Ohne uns – Die Generation Y und ihre Absage an das Leistungsdenken

Mit “Ohne uns – Die Generation Y und ihre Absage an das Leistungsdenken” bringt Ursula Kosser auf den Punkt, was derzeit in unserer Gesellschaft passiert. Nicht nur der “Nachwuchs” der Jahre 1980 bis 1995 verweigert sich zunehmend den Karriere-Idealen ihrer Vorgänger-Generation, auch immer mehr Mitglieder dieser Vorgänger-Generation selbst tun es. Sie drücken den “Opt-Out-Button” für mehr Lebensqualität und gegen einschlägige Karrierewege.

Generation Y, Millenial, Digital, Native, Einstellung, Arbeit, ZukunftUrsula Kosser, Jahrgang 1958, hat sich des Y-Problems angenommen. Als Mutter einer 18-jährigen Tochter und Chefin vom Dienst bei RLT und n-tv in München ist sie prädestiniert, diese Generation ins Visier zu nehmen. Schließlich hat sie nicht nur ein Exemplar dieser Spezies – okay, theoretisch schon Generation Z, aber da verändert sich meiner Meinung nach nicht mehr so viel – groß gezogen, sondern sie arbeitet auch tagtäglich mit ihnen.

Dabei fällt es ihr nicht immer leicht, zu akzeptieren, dass Werte wie Emanzipation und Karriere, für die sie selbst noch auf die Straße gegangen ist, in der Generation der nach 1980 Geborenen keine große Rolle mehr spielen. Einfach weil sie für die Generationen nach uns (ich bin 1963 geboren) selbstverständlich sind. Ich weiß, es gibt auch Ausnahmen, aber gab es die nicht immer? Während wir gegen Pershing demonstriert haben, saßen andere unserer Generation gemütlich daheim in der Küche und haben Kartoffeln geschält. Warum sollte das heute anders sein.

Andere Werte sind anders, nicht besser oder schlechter

Fakt ist, wir werden mit einer Generation konfrontiert, die völlig andere Werte hat als wir und diese sind nicht besser oder schlechter als “unsere”, sie sind einfach nur anders. Wer daheim erlebt hat, dass dem Karrierestreben eines Elternteiles alles andere untergeordnet wurde, dass die Familie nicht selten daran zerbrochen ist, für den ist dieses Karrieremodell nicht erstrebenswert. Warum auch? Weshalb sollte man sich freiwillig in ein System begeben, in dem Burnout und Herzinfarkt mit 45 als Statussymbole gesehen werden? Und damit stehen sie inzwischen nicht mehr alleine da. Immer mehr Menschen verweigern sich diesen veralteten Strukturen, gehen auf der Karriereleiter freiwillig eine Stufe zurück, wenn sie merken, dass die Arbeit sie sonst auffrisst. Oder sie nehmen sich gezielt eine Auszeit, um sich in Ruhe Gedanken darüber zu machen, wo sie eigentlich hin wollen.

Stefan Keuchel drückt den „Opt-Out“-Button

Prominentes Beispiel hierfür ist aktuell Stefan Keuchel. Für mich und viele andere DAS Gesicht von Google. Seit genau 10 Jahren arbeitet er bei dem Suchmaschinen-Giganten, hat die schnelle Entwicklung mitgemacht und sehr persönlich kommentiert. Stefan Keuchel war ein Pressesprecher zum Anfassen und hat mit Sicherheit eine Karriere hingelegt, um die ihn so manch einer beneidet. Und was tut diese Social PR Ikone? Er nimmt eine Auszeit, oder wie man es heute nennt: ein Sabbatical. “um auch mal mit mehr Abstand die Dinge zu betrachten”. Dabei schließt er weder aus, dass er zu Google zurückkehren wird, noch dass seine Wege ihn anschließend in ganz andere Richtungen führen.

Stefan Keuchel ist nur ein Beispiel für Menschen, die sich “im gesetzten Alter” neu orientieren. Zu diesem Schluss kommt auch Ursula Kösser. Längst sind es nicht mehr nur die “Jungen”, die sich dem Leistungsdenken verweigern. In ihrem Umfeld tummeln sich zunehmend “Opt-Out“ Menschen, die ihr Leben zu einem Zeitpunkt hinterfragen, an dem es noch vor wenigen Jahren zu spät für einen Richtungswechsel war. Eine Tatsache, die es ihr leichter macht, die Beweggründe der Millenials zu verstehen, die positiven Ansätze darin zu sehen und letztendlich das eigene Leben zu hinterfragen..

Über die ominöse Generation Y habe ich schon vieles geschrieben, noch viel mehr gelesen und ich kann nur jedem, der mit Unternehmensentwicklung zu tun hat, empfehlen, das ebenfalls zu tun. Denn wir werden um die Einflüsse, die diese Generation auf unser gesamtes gesellschaftliches Leben nehmen wird, nicht herum kommen. Dabei möchte ich Generation Y nicht ausschließlich auf die sogenannte Alterskohorte beziehen, sondern auf alle, die schon heute so ticken, wie die “Klischee-Ys”.

Pflichtlektüre für Babyboomer und Co.

“Ohne uns – Die Generation Y und ihre Absage an das Leistungsdenken” von Ursula Kosser sollte zur Pflichtlektüre für Babyboomer und Co. werden, die immer noch nicht verstanden haben, dass mehr und mehr Menschen auf dem Vormarsch sind, die nicht NICHTS tun wollen, sondern die ES anders tun wollen, als MAN es schon immer gemacht hat. Nämlich so, dass es jedem Einzelnen gut damit geht.

Ich habe ich mich an sehr vielen Stellen des Buches wiedergefunden, denn bei lief das Verstehen ganz ähnlich ab. Das Verstehen, dass die Generation „Opt-Out“ sehr wohl Leistung erbringen will, aber eben anders als das in den vergangenen 50 oder 60 Jahren definiert war. Und das ist gut so, denn unsere Welt ändert sich so schnell wie vielleicht noch nie und macht damit neue Ansätze und Reaktionen erforderlich.

Ein klasse Buch! Sowohl inhaltlich als auch vom Schreibstil!

“Ohne uns” kannst du bei mir gewinnen!

Im Rahmen der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” verlose ich ein niegelnagelneues Exemplar von “Ohne uns- Die Generation Y und ihre Absage an das Leistungsdenken”. Mehr dazu erfährst du hier.

Danke an den DuMont Verlag, der mir ein Expemplar zur Verlosung überlassen hat. Diese Tatsache hat nichts mit der guten Rezension zu tun. Ich bin schlichtweg begeistert von “Ohne uns”

Ursula Kosser

Ursula Kosser, 1958 in Bonn geboren, studierte Geschichte und evangelische Theologie. Sie arbeitete über zwanzig Jahre als Journalistin in Bonn. Neun Jahre lang war sie im Bonner Büro des Spiegel als politische Redakteurin tätig. Seit zehn Jahren ist sie Chefin vom Dienst bei RTL und n-tv in München, wo sie mit ihrem Mann und ihrer 18-jährigen Tochter lebt. 2011 erschien ihr Buch ›Stell auf den Tisch die letzten Rosen‹, 2012 ›Hammelsprünge. Sex und Macht in der deutschen Politik‹ (DuMont).

Buchinfo: Ohne uns von Ursula Kosser, erschienen beim DUMONT Verlag, März 2014, 190 Seiten, Hardcover, € 19,99, ISBN 978-3-8321-9740-7

Mehr zum Thema Generation Y gibt es hier:

BarCamp Stuttgart: Was mich begeistert hat

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Das BarCamp Stuttgart bekommt im verflixten 7. Jahr ein neues Logo

Am 21. und 22. September 2013 hat Stuttgart wieder zum BarCamp geladen. Das sechste Mal in Folge inzwischen und das sechste Mal mit Jan Theofel als Organisator. Überzeugt hat haben nicht nur das stilvolle Ambiente des Literaturhauses sondern auch die perfekte Organisation, die positive Atmosphäre und die unglaublich bunte Themenvielfalt.

Dass ich leicht für BarCamps zu begeistern bin, habe ich hier in meinem Blog schon mehrfach erwähnt. Sie sind für mich die perfekte Mischung aus Weiterbildung, Netzwerken und Spaß haben. Von jedem Camp gehe ich mit neuen Kontakten und ganz viel Inspiration heim. Das sechste BarCamp Stuttgart ist da keine Ausnahme. 

Schon auf dem Weg zur Veranstaltung freue ich mich auf die stilvollen Räume im Literaturhaus Stuttgart. Besonders angetan hat es mir das Robert Bosch Zimmer mit seiner beeindruckenden Gestaltung. Danke an die MFG Stuttgart für das Raumsponsoring.

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Robert Bosch Zimmer im Literaturhaus Stuttgart
Nichts zu meckern bei Ambiente und Verpflegung

Auch auf das Essen beim BarCamp Stuttgart freue ich mich immer wieder aufs Neue. Esskultur steht inzwischen für mich für leckere, appetitlich angerichtete BarCamp-Verpflegung. Da ich zu den Menschen gehöre, bei denen auch das Auge gerne mit isst, Danke an Esskultur für das Sponsoring. Zum Essen gab es dann auch noch mein mit Vittel mein Lieblingswasser und anschließend einen Sonntagmorgen Kaffee, den wohl alle BarCamper kennen. Sonntagmorgen ist schließlich BarCamp Tradition. Von meiner Seite also nichts zu meckern, was Äußerlichkeiten wie Ambiente und Verpflegung angeht.

BarCamp Stuttgart 2013 – für mich nur in der Kurzversion

Leider konnte ich dieses Jahr nur am zweiten BarCamp Tag dabei sein, habe also den kompletten Samstag mit Vorstellungsrunde, abwechslungsreichen Sessions und coolen Aktionen wie der CampBar von bw-jetzt.de bzw. vom Staatsministerium Baden-Württemberg, verpasst. Trotzdem verbuche ich das BarCamp für mich als vollen Erfolg.

Die liebenswerten „Spinner“

„Teilschuld“ daran trägt Thomas Heidrich, auf Twitter unter @gnuheidix unterwegs. Er gehört für mich zu den seltenen Exemplaren Nerd, die für ihre Leidenschaft leben, tief in sie verwebt sind, Zusammenhänge aber dennoch der „technikferneren“ Species nachvollziehbar präsentieren können. Erfrischend bei seiner Session, die eigentlich gar nicht seine Session war – der eigentliche „Sprecher“ ist nicht erschienen – war die Art und Weise, wie man aus jeder seiner Erklärungen seine Begeisterung für sein Thema spüren konnte. Auch dann, wenn man längst nicht alles verstanden hat. Zum Abschluss gab es für mich dann noch einen Schnellkurs zum Thema „Wie repariere ich meinen WordPress Feed“. Ein Problem, das mich schon seit einigen Wochen beschäftigt hat und das ich dank Thomas‘ Hilfe Montag endlich fixen konnte. Auch dafür: Danke!

Tolle Diskussionen

Eines meiner persönlichen Steckenpferde ist die schnelle Veränderung unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung. Moshe Rappoport, Trendforscher am IBM-Labor in Rüschlikon, Schweiz, betonte bei der Social Media Night Stuttgart kürzlich, dass es ihm nach 40-jähriger Forschungsarbeit nicht mehr möglich ist, die künftige Entwicklung vorauszuplanen. Denn als unberechenbarer Faktor kommt heute der gesellschaftliche Wandel ins Spiel und der ist so schnell und so gravierend, dass er die große Unbekannte in der künftigen Planung sein wird.

Wie arbeiten wir in der Zukunft?

Eine Entwicklung, die mich völlig fasziniert und die ich immer wieder zum Gegenstand einer Diskussionssession bei BarCamps mache. Meine Frage an die Teilnehmer lautet dann: Wie arbeiten wir in der Zukunft?

Beim BarCamp Stuttgart begann die Session mit einigen kurzen Passagen aus „2025 – So arbeiten wir in der Zukunft“ von Trendforscher Sven Gabor Janszky, die die unterschiedlichsten Reaktionen hervorriefen. Von erfreuten bis zweifelnden Gesichtern bis eher entsetzten und zweifelnden Blicken. Entsprechend engagiert verlief dann auch die Diskussion. Überrascht stellte der ein oder andere fest, dass er schon ganz oder teilweise in der Zukunft angekommen ist und nicht mehr zurück möchte. Andere hingegen führten die aktuellen arbeitsrechtlichen Regelungen heran. In der Tat lassen sich diese nicht mehr mit den prognostizierten Arbeitsmodellen der Zukunft vereinbaren. Vieles passt schon heute nicht mehr zu den Ansprüchen der Arbeitnehmer insbesondere in der IT- und Digital-Branche. Auch mit meinem Arbeitszeitmodell – ich arbeite geplant Teilzeit von daheim für eine Firma in München – sind sie kaum noch zu vereinbaren.

Leider verging die Stunde viel zu schnell. Die von Janskzy prognostizierten Modelle für das mittlere und geringe Bildungsniveau konnten wir nicht mehr beleuchten. Aber vielleicht gelingt mir dies ja beim CommunityCamp Ende Oktober in Berlin. Denn das Thema werde ich weiter verfolgen. Die Diskussionen dazu sind einfach zu spannend.

Kostenbeitrag und andere Aufreger

Zum ersten Mal gab es beim BarCamp Stuttgart eine Teilnahmegebühr von zehn Euro pro Tag. Ein Betrag, mit dem ich kein Problem habe. Schließlich bin ich – wenn ich an beiden Tagen vor Ort bin – rundum verpflegt, lerne nette Menschen kennen, kann mich zu allem austauschen, was mir auf der Seele brennt und betrachte anschließend so manches Thema aus einem neuen Blickwinkel. Ich weiß, dass das nicht alle so sehen und hoffe, dass diejenigen, die mit der Teilnahmegebühr oder mit sonstigen Punkten der Organisation ihre Probleme haben, diese im vorgesehenen Feedback Bogen, der noch verschickt werden soll, offen ansprechen. Denn auch das gehört zum BarCamp Charakter: Gemeinsam klären, was man anders machen könnte.

Mit neuem Logo ins verflixte siebte Jahr

Gespannt bin ich auch auf das neue Logo, das es beim siebten BarCamp Stuttgart geben soll. Das aktuelle Format lässt sich in viele Werbeformate schlecht einbinden und wird deshalb überarbeitet.

Und dann war da noch…

Beim gemütlichen Schwätzchen mit Pizza nach dem BarCamp am Sonntag hatte ich noch eine spannende Diskussion zum Thema Brot selbst backen. Ich hätte so gerne das Rezept des Schrotbrotes, über das wir gesprochen haben. Aber leider habe ich nicht nach dem Namen des Bäckers gefragt. Wer also weiß, wer mir gegenüber saß, bitte Kontakt herstellen. 😀

Details zum Nachlesen im Überblick
Was ich sonst noch so zum Thema BarCamp geschrieben habe

Digitale Revolution und Change Management

Unsere Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Alles wird offener, schneller, beweglicher. Damit Mitarbeiter in dieser Situation, die schnelle Reaktionen erfordert, nicht das Vertrauen in ihr Unternehmen verlieren, müssen die Veränderungsprozesse sorgfältig und mit viel Fingerspitzengefühl geplant werden. Wie das geht, weiß Ingo Sauer, Senior Consultant bei 7P.

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Spannende Session von Ingo Sauer beim SaarCamp 2013

Es gibt Themen im Social Media Umfeld, die mir besonders am Herzen liegen. Die nachhaltigen Veränderungen durch die zunehmende Digitalisierung und Transparenz unserer Arbeitswelt sowie der Weg dahin gehören eindeutig dazu. Während sich alle um die Generation Y balgen und Pläne schmieden, wie ihnen diese ins unternehmerische Netz gehen könnte, wird meiner Meinung nach viel zu wenig Wert auf die adäquate Vorbereitung des vorhandenen Personals gelegt. Kein Wunder, sind die erforderlichen Change Management Ansätze doch langwierig, sensibel und damit kostenintensiv.

Ingo Sauer, Senior Consultant bei der 7P Solutions und Consulting AG, hatte deshalb mit seiner Session „Changemanagement – Was ist das überhaupt und wie passt da Social Media rein“ beim SaarCamp 2013 in Saarbrücken meine voll Aufmerksamkeit.

Wie erzähle ich es meinen Mitarbeiter_innen?

Gravierende Veränderungen in Unternehmen zu etablieren, ist nie sehr populär. Zu schnell ist die Angst der Mitarbeiter geweckt, dass man mit dem Neuen nicht klar kommt oder womöglich sogar wegrationalisiert werden könnte. Die voranschreitende Digitalisierung und Öffnung unserer Arbeitswelt ist so eine schwerwiegende Änderung. Wird sie gut vorbereitet und frühzeitig offen und ehrlich kommuniziert, ist sie aber zu schaffen.

Ingo Sauer von 7P kennt das Rezept, wie internes Change Management funktioniert. Für einen früheren Auftraggeber hat er eine neue Software zum Thema Wissensmanagement und Support eingeführt.

Das Problem dabei: zahlreiche Altlasten in 15 verteilten, eigenständigen Teams.

Die wichtigste Erkenntnis daraus: Man muss den Menschen genug Zeit geben, sich mit den Veränderungen im Vorfeld vertraut zu machen und man muss sie in die Entwicklung einbeziehen.

Es wird sich etwas ändern, aber das entwickeln wir mit euch zusammen

Damit das klappt, startete das Projekt mit einer Roadshow. Die Verantwortlichen reisten von Niederlassung zu Niederlassung und informierten, DASS eine Veränderung anstünde, dass aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht klar sei, wie diese konkret aussehen würde. Denn zum Erarbeiten der Details brauche man die Beteiligung der Mitarbeiter, die ja schließlich über das notwendige Fachwissen verfügen würden. Hierbei wurde auf Freiwilligkeit gesetzt. Wer sich einbringen wollte, konnte später als Mentor für die Kolleg_innen fungieren.

Bis zum nächsten Termin mit den Projektverantwortlichen bekamen die Mitarbeiter die Aufgabe, zusammenzutragen, welche Aufgaben in den jeweiligen Abteilungen anfallen. Man setzte also gezielt auf die Kompetenzen der Mitarbeiter und integrierte sie in den Prozess. Gemeinsam wurden die Aufgaben dann in Themenbereiche sortiert und nach Lösungsansätzen für die effiziente Bearbeitung gesucht.

Die technische Umsetzung

Nachdem dieser Schritt abgeschlossen war, ging es um die technische Umsetzung. Auch hier konnte das Personal Ideen einbringen und die Usability testen, ohne dass sie diese Tätigkeiten „nebenbei“, also neben ihrer regulären Arbeit, durchführen mussten. Natürlich war die Beteiligung an diesem Entwicklungsschritt ebenfalls freiwillig.

Bei der eigentlichen Einführung hatte man somit eine ausreichende Zahl gut informierter „Trainer“, die zudem eine höhere Akzeptanz bei den Kollegen genossen als Externe. Schließlich haben sie ein Produkt „vermarktet“, das über weite Strecken vom Personal mitentwickelt und beeinflusst worden war.

Das Produkt wird zwar später, dafür aber mit höherer Akzeptanz eingeführt

Durch die sorgfältige Planung und die enge Einbeziehung der Belegschaft hat sich zwar die Zeit, zu der das Produkt an den Markt geht, deutlich verlängert, dafür war aber die Akzeptanz auch deutlich höher. Der Zeitverlust wurde also durch eine frühere produktive Phase wieder wett gemacht.

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Wer Social Media einfach nur als neue Abteilung etablieren will, hat Social Media nicht verstanden. (Bild: Ingo Sauer)

Wirksames Change Management funktioniert aber nur mit dem hunderprozentigen Support des Top-Managements. Ist man hier nicht bereit, neue Wege zuzulassen, bedeuten alle Prozesse vergeudete Ressourcen. Ein zunehmendes Problem wird hier in der Zukunft vermutlich das mittlere Management darstellen, das sich um seine „Karriere“ im gewohnten Sinn gebracht sieht. Denn die Führung der Zukunft versteht sich eher als Moderation denn als Kontrolle und Anweisung.

In meinen Augen ist das der richtige Weg, den Wandel in Unternehmen möglichst reibungsarm umzusetzen. Steht hier nicht der Mensch, der die Veränderungen mittragen muss, im Vordergrund, wird unnötiges Potential vergeudet. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Prozesse derzeit voranschreiten, kann sich das kein Unternehmen leisten.

Mehr zum Thema „Wandel in der Arbeitskultur“:

BarCamp Saarbrücken 2013: Kinder im Netz

BarCamps sind dafür bekannt, dass sie intensiv Praxiswissen vermitteln und komplett auf gebuchte Sprecher verzichten. Dass aber eine Zwölfjährige über ihre Erfahrungen mit dem Netz referiert – sowohl privat wie beruflich – war auch für mich neu. Und es war eine der besten Sessions beim SaarCamp 2013.

BarCamp, Saarland, Kinder, Netz, InternetDass ich ein Fan von BarCamps bin, ist kein Geheimnis. Abgesehen davon, dass mir die entspannte Atmosphäre gefällt, kenne ich einfach kein anderes Format, das so kompakt so tiefe praktische Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Digitalen Welt liefert. Und keines, auf dem intensiver Netzwerke geknüpft und erweitert werden.

Kinder wissen, wie Schulen das Netz besser nutzen könnten

Für mich ein absolutes Novum war beim SaarCamp 2013 in Saarbrücken am 25. und 26. Mai eine junge Dame, die selbstbewusst eine Session zum Thema „Kinder im Netz“ ankündigte. Wie nutzen Kinder das Netz, wie wird es in der Schule genutzt und wie könnte man es dort effektiver nutzen.  Diese Themen hatte sie vorbereitet.

Das Besondere daran? Mit zwölf Jahren ist sie die bislang Jüngste, die eine Session auf einem BarCamp, an dem ich teilgenommen habe, angeboten hat. Und mal ehrlich, wer könnte über dieses Thema „Kinder im Netz“ besser berichten als ein Mitglied der Zielgruppe „Schüler“ selbst?!

Wie zu erwarten, war der Raum gut besetzt. Mit einigen Minuten Verspätung ging es dann los.  Souverän wurde das Notebook aufgeklappt, das iPad bereit gelegt und die Technik angeschlossen. Dann startete die Session ganz profi-like mit einer Frage an das Auditorium. Aber die Aufmerksamkeit der Anwesenden hatte Jana längst.

Wie die Schule jetzt das Internet nutzt

Mit sauber aufgebauten Folien wurde demonstriert, wie Fünftklässler heute digitales Lernen umsetzen:

  • statt Wörterbüchern wird Leo genutzt
  • die Bibliothek wird online durchforstet
  • und selbst in Mathe kommt das Internet zum Zuge. Wenn der Lehrer will, dass alle mitmachen, teilt er seine Übungen einfach.
Für jeden Bedarf das passende Gerät

In den Urlaub kommt Kindle mit, weil der weniger Platz braucht als die klassischen Lehrbücher. Dafür kann man in Büchern besser Notizen machen. Jana weiß also sehr gut, was sie wofür am besten einsetzt. Und ja, Jana liest auch.

Wenn Jana die Wahl hätte, würde sie übrigens ein iPad mit Docking-Tastatur in der Schule verwenden. Das ist einfach handlicher und der Ranzen wird leichter. Natürlich gilt das erst ab einem bestimmten Alter. Erstklässler hält Jana zum Beispiel für zu jung. Sie ist der Meinung, dass diese sich erst mit der Struktur der Schule auseinandersetzen sollten. Eventuell wären sie dann mit zusätzlichem Computerwissen zu schnell überfordert. Außerdem bestünde die Gefahr, dass man denen sonst noch irgendwann erklären müsse, was Papier sei.

Jana ist übrigens in der fünften Klasse und die Aufgabe der letzten Deutscharbeit lautete: Erkläre alle Schritte die notwendig sind, um

  • eine E-Mail zu verschicken
  • den Käfig eines Haustieres reinigen

Die Mehrzahl hat sich natürlich für die E-Mail entschieden. Nur ein Schüler meinte, er könne keines von beidem.

Stets aktuell dank Internet

Einen weiteren Vorteil sieht Jana darin, dass man stets aktuelles Wissen verfügbar hat. „Gedruckte Bücher lügen oft, weil die Forschung  einfach schon weiter ist“, sagt Jana nicht ganz zu Unrecht. Zwar kann man nicht sagen, dass die Bücher lügen, aber gerade zum Beispiel in den Naturwissenschaften veralten Inhalte sehr schnell.

Es gibt auch Nachteile

Natürlich gibt es auch Nachteile. Als Beispiel dafür führt Jana die hohen Kosten für Schulungen für Lehrer und Schüler an. Auch die Ausstattung sei teuer. Allerdings würde die Anschaffung ständig neuer Bücher ja auch teuer. Und sie beschwert sich, dass auf die Schüler niemand hört, weil sie klein sind. Dass ihre Bedürfnisse und Vorschläge nicht ernst genommen würden.

Warum eigentlich? Was Jana uns präsentiert hat, klingt absolut vernünftig und durchdacht. Da will nicht ein Kind mehr Spielzeug in der Schule. Da macht sich ein junges Mädchen selbstbewusst für sein Recht auf zeitgemäße Lernmethoden, die einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen, stark.

Jana privat im Netz

Privat nutzt Jana ihr iPad eher zum Spielen oder für Youtube. Ihr liebster Youtube-Kanal ist übrigens trigger.tv, ein Kanal, der hinter die Kulissen von Verbrechen schaut. Das Notebook ist hingegen eher ein Arbeitsgerät. Aktuell bringt sie sich mit Hilfe eines Lehrbuches zum Beispiel Photoshop bei oder bereitet Präsentationen für das SaarCamp vor.

Und Jana hat Freunde. Reale Freunde. Die ihr mehr wert sind, als irgendwelche Facebook-Kontakte und die sie nicht missen möchte. Facebook nutzt sie natürlich auch und ist dort auch mit ihrer Mutter befreundet. Aber die muss längst nicht alles sehen. Jana arbeitet nämlich mit Listen und während Mama in der Liste „Familie“ ist, sind die Schulfreunde in einer anderen. Damit ist sie – was Vertraulichkeit angeht – vielen Erwachsenen um Längen voraus.

Mit Cybermobbing hat Jana übrigens kein Problem. Dazu bietet sie zu wenig Angriffsfläche, meint sie. Mobbing in der Schule kennt sie eher vor einem anderen Hintergrund: Können Kinder nicht mit dem mithalten, was gerade in ist, gehen Mitschüler schnell derb zur Sache.

Ich vermute, bei Jana haben einige auch gehörigen Respekt, wenn sie so ein selbstbewusstes Persönchen vor haben.

Danke Jana!

Danke, Jana, für den Einblick in eine Welt, die mir recht fremd ist, weil ich keine Kinder habe. Du hast Dir wirklich Gedanken gemacht und was Du erzählt hast, hatte Hand und Fuß. Die Politiker sollten auf Kinder und Jugendliche hören. Ihr habt es nämlich drauf!

Nachtrag: Jana hat zum Ende des BarCamps den Preis für die beste Session des SaarCamps 2013 gewonnen. Verdient, wie ich finde.

Mehr Berichte zum Saarcamp gibt es hier:

VHS Esslingen goes BarCamp

Wie halte ich mich gesund? Diese Frage diskutierten die Besucher des BleibGesundCamps am 27. und 28. April 2013 in den Räumen der Volkshochschule (VHS) Esslingen. Das Besondere daran: Die Veranstaltung fand als sogenanntes BarCamp statt. Ein Format, dass man bislang überwiegend aus der IT und Social Media Szene kennt. Gebuchte Sprecher sucht man hier vergebens. Offener Austausch steht im Vordergrund.

Dass die Volkshochschule einen Kurs rund um die Gesundheit anbietet, wäre an sich keine große Meldung wert. Selbst wer die Arbeit der VHS nicht so gut kennt, wird sich über das Thema nicht wundern. Weniger selbstverständlich ist hingegen das Format, in dem die Veranstaltung angeboten wurde: das BarCamp. BarCamp wird meist mit Unkonferenz übersetzt. Aber mal ehrlich, aussagekräftiger ist das auch noch nicht.

Was ist also ein BarCamp?

BarCampsgehen auf eine Beobachtung von Tim O’Reilly zurück. Er fand die Kaffeepausen bei klassischen Tagungen als die absolut produktivsten Phasen und lud deshalb 2005 zum sogenannten FooCamp (Friends of O’Reilly) ein. Gestellt wurden nur die Räume und die Verpflegung für die Teilnehmer. Der Rest musst in Selbstorganisation ohne Vorgaben direkt vor Ort stattfinden.

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Die VHS Esslingen fungiert als Vorreiter und veranstaltet ihr erstes BarCamp. (Foto:privat)

An der Selbstorganisation hat sich bis heute nichts geändert. Noch immer ist die herausragende Eigenschaft eines BarCamps die Tatsache, dass keine Sprecher gebucht werden und dass diese auch im Vorfeld nicht feststehen. Diesen Status kann man sich weder als Sponsor noch auf irgendeinem anderen Weg erkaufen.  Themen anbieten können – müssen aber nicht – alle Interessierten, auch professionelle Referenten.

Per Handzeichen wird dann abgestimmt, wer Interesse an dem jeweiligen Thema, der sogenannten „Session“ hat. Diese dauern in der Regel 45 Minuten und sollten nicht in eine „One-Man-Show“ ausarten. Vielmehr stehen Diskussion und aktiver Austausch im Vordergrund. Die verbleibenden 15 Minuten bis zur vollen Stunde können zum Raumwechsel, zum Netzwerken oder als Erfrischungspause genutzt werden.

Ein schneller Blick aufs Sessionboard hilft

Wichtigstes Hilfsmittel bei dieser Session Planung ist das „Session-Board“, eine Wand (Pinnwand, Whiteboard, Fensterscheibe, usw.), die wie ein Stundenplan unterteilt ist. In der horizontalen Reihe stehen die einzelnen Räume, in denen Sessions angeboten werden können. Sehr perfekt bei der VHS Esslingen: Es gab auch Sporträume inklusive Duschen. Vertikal werden im Stundentakt die Themen präsentiert, denn jeder Anbieter pinnt nach der Abstimmung eine  kurze Beschreibung seines Beitrages an das Board. Die Abstimmung dient bei unterschiedlichen Raumgrößen übrigens primär der passenden Raumwahl und nicht der Bewertung des Themas.

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Wo geht es hier bitte zu meinem Thema? Session-Board beim BleibGesundCamp bei der VHS Esslingen (Foto: privat)

Am zweiten Veranstaltungstag beginnt das Spiel dann von Neuem. Sehr oft ergeben sich nämlich aus den Diskussionen des Vortages neue Ansätze, die vertieft werden sollen. Tag zwei ist deshalb meistens die Essenz aus den Vorträgen, Diskussionen, Gesprächen beim Frühstück, Mittagessen oder bei der Abendveranstaltung. Also das Ergebnis des Netzwerkens und des Austausches und damit genau das, was nicht nur Tim O’Reilly an BarCamps so fasziniert.

Die twittern während der Vorträge – wie unhöflich!

Was anderswo als grobe Unhöflichkeit gesehen wird – Vortragsteilnehmer tippen ungengiert auf ihrem Handy herum – gehört bei BarCamps zum guten Ton. Indem man in Echtzeit über die Veranstaltung berichtet, „wirbt“ man für die Veranstalter, die Sponsoren – wir erinnern uns: Räume und Verpflegung werden organisiert – und natürlich für die Referenten und ihre Themen. Die Verbreitung der Sponsorennamen im Netz ist das Dankeschön der Teilnehmer für die Unterstützung der Veranstaltung.

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Was passiert gerade wo beim BleibGesundCamp? Die Twitterwall weiß es. (Foto:privat)

Auf der Twitterwall – so nennt man die Projektion der Teilnehmerbeiträge auf Twitter in Echtzeit z.B. auf eine Wand im Pausenraum – kann man aber auch klar formulierte Kritik lesen, wenn Themen sehr kontrovers diskutiert werden können oder jemand in die Eigenwerbung verfällt. Für die meisten, die die „Social Media Szene“ nicht auskennen, eine sicher ungewohnte Erfahrung.

Ungewohnt ist vermutlich auch, dass alle Statements mit einem #bgc13 beginnen oder enden. Das ist ein Kürzel für die Veranstaltung auf Twitter und Google+. bgc13 steht für BleibGesundCamp 2013, die Raute ist ein Suchsymbol auf den Diensten. Gebe ich zum Beispiel #vhs ein, finde ich alles, was auf Twitter oder Google+ mit diesem „Hashtag“ versehen und veröffentlicht wurde. Findet also ein Sponsor meinen Beitrag mit seinem Namen, kann er diesen Beitrag weiter verbreiten oder sonstwie darauf reagieren.

Zeit zum Austauschen, Lernen und Genießen

BarCamps finden oft am Wochenende und damit in der Freizeit statt. Deshalb ist eine angenehme Atmosphäre sehr wichtig. In den Räumen der VHS Esslingen ist das überhaupt kein Problem. Der ehemalige Stammsitz der Firma Hengstenberg in der Mettinger Straße wurde erst kürzlich aufwändig saniert und für zeitgemäße Anforderungen fit gemacht. Große, helle, gut ausgestattete Räume, ein modern-sachliches und dennoch gemütliches Ambiente und ein gut ausgestattetes Bistro lassen eigentlich keine Wünsche offen. Sehr cool: Der kostenlose Trinkwasserspender der Stadtwerke Esslingen, wahlweise mit und ohne Kohlensäure. Da werden die 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht, die man täglich in Form von Wasser trinken sollte, keine Schwierigkeiten.

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Die Stadtwerke Esslingen spendieren das Trinkwasser bei der VHS. (Foto: privat)

BarCamps starten übrigens immer mit einem gemeinsamen Frühstück im Vorfeld an. Es lohnt sich also, rechtzeitig zu erscheinen und erste Kontakte zu knüpfen. Erst recht dann, wenn Esskultur aus Stuttgart für das Catering verantwortlich ist.

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Wer rechtzeitig da war, konnte im VHS-Bistro mit dem Frühstück starten (Foto:privat)

Das Mittagessen wird natürlich auch gemeinsam eingenommen und am ersten Abend findet in aller Regel noch zusätzlich eine ungezwungene Abendveranstaltung statt. Hauptziel: Kontaktpflege und Austausch. Also alles da, was bei klassischen Fachtagungen oft zu wenig Platz findet.

Fazit

Für mich sind BarCamps unverzichtbarer Bestandteil meiner beruflichen und privaten Weiterbildung geworden und ich ziehe den Hut vor der VHS Esslingen, hier die Vorreiterrolle als „Mittler zwischen den Welten“ zu übernehmen. Dass es nicht ganz einfach werden würde, die „Programmheft-Szene“ mit der „BarCamp-Szene“ zu mischen, war im Vorfeld allen bewusst. Und es ist auch nicht so, dass nicht immer mal wieder kleinere Missverständnisse geklärt werden mussten. Aber insgesamt war das BleibGesundCamp ein voller Erfolg und mit Sicherheit keine Eintagsfliege. Die ersten Pläne für ein Folge-Event wurden bereits in der Abschlussrunde, in der das Feedback der Teilnehmer eingeholt wird, geschmiedet. Esslingen darf gespannt sein.

Ich habe von dem Wochenende wieder einmal viel mitgenommen. Habe neue Kontakte geschlossen. Dinge aus neuen Blickwinkeln betrachtet. Und ein bisschen von meinem Wissen in meinen Sessions an andere weiter gegeben.

Wir sehen uns 2014!