Schnell und einfach Geld verdienen im Internet: Tipps und Tricks (II)*

Wie baue ich mir schnell und ohne Aufwand einen Reiseblog? Damit beschäftigt sich Teil zwei meiner kleinen ironischen Reihe “Schnell und einfach Geld verdienen im Internet”.

Geld verdienen, Internet, Blog, TrickWenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Und erzählen möchten wir ja alle etwas können. Wenn nur diese verflixten Reisen nicht so teuer wären! Da muss es doch einen Trick geben.

Jetzt werde ich ReisebloggerIn

Ein Reiseblog muss her. Die Reiseblogger haben es da schön. Kurven in der Welt herum, lassen sich verwöhnen. Schreiben ein paar Worte darüber und knipsen ein paar Bildchen für Pinterest und Instagram und fertg. Kann doch jeder und jede, oder?

Doch wie bekomme ich schnell Texte und Bilder aus aller Herren Länder in meinen Blog. Geld soll es nicht kosten. Und viel Zeit will ich auch nicht investieren. Das müsste ich aber, wenn ich über Länder oder Städte schreiben soll, die ich nicht kenne. Nur schnell muss es gehen.

Ich hab’s: Ich lasse schreiben

Da ich ein Käpsele bin (schwäbisch für kluger Kopf), lasse ich einfach andere für mich schreiben. Und zwar nicht für Geld. Nein! Für etwas viel viel besseres: Für Ruhm und Ehre! Denn wer seine eigenen Urlaubsgeschichten inklusive selbst geschossenen, natürlich nur sehr guten Bilder, exklusiv in meinem Blog veröffentlicht, den erwähne ich auf meinen Social Media Kanälen.

Und natürlich darf er oder sie auch einen Hinweis auf seinen eigenen Blog unter dem Artikel vermerken. Dadurch bekommt er/sie dann super viele neue Leser, was viel mehr wert ist, als schnöder Mammon. Nicht zu vergessen der Backlink zum eigenen Blog, der ebenfalls sehr wertvoll ist.

Moment, das ist doch Humbug

Erfahrenere Digitalaktivisten werden jetzt sagen: So ein Quatsch. Wenn der/das Blog gerade erst aufgebaut wird, dann nutzt die ganze Aktion doch nur demjenigen, der sich kostenlosen Content reinschaufeln lässt. Reichweite hat er ja noch keine.

Ja, stimmt. Aber das muss ja niemand wissen. Deshalb das Ganze megawichtig und gnädig verkaufen. Ein guter Trick ist, die Blogger darauf hinzuweisen, dass man ihnen die Veröffentlichung unentgeltlich gestattet. Sie brauchen nichts dafür zu zahlen, dass sie einem kostenlosen unique Content liefern. Hochwertige, individuelle Fotos inklusive.

Und nicht vergessen: An die Hilfsbereitschaft der Bloggerinnen und Blogger untereinander appellieren und diejenigen, die kritisch hinterfragen, als egoistische, geldgierige Menschen abtun. Klappt garantiert.

Ich bin dann mal weg

So, das war wieder ein absolut sicherer Insidertipp, wie man im Internet ganz schnell das große Geld verdient.

(Foto: cc: by-sa-nc)
(Foto: cc: by-sa-nc)

Ich bin dann mal weg. Auf Hawaii oder den Malediven oder den Seychellen. Das es aber auch immer so schwierig ist, sich zwischen den vielen kostenlosen Angeboten zu unterscheiden.

Weitere Insidertipps für das schnelle Geld im Internet.

*Vorsicht, meine Insidertipps können Spuren von Ironie enthalten.

Solmecke/Wahlers: Recht im Social Web

Mit “Recht im Social Web” haben Christian Solmecke und Jakob Wahlers ein umfassendes und gleichzeitig für Laien hervorragend verständliches Nachschlagewerk geschrieben, dass sich nicht nur diejenigen zu Gemüte führen sollten, die im Netz arbeiten, sondern alle, die in der Welt der Social Networks aktiv sind.

Dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, sollte sich inzwischen herum gesprochen haben. Manch einer hat es auch schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Christian Solmecke und Jakob Wahlers führen mit “Recht im Social Web” jetzt kompetent und für rechtlichen Laien verständlich durch den Rechts-Dschungel im Social Web.

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(Cover: Galileo Computing)
Der Inhalt
  • Der Start ins Social Web – was muss ich beachten?
  • Die Verwendung von Bildern und Videos im Social Web
  • Musik im Social Web
  • Die richtige Verwendung von Texten
  • Erlaubnis zur Nutzung von Inhalten – die Lizenz
  • Was bei der Nennung und Abbildung von Marken und Markenlogos zu beachten ist
  • Die Verbreitung von Aussagen im Social Web
  • Datenschutz im Social Web
  • Social Media Marketing – Werbung im Social Web
  • Wenn mal etwas schiefgeht – Haftung im Social Web
  • Social Media im Arbeitsverhältnis
  • Die Übertragung von Social-Media-Projekten
  • Mustertexte

Über 500 Seiten nützliches Wissen haben die beiden Autoren zusammengetragen, eine Tatsache, die auf den ersten Blick vielleicht abschreckt. Aber keine Sorge, Solmecke/Wahlers haben einen großen Bogen um schwer verständlichen Juristenjargon gemacht. Locker und wirkdlich für alle Leser nachvollziehbar erläutern sie die größten Stolperfallen in Sachen Internetrecht. Dabei fehlen natürlich auch die passenden anschaulichen Beispiele nicht.

Der Aufbau: Perfekt für Praktiker!

Hervorzuheben ist auch der Aufbau des Buches. Wer mit einem Blog, einem Facebook-Account, einem Youtube Kanal starten will, findet gleich in Kapitel eins eine hervorragende Übersicht über die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt. Besonders gut daran finde ich die vielen Links zu den jeweiligen AGB, Sonderbestimmungen, Regeln usw.. Gerade diese ändern sich sich sehr schnell. Durch den Verweis auf die Links statt auf die detaillierten Inhalte, stellen die Autoren sicher, dass man bei Bedarf die aktuellste Version vor Augen hat. Viel Raum wird auch den Bildrechten gewidmet, ein Thema, mit dem immer noch zu viele Internetnutzer überaus sorglos umgehen.

Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Glatteis-Thema “Social Media im Arbeitsverhältnis”. Hier ist besondere Vorsicht angesagt und zwar von beiden Seiten, wenn die Online-Präsenz langfristig ohne Folgen bleiben soll.

Ich gebe es zu, ich war skeptisch. Mehr als 500 Seiten “Juristen-Blabla”. Da würde ich sicher viel Spaß haben! 😉 Und den hatte ich in der Tat, denn “Recht im Social Web” liest sich “einfach so herunter”. Keine Spur von “Juristen-Blabla”, keine Bandwurmsätze mit Rechtszitaten, nichts. Dafür viele anschauliche Beispiele, allgemeinverständliche Formulierungen und viel viel Fachwissen.

„Recht im Social Web“ gehört auf jeden Schreibtisch

Mit “Recht im Social Web” hat Galileo schon wieder ein Buch abgeliefert, das als Nachschlagewerk auf jeden Schreibtisch gehört. Ja, ich weiß, das habe ich auch bei “Der Social Media Manager” von Vivian Pein und bei “Think Content!” von Miriam Löffler geschrieben. Aber irgendwie schafft es der Verlag, wirklich gute “Standardwerke” zu “produzieren” – und das für wenig Geld. Also kaufen, querlesen und griffbereit als Nachschlagewerk auf dem Schreibtisch deponieren!

Hol’ Dir Recht im Social Web

zum Welttag des Buches am 23.04.2014 verlose ich im Rahmen der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” ein Exemplar von “Recht im Social Web”. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Danke übrigens an den Galileo Verlag, der mir dieses Buch zur Rezension und Verlosung überlassen hat. Ich weiß, mein fortlaufendes Lob über eure Bücher klingt arg nach Bestechung, aber ich kann schlecht etwas Negatives schreiben, wenn ich nichts finde, was ich bemängeln könnte.

Christian Solmecke

Rechtsanwalt Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke und hat sich in den vergangenen Jahren auf Internetrecht/E-Commerce spezialisiert. So betreut er zahlreiche Medienschaffende und Unternehmen, die online agieren. Neben seiner Kanzleitätigkeit ist Christian Solmecke auch Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI) an der Cologne Business School. Dort beschäftigt er sich insbesondere mit Rechtsfragen in sozialen Netzen.

Jakob Wahlers

Jakob Wahlers ist Rechtsanwalt und befasst sich mit IT-Recht, Datenschutz und Social Media. Zu diesen Themen hält er Vorträge und publiziert Fachveröffentlichungen. Er ist als Justiziar für ein großes IT-Unternehmen tätig.

Buchinfo: “Recht im Social Web” von Christian Solmecke und Jakob Wahlers, erschienen bei Galileo Computing, Februar 2014, 523 Seiten, € 29,90, ISBN 978-3-8362-2608-0

Im Preis inklusive ist ein Testzugang zum Online-Buch. Soll der Zugang über die Testphase hinaus genutzt werden, gilt für Käufer des Buches ein Vorzugspreis.

Generation Diversity: Gemeinsam neue Wege gehen

Generation Y, Digital Natives, Millenials, diese Ausdrücke verfolgen uns seit einigen Jahren. Sie stehen vor allem als Sinnbild für eines: Die Digitale Revolution. Ihnen gegenüber stehen die Digital Immigrants. Die “Alten und Erfahrenen”. Doch statt sich gegenseitig zu befruchten und das beste aus jeder “Generation” gemeinsam zu nutzen, liegt man miteinander in Fehde und vertut so unnötige Chancen.

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Generation Internet von John Palfrey und Urs Gasser

Generation Y, Digital Natives, Millenials, diese Ausdrücke verfolgen uns seit einigen Jahren. Und sie stehen vor allem als Sinnbild für eines: Die Digitale Revolution. Für die Menschen, die mit den neuen Möglichkeiten, sich öffentlich zu zeigen und einzubringen, aufgewachsen sind.

Ihnen gegenüber stehen die Digital Immigrants, also die, die bereits geboren waren, als die neuen Wunder der Technik die Welt erobert haben. Diejenigen, die sich daran gewöhnen mussten und müssen, die digitalen Segnungen zu nutzen und sich damit mehr oder minder schwer tun.

Zukunftsmodell versus Auslaufmodell?

Also das Zukunftsmodell Digital Natives auf der einen Seite und das Auslaufmodell Digital Immigrant auf der anderen Seite. Ideale Voraussetzungen für Hassszenarien unterschiedlichster Art. Zumindest dann, wenn man die Situation schwarz-weiß betrachtet. Und genau das ist leider viel zu oft der Fall. Sicher liegt das auch an dem Hype der “Generation Y”, den viele Mitglieder dieser Alterkohorte übrigen selbst nicht verstehen. Aber es liegt auch an der Verweigerung der älteren Generation, die Qualitäten des Nachwuchses anzuerkennen.

Es ist doch kein neues Phänomen, dass die jeweils junge Generation voller Schwung und Tatendrang ist. Dass sie Ideen haben, die Welt verändern und vieles besser machen wollen, als ihre Vorgänger. So waren wir doch alle mal und haben kräftig über die “verknöcherten alten Säcke um die 40” abgelästert, die uns mit Sprüchen wie “Das haben wir schon probiert, das hat nicht funktioniert” oder “Das kannst Du überhaupt nicht beurteilen, dafür hast Du viel zu wenig Erfahrung” kamen. Ich jedenfalls – je nach Tabelle bin ich Baby Boomerin oder Generation X, was mir offen gestanden völlig egal ist – hätte Knochen kotzen können bei solchen Sätzen. Mehr als einmal bin ich über die Hierarchien gestolpert, weil ich mich vom “mittleren Management” nicht ausbremsen lassen wollte in meinen Ideen. Weil ich einfach wusste, dass mein Ansatz gut war und den Firmenerfolg verbessern würde. Dummerweise waren die Ideen auch “anders” als gewohnt und damit BÖSE!

Wir können den Nachwuchs nicht mehr ausblenden

Was also ist der Unterschied zur heutigen Situation? Heute lassen sich die Stimmen des Nachwuchses, der ganz nebenbei auch schon um 30 ist, nicht mehr so einfach ignorieren. Sie können sich in Foren und Netzwerken, mit Blogposts oder Videos Gehör verschaffen. Egal, ob das ihren Vorgesetzten recht ist oder nicht. Ihre Ideen gelangen in die Öffentlichkeit und werden dort diskutiert, weiterentwickelt, geteilt. Ganz selbstverständlich, denn Öffentlichkeit gehört für das “Zukunftsmodell” zum Alltag. Im Guten wie im Schlechten. Und das ist gut so. Denn ich behaupte, dass unsere aktuelle gesellschaftliche Entwicklung längst nicht so spannend und so vielfältig wäre, wie sie ist, gäbe es die “jungen Lauten” nicht.

Nun ist aber nicht so, dass ich schon immer im Besitz dieser Weisheit gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Mich haben die Statusmeldungen zu – wortwörtlich – jedem Scheiß tierisch genervt. Ich konnte die Leute, die sich da an den neuen Medien ausprobiert haben, in den ersten Jahren nicht ernst nehmen. Ok, sie waren mit dem Handy fixer. Ich kann zum Beispiel heute noch keine Nachricht mit zwei Daumen tippen.

Nagellack, Muffins und Handys

Sie haben über Nagellack, Muffins und Handys gebloggt. Aber hallo, das waren doch unreife Kinder, die dem aktuellsten Trend hinterher liefen! Was konnten die schon wissen?

Ich habe mich geirrt. Und ich bin froh darüber.

Eigentlich wollte ich nur neues Kanonenfutter gegen die Generation Y sammeln

Einer der ersten Auslöser, meine Meinung zu überdenken, war das Buch “Generation Internet – Digital Natives: Wie sie leben. Wie sie denken. Wie sie arbeiten.” von John Palmfrey und Urs Gasser, das mir Ende 2008 oder Anfang 2009 in meiner Position im Business Development einer deutschen Community in die Finger gekommen ist.

Eigentlich hatte ich es mir nur gekauft, um mich über den Begriff “Digital Native” so richtig aufregen zu können. Es sollte mir bestätigen, dass das Bullshit ist. Passiert ist das genaue Gegenteil. Ich musste zugeben, dass – damals – vor allem kreative junge Leute richtig gute Leistungen, zum Beispiel auf Youtube, geliefert haben. Coole Musik, witzige oder lehrreiche kleine Videos, Tutorials und so weiter. Und die aufgrund dieser Inhalte Förderer und Jobs gefunden haben. Eine Chance, die sie zwei oder drei Jahre früher noch nicht bekommen hätten.

Und warum waren sie so “einfach” erfolgreich? Unter anderem deshalb, weil sie mit Video, Webcam und Chat aufgewachsen sind. Anstatt lange zu überlegen, wie sie nun strategisch am besten vorgehen, um die größtmögliche Reichweiter bei möglichst geringem Risiko für das Unternehmen zu erzielen, haben sie intuitiv gemacht. Ohne großen technischen Schnickschnack, ohne Agentur und High End Equipment und ohne “Erfahrung”. Ihr größtes Risiko: Sich zum Affen zu machen und das nicht mehr ganz so schnell ausbügeln zu können.

Intuitiv zur Generation Däumling
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(Rödi / pixelio.de)

Dieser Vorsprung, intuitiv neue technische Veränderungen in ihr Handeln zu integrieren, haben sie mir voraus. Als Kommunikations- oder Social Media Managerin arbeite ich tagtäglich mit den digitalen Errungenschaften. Ich mag sie sehr, kenne ihre Möglichkeiten und setze sie gerne ein. Aber ich sehe auch Grenzen. Das Tippen der Nachrichten mit den Daumen, was übrigens inzwischen zum Titel “Generation Däumling” geführt hat und das ich nicht kann, ist hier ein schönes Beispiel. Vor Jahrzehnten habe ich gelernt, die Schreibmaschine mit zehn Fingern blind zu bedienen. Sitze ich heute nicht vor meiner Tastatur, wenn ich mein Passwort eingebe, muss ich es mindestens zweimal eingeben, bis es richtig ist, weil das Griffmuster im Stehen nicht stimmt. Genauso geht es mir mit dem Handy. Es fühlt sich falsch an, das Ding auf den Fingern liegen zu haben und mit den Daumen zu tippen. Ich warte immer, wenn ich es versuche, darauf, dass es runter fällt. Und – das ist ebenso wichtig – als ich mich an Handy und SMS gewöhnt habe, hat man noch nicht mit den Daumen getippt. Heute wachsen Jugendliche damit auf, dass alle – also alle Interessanten, die unter Zwanzig zum Beispiel – das so handhaben und machen es selbstverständlich genauso. Das ist das, was das native in Digital Native ausmacht.

Vermutlich könnte ich das auch lernen, aber wozu? Damit ich etwas schneller tippen kann? Hey, nicht mehr lange und ich brauche sowieso eine Brille, damit ich die Buchstaben noch treffe. Egal mit welchem Finger. Für mich reicht es und ich fühle mich keineswegs diskriminiert deswegen. Bin ich halt an dieser Stelle die Immigrantin und spiele meine Stärken an anderer Stelle aus. Denn die haben wir Digital Immigrants ja unbestritten.

“Und ich habe es immer noch nicht begriffen”

Moshe Rappoport ist Innovationsforscher bei IBM. Seit über 40 Jahren beschäftigt er sich mit allem, was Technologie bedeutet. In seinem Vortrag bei der Social Media Night Stuttgart schildert er, wie es ihm ging, als er seinem Enkel ein neues Konsolenspiel geschenkt hat: “Während ich noch bemüht war, zu verstehen, wie das geht, hat mein Enkel das erste Spiel schon fertig. Und ich, der 40-jährige IT Mensch, habe es immer noch nicht begriffen.” (ab 2:50 im Video)

Ich denke, auch das ist ein Beispiel, das wir “Alten” alle kennen, wenn wir ehrlich sind.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber wiederum nicht, dass diese Intuition alleine reicht, um die Arbeit zu machen, die wir – zum Beispiel im Bereich der digitalen Kommunikation – heute machen. Dazu bedarf es eben auch des Fachwissens, der Lebens- und Berufserfahrung, der Akzeptanz bei Kunden und im Unternehmen und dieser ominösen Empathie.

Während sich Fachwissen, Erfahrung und Akzeptanz mit der Zeit erarbeiten muss, gehört die Empathie wieder zu den Dingen, die theoretisch jeder haben kann. Deshalb kann es sehr wohl sein, dass ein Mitglied der Generation Y oder Z einen Social Media Kanal ebenso gut oder sogar besser, zum Beispiel weil er die Sprache der Zielgruppe besser spricht als ich, betreuen kann, als ich. Zumindest so lange, wie sich keine ernst zu nehmende Krise anbahnt oder Veränderungen bei der Geschäftsführung durchgesetzt werden müssen. Ich behaupte, da schlägt dann wieder Erfahrung und persönliches Setting die Intuition.

Generation Diversity: Gemeinsam neue Wege gehen

Statt in Schubladen zu packen und diese fest zu verschließen, sollten wir alle – jung wie alt, weiblich wie männlich, schwarz, weiß oder gelb – endlich dazu übergehen, die Schubladen ganz weit zu öffnen. Und dann nehmen wir aus jeder das Positive heraus, kombinieren unsere Funde und lernen voneinander. Egal wie alt wir sind, welche Hintergründe wir haben, wie sicherheitsbedürftig wir sind. Wie motivierend und inspirierend das sein kann, zeigt zum Beispiel das Feedback zum vermutlich ersten BarCamp für deutschsprachige CIOs und Young Professionals, das im Oktober 2013 in München stattfand.

Bei meiner Recherche zu diesem Blogpost bin ich im Zusammenhang mit der “Charta für Diversity” über den Begriff Generation Diversitiy gestolpert. Für mich trifft er genau das, was ich leben möchte und über weite Strecken bereits tue:

  • Einen freien Geist zu haben, der sich auf andere Meinungen einlassen kann (auch wenn ich oft zu ungeduldig bin und zu früh unterbreche).
  • Gute Ideen zu akzeptieren und in die eigenen Konzepte zu integrieren, egal von wem sie kommen.
  • Neue Wege zu gehen, auch wenn man auf ihnen straucheln kann.
  • Nicht zu zögern, nach der Hand zu greifen, die einem dann aufhilft, und die es fast immer gibt.
  • Die Karriereleiter links liegen lassen und mich auf das zu fokussieren, was mich erfüllt.
  • Zu kollaborieren statt zu kompetitieren (gibt es das Wort eigentlich überhaupt?).

Wenn wir von- und miteinander lernen, werden wir die besten Teams bekommen, die wir haben können. Teams in denen Alter, Geschlecht oder Herkunft keine Rolle spielen und die hervorragende Ergebnisse erzielen werden..

Ich freu mich drauf!

Anregung für diesen Blogpost: Das Thema wollte ich schon lange verbloggen. Eigentlich unter dem Titel Mythos Generation Y, den ich von oben zitiertem BarCamp mitgebracht habe. Aber das Thema ist für mich so vielschichtig, dass ich den Anfang nicht gefunden habe. Konkreter Auslöser war jetzt die Blogparade von Sandra unter dem Motto „Lass uns über Digital Natives reden„. Und noch längst ist nicht alles gesagt, was mich zu diesem Thema bewegt. Ihr werdet also um einen Nachschlag vermutlich nicht herum kommen.

BarCamp Saarbrücken 2013: Kinder im Netz

BarCamps sind dafür bekannt, dass sie intensiv Praxiswissen vermitteln und komplett auf gebuchte Sprecher verzichten. Dass aber eine Zwölfjährige über ihre Erfahrungen mit dem Netz referiert – sowohl privat wie beruflich – war auch für mich neu. Und es war eine der besten Sessions beim SaarCamp 2013.

BarCamp, Saarland, Kinder, Netz, InternetDass ich ein Fan von BarCamps bin, ist kein Geheimnis. Abgesehen davon, dass mir die entspannte Atmosphäre gefällt, kenne ich einfach kein anderes Format, das so kompakt so tiefe praktische Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Digitalen Welt liefert. Und keines, auf dem intensiver Netzwerke geknüpft und erweitert werden.

Kinder wissen, wie Schulen das Netz besser nutzen könnten

Für mich ein absolutes Novum war beim SaarCamp 2013 in Saarbrücken am 25. und 26. Mai eine junge Dame, die selbstbewusst eine Session zum Thema „Kinder im Netz“ ankündigte. Wie nutzen Kinder das Netz, wie wird es in der Schule genutzt und wie könnte man es dort effektiver nutzen.  Diese Themen hatte sie vorbereitet.

Das Besondere daran? Mit zwölf Jahren ist sie die bislang Jüngste, die eine Session auf einem BarCamp, an dem ich teilgenommen habe, angeboten hat. Und mal ehrlich, wer könnte über dieses Thema „Kinder im Netz“ besser berichten als ein Mitglied der Zielgruppe „Schüler“ selbst?!

Wie zu erwarten, war der Raum gut besetzt. Mit einigen Minuten Verspätung ging es dann los.  Souverän wurde das Notebook aufgeklappt, das iPad bereit gelegt und die Technik angeschlossen. Dann startete die Session ganz profi-like mit einer Frage an das Auditorium. Aber die Aufmerksamkeit der Anwesenden hatte Jana längst.

Wie die Schule jetzt das Internet nutzt

Mit sauber aufgebauten Folien wurde demonstriert, wie Fünftklässler heute digitales Lernen umsetzen:

  • statt Wörterbüchern wird Leo genutzt
  • die Bibliothek wird online durchforstet
  • und selbst in Mathe kommt das Internet zum Zuge. Wenn der Lehrer will, dass alle mitmachen, teilt er seine Übungen einfach.
Für jeden Bedarf das passende Gerät

In den Urlaub kommt Kindle mit, weil der weniger Platz braucht als die klassischen Lehrbücher. Dafür kann man in Büchern besser Notizen machen. Jana weiß also sehr gut, was sie wofür am besten einsetzt. Und ja, Jana liest auch.

Wenn Jana die Wahl hätte, würde sie übrigens ein iPad mit Docking-Tastatur in der Schule verwenden. Das ist einfach handlicher und der Ranzen wird leichter. Natürlich gilt das erst ab einem bestimmten Alter. Erstklässler hält Jana zum Beispiel für zu jung. Sie ist der Meinung, dass diese sich erst mit der Struktur der Schule auseinandersetzen sollten. Eventuell wären sie dann mit zusätzlichem Computerwissen zu schnell überfordert. Außerdem bestünde die Gefahr, dass man denen sonst noch irgendwann erklären müsse, was Papier sei.

Jana ist übrigens in der fünften Klasse und die Aufgabe der letzten Deutscharbeit lautete: Erkläre alle Schritte die notwendig sind, um

  • eine E-Mail zu verschicken
  • den Käfig eines Haustieres reinigen

Die Mehrzahl hat sich natürlich für die E-Mail entschieden. Nur ein Schüler meinte, er könne keines von beidem.

Stets aktuell dank Internet

Einen weiteren Vorteil sieht Jana darin, dass man stets aktuelles Wissen verfügbar hat. „Gedruckte Bücher lügen oft, weil die Forschung  einfach schon weiter ist“, sagt Jana nicht ganz zu Unrecht. Zwar kann man nicht sagen, dass die Bücher lügen, aber gerade zum Beispiel in den Naturwissenschaften veralten Inhalte sehr schnell.

Es gibt auch Nachteile

Natürlich gibt es auch Nachteile. Als Beispiel dafür führt Jana die hohen Kosten für Schulungen für Lehrer und Schüler an. Auch die Ausstattung sei teuer. Allerdings würde die Anschaffung ständig neuer Bücher ja auch teuer. Und sie beschwert sich, dass auf die Schüler niemand hört, weil sie klein sind. Dass ihre Bedürfnisse und Vorschläge nicht ernst genommen würden.

Warum eigentlich? Was Jana uns präsentiert hat, klingt absolut vernünftig und durchdacht. Da will nicht ein Kind mehr Spielzeug in der Schule. Da macht sich ein junges Mädchen selbstbewusst für sein Recht auf zeitgemäße Lernmethoden, die einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen, stark.

Jana privat im Netz

Privat nutzt Jana ihr iPad eher zum Spielen oder für Youtube. Ihr liebster Youtube-Kanal ist übrigens trigger.tv, ein Kanal, der hinter die Kulissen von Verbrechen schaut. Das Notebook ist hingegen eher ein Arbeitsgerät. Aktuell bringt sie sich mit Hilfe eines Lehrbuches zum Beispiel Photoshop bei oder bereitet Präsentationen für das SaarCamp vor.

Und Jana hat Freunde. Reale Freunde. Die ihr mehr wert sind, als irgendwelche Facebook-Kontakte und die sie nicht missen möchte. Facebook nutzt sie natürlich auch und ist dort auch mit ihrer Mutter befreundet. Aber die muss längst nicht alles sehen. Jana arbeitet nämlich mit Listen und während Mama in der Liste „Familie“ ist, sind die Schulfreunde in einer anderen. Damit ist sie – was Vertraulichkeit angeht – vielen Erwachsenen um Längen voraus.

Mit Cybermobbing hat Jana übrigens kein Problem. Dazu bietet sie zu wenig Angriffsfläche, meint sie. Mobbing in der Schule kennt sie eher vor einem anderen Hintergrund: Können Kinder nicht mit dem mithalten, was gerade in ist, gehen Mitschüler schnell derb zur Sache.

Ich vermute, bei Jana haben einige auch gehörigen Respekt, wenn sie so ein selbstbewusstes Persönchen vor haben.

Danke Jana!

Danke, Jana, für den Einblick in eine Welt, die mir recht fremd ist, weil ich keine Kinder habe. Du hast Dir wirklich Gedanken gemacht und was Du erzählt hast, hatte Hand und Fuß. Die Politiker sollten auf Kinder und Jugendliche hören. Ihr habt es nämlich drauf!

Nachtrag: Jana hat zum Ende des BarCamps den Preis für die beste Session des SaarCamps 2013 gewonnen. Verdient, wie ich finde.

Mehr Berichte zum Saarcamp gibt es hier:

Ein kleiner „Shitstorm“ passt in jedes Sommerloch

Heutzutage lässt man sich ja alles machen, wenn das natürlich Verfügbare als nicht ausreichend erachtet wird. Den Busen,  die Nägel, den Hintern und eben auch die Schlagzeilen fürs Unternehmen. Letzteres besonders im Sommerloch, also den kommunikationsschwachen Ferienwochen. Was soll man schon groß berichten, wenn alle im Urlaub sind? Da kommt so ein kleiner Shitstorm doch gerade recht.

Was für ein Sturm?

Shitwas? fragen sich jetzt vielleicht diejenigen, die nicht sonderlich webaffin sind. Ihnen sei erklärt, dass „Shitstorm“ heute für jegliche Form der Unmutsbekundung im Web, insbesondere auf mitgliederstarken Plattformen wie Google+, Facebook, Twitter und Co., steht. Die Grenzen in der Bewertung sind dabei sehr fließend. Was für die einen noch ein laues Lüftchen ist, ist für die anderen bereits ein Tsunami.

Ich selbst mag das Wort „Shitstorm“ nicht. Und zwar nicht, weil ich die Beschwerden der Menschen nicht ernst nehmen würde, sondern weil Shitstorms immer häufiger zum Flashmob von Hobby-Krawallmachern verkommen. Hauptsache dagegen, egal gegen was. Und natürlich Hauptsache unsachlich und/oder beleidigend. Wir sind schließlich im World Wide Web und da gelten keine starren Anstandsregeln.

Doch zurück auf die Sachebene. In den letzten Wochen verging kaum ein Tag, an dem nicht einer meiner Kontakte über einen neuen Sturm im digitalen Wasserglas berichtet hat. Eine Häufung, die mich am Zufall zweifeln lässt. Stellt man es nämlich geschickt an, füllt man so das kommunikative Sommerloch. Das Thema muss nur ausreichend unwichtig oder vom eigentlichen Geschäftszweck entfernt sein, um sich langfristig in die Köpfe der Nutzer einzuprägen. Dann ist es ganz schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, ohne nachhaltigen Schaden zu verursachen. Und mit etwas Glück wird das Thema sogar von den traditionellen Medien aufgenommen. Schließlich gähnt auch da das Sommerloch.

Ernst nehmen aber realistisch bewerten

Doch welche Auswirkungen hat eine hitzige Diskussion zu meiner Marke auf Facebook wirklich? Hierzu verweise ich gerne auf die Präsentation von Holger Geißler, Markforschungsinstitut YouGov:

Zahlen sich „Freunde“ aus? – Wie Social Media auf die Marke wirkt

Er sensibilisiert dafür, dass Empörungswellen aus dem persönlichen Blickwinkel und dem eigenen Nutzerverhalten heraus oft falsch bewertet werden.

Vielmehr sollte klar analysiert werden:

  • Welche Medien greifen das Thema auf? Beschränkt sich die Diskussion auf Social Media Kanäle?
  • Handelt es ich um berechtigte Kritik? Wie kann man schnell Abhilfe schaffen?
  • Sind diejenigen, die sachlich argumentieren, ansprechbar und können/wollen zur Problemlösung beitragen?
  • Wie hoch ist der Prozentsatz der „Meckerer“ und gehören sie zur Zielgruppe des Unternehmens?

Gerade wir Professionals in Sachen digitale Kommunikation neigen gerne zur Überreaktion und verkennen dabei, dass wir – bezogen auf die Social Media Kanäle – nicht zur Durchschnittsbevölkerung gehören. Die breite Masse schenkt diesem Medium nämlich immer noch deutlich weniger Aufmerksamkeit, als wir uns das manchmal wünschen.

Nochmals, das soll kein Votum sein, Beschwerden über öffentliche Kanäle zu ignorieren. Im Gegenteil. Es ist ein Appell an alle Unternehmen, die die zeitgemäßen Kommunikationswege nutzen, auf qualifiziertes Personal zu setzen.  Denn nur kommunikationserfahrene Mitarbeiter werden, wenn es heiß her geht, angemessen reagieren. Wer Social Media nebenbei von irgendwem machen lässt, tut sich gerade in solchen Shitstorm-Momenten selten einen Gefallen. Das bedeutet aber auch: Social Media kostet Geld und Zeit. Aber das ist in eine gute Außendarstellung gut investiert, oder?

Ich bin Chantal und mach Social Media Blabla Dingens

„Ich bin Chantal und mach Social Media Blabla Dingens.“ Ok, ich gebe es zu: Der Name wurde verfremdet. Aber sonst lief die Vorstellung einer Teilnehmerin beim Facebook Camp in Hamburg Ende April 2012 genauso ab.

Der „Social Media“-Hype ist vorbei

Warum dieses Intro einen Blogartikel wert ist? Weil es meine Einschätzung unterstützt, dass der „Social Media“-Hype vorbei ist. Damit meine ich nicht die Kommunikation in öffentlichen Netzwerken, Blogs und Nachrichtendiensten. Im Gegenteil, die wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ich meine den fast schon zwanghaften Wunsch, unbedingt irgendwas mit „Social Media“ im Namen führen zu müssen, um sich von den klassischen „Unternehmenskommunikations-Fuzzis“ abzuheben.

Sicher war es vor drei bis vier Jahren noch so, dass die klassischen PR- und Journalismus-Leute mit den neuen Medien oft nicht so gut zurecht kamen. Kurz und trendig sollte es sein, „kumpelig“, kein Marketing-/PR-Blabla und eine breite Masse erreichen. Saubere Recherche und professionelle Darstellung schienen zweitrangig zu werden. Schienen. Denn inzwischen ist zumindest bei den Profis angekommen, dass sich die Kommunikation von „früher“ und die von „heute“ gar nicht so sehr unterscheiden.

Wer nicht professionell kommunizieren kann, dem hilft auch Social Media nichts

Kritik und negatives Feedback gab es schon immer. Zwar hat es „früher“ länger gedauert, bis es den Empfänger erreichte, aber in der Reaktion waren Sachlichkeit und Authentizität schon immer die Methoden der Wahl. Daran hat auch Social Media nichts geändert. Wer glaubt, nur weil das Medium ein anderes ist, ticken auch die Kritiker anders, irrt. Sicher ist für einige die Hemmschwelle gesunken, mal vermeintlich anonym irgendwo reinzurotzen. Denen ist aber schnell der Wind aus den genommen, wenn man sich nicht provozieren lässt. Wenn es richtig gut läuft, übernehmen diese Aufgabe sogar andere Abonnenten, Fans, Follower.

Und was die sagenumwobene Reichweite angeht: Ist die wirklich so hoch beziehungsweise wirklich so einflussreich im realen Leben? Holger Geißler vom Marktforschungsinstitut YouGov bezweifelt es in seinem Vortrag bei der zehnten Social Media Night in Stuttgart. Aber dazu in einem späteren Beitrag mehr.