eine sicher ungewohnte Erfahrung.

Ungewohnt ist vermutlich auch, dass alle Statements mit einem #bgc13 beginnen oder enden. Das ist ein Kürzel für die Veranstaltung auf Twitter und Google+. bgc13 steht für BleibGesundCamp 2013, die Raute ist ein Suchsymbol auf den Diensten. Gebe ich zum Beispiel #vhs ein, finde ich alles, was auf Twitter oder Google+ mit diesem „Hashtag“ versehen und veröffentlicht wurde. Findet also ein Sponsor meinen Beitrag mit seinem Namen, kann er diesen Beitrag weiter verbreiten oder sonstwie darauf reagieren.

Zeit zum Austauschen, Lernen und Genießen

BarCamps finden oft am Wochenende und damit in der Freizeit statt. Deshalb ist eine angenehme Atmosphäre sehr wichtig. In den Räumen der VHS Esslingen ist das überhaupt kein Problem. Der ehemalige Stammsitz der Firma Hengstenberg in der Mettinger Straße wurde erst kürzlich aufwändig saniert und für zeitgemäße Anforderungen fit gemacht. Große, helle, gut ausgestattete Räume, ein modern-sachliches und dennoch gemütliches Ambiente und ein gut ausgestattetes Bistro lassen eigentlich keine Wünsche offen. Sehr cool: Der kostenlose Trinkwasserspender der Stadtwerke Esslingen, wahlweise mit und ohne Kohlensäure. Da werden die 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht, die man täglich in Form von Wasser trinken sollte, keine Schwierigkeiten.

VHS, BarCamp, Esslingen
Die Stadtwerke Esslingen spendieren das Trinkwasser bei der VHS. (Foto: privat)

BarCamps starten übrigens immer mit einem gemeinsamen Frühstück im Vorfeld an. Es lohnt sich also, rechtzeitig zu erscheinen und erste Kontakte zu knüpfen. Erst recht dann, wenn Esskultur aus Stuttgart für das Catering verantwortlich ist.

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Wer rechtzeitig da war, konnte im VHS-Bistro mit dem Frühstück starten (Foto:privat)

Das Mittagessen wird natürlich auch gemeinsam eingenommen und am ersten Abend findet in aller Regel noch zusätzlich eine ungezwungene Abendveranstaltung statt. Hauptziel: Kontaktpflege und Austausch. Also alles da, was bei klassischen Fachtagungen oft zu wenig Platz findet.

Fazit

Für mich sind BarCamps unverzichtbarer Bestandteil meiner beruflichen und privaten Weiterbildung geworden und ich ziehe den Hut vor der VHS Esslingen, hier die Vorreiterrolle als „Mittler zwischen den Welten“ zu übernehmen. Dass es nicht ganz einfach werden würde, die „Programmheft-Szene“ mit der „BarCamp-Szene“ zu mischen, war im Vorfeld allen bewusst. Und es ist auch nicht so, dass nicht immer mal wieder kleinere Missverständnisse geklärt werden mussten. Aber insgesamt war das BleibGesundCamp ein voller Erfolg und mit Sicherheit keine Eintagsfliege. Die ersten Pläne für ein Folge-Event wurden bereits in der Abschlussrunde, in der das Feedback der Teilnehmer eingeholt wird, geschmiedet. Esslingen darf gespannt sein.

Ich habe von dem Wochenende wieder einmal viel mitgenommen. Habe neue Kontakte geschlossen. Dinge aus neuen Blickwinkeln betrachtet. Und ein bisschen von meinem Wissen in meinen Sessions an andere weiter gegeben.

Wir sehen uns 2014!

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

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