BarCamp Saarbrücken 2013: Kinder im Netz

BarCamps sind dafür bekannt, dass sie intensiv Praxiswissen vermitteln und komplett auf gebuchte Sprecher verzichten. Dass aber eine Zwölfjährige über ihre Erfahrungen mit dem Netz referiert – sowohl privat wie beruflich – war auch für mich neu. Und es war eine der besten Sessions beim SaarCamp 2013.

BarCamp, Saarland, Kinder, Netz, InternetDass ich ein Fan von BarCamps bin, ist kein Geheimnis. Abgesehen davon, dass mir die entspannte Atmosphäre gefällt, kenne ich einfach kein anderes Format, das so kompakt so tiefe praktische Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Digitalen Welt liefert. Und keines, auf dem intensiver Netzwerke geknüpft und erweitert werden.

Kinder wissen, wie Schulen das Netz besser nutzen könnten

Für mich ein absolutes Novum war beim SaarCamp 2013 in Saarbrücken am 25. und 26. Mai eine junge Dame, die selbstbewusst eine Session zum Thema „Kinder im Netz“ ankündigte. Wie nutzen Kinder das Netz, wie wird es in der Schule genutzt und wie könnte man es dort effektiver nutzen.  Diese Themen hatte sie vorbereitet.

Das Besondere daran? Mit zwölf Jahren ist sie die bislang Jüngste, die eine Session auf einem BarCamp, an dem ich teilgenommen habe, angeboten hat. Und mal ehrlich, wer könnte über dieses Thema „Kinder im Netz“ besser berichten als ein Mitglied der Zielgruppe „Schüler“ selbst?!

Wie zu erwarten, war der Raum gut besetzt. Mit einigen Minuten Verspätung ging es dann los.  Souverän wurde das Notebook aufgeklappt, das iPad bereit gelegt und die Technik angeschlossen. Dann startete die Session ganz profi-like mit einer Frage an das Auditorium. Aber die Aufmerksamkeit der Anwesenden hatte Jana längst.

Wie die Schule jetzt das Internet nutzt

Mit sauber aufgebauten Folien wurde demonstriert, wie Fünftklässler heute digitales Lernen umsetzen:

  • statt Wörterbüchern wird Leo genutzt
  • die Bibliothek wird online durchforstet
  • und selbst in Mathe kommt das Internet zum Zuge. Wenn der Lehrer will, dass alle mitmachen, teilt er seine Übungen einfach.
Für jeden Bedarf das passende Gerät

In den Urlaub kommt Kindle mit, weil der weniger Platz braucht als die klassischen Lehrbücher. Dafür kann man in Büchern besser Notizen machen. Jana weiß also sehr gut, was sie wofür am besten einsetzt. Und ja, Jana liest auch.

Wenn Jana die Wahl hätte, würde sie übrigens ein iPad mit Docking-Tastatur in der Schule verwenden. Das ist einfach handlicher und der Ranzen wird leichter. Natürlich gilt das erst ab einem bestimmten Alter. Erstklässler hält Jana zum Beispiel für zu jung. Sie ist der Meinung, dass diese sich erst mit der Struktur der Schule auseinandersetzen sollten. Eventuell wären sie dann mit zusätzlichem Computerwissen zu schnell überfordert. Außerdem bestünde die Gefahr, dass man denen sonst noch irgendwann erklären müsse, was Papier sei.

Jana ist übrigens in der fünften Klasse und die Aufgabe der letzten Deutscharbeit lautete: Erkläre alle Schritte die notwendig sind, um

  • eine E-Mail zu verschicken
  • den Käfig eines Haustieres reinigen

Die Mehrzahl hat sich natürlich für die E-Mail entschieden. Nur ein Schüler meinte, er könne keines von beidem.

Stets aktuell dank Internet

Einen weiteren Vorteil sieht Jana darin, dass man stets aktuelles Wissen verfügbar hat. „Gedruckte Bücher lügen oft, weil die Forschung  einfach schon weiter ist“, sagt Jana nicht ganz zu Unrecht. Zwar kann man nicht sagen, dass die Bücher lügen, aber gerade zum Beispiel in den Naturwissenschaften veralten Inhalte sehr schnell.

Es gibt auch Nachteile

Natürlich gibt es auch Nachteile. Als Beispiel dafür führt Jana die hohen Kosten für Schulungen für Lehrer und Schüler an. Auch die Ausstattung sei teuer. Allerdings würde die Anschaffung ständig neuer Bücher ja auch teuer. Und sie beschwert sich, dass auf die Schüler niemand hört, weil sie klein sind. Dass ihre Bedürfnisse und Vorschläge nicht ernst genommen würden.

Warum eigentlich? Was Jana uns präsentiert hat, klingt absolut vernünftig und durchdacht. Da will nicht ein Kind mehr Spielzeug in der Schule. Da macht sich ein junges Mädchen selbstbewusst für sein Recht auf zeitgemäße Lernmethoden, die einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen, stark.

Jana privat im Netz

Privat nutzt Jana ihr iPad eher zum Spielen oder für Youtube. Ihr liebster Youtube-Kanal ist übrigens trigger.tv, ein Kanal, der hinter die Kulissen von Verbrechen schaut. Das Notebook ist hingegen eher ein Arbeitsgerät. Aktuell bringt sie sich mit Hilfe eines Lehrbuches zum Beispiel Photoshop bei oder bereitet Präsentationen für das SaarCamp vor.

Und Jana hat Freunde. Reale Freunde. Die ihr mehr wert sind, als irgendwelche Facebook-Kontakte und die sie nicht missen möchte. Facebook nutzt sie natürlich auch und ist dort auch mit ihrer Mutter befreundet. Aber die muss längst nicht alles sehen. Jana arbeitet nämlich mit Listen und während Mama in der Liste „Familie“ ist, sind die Schulfreunde in einer anderen. Damit ist sie – was Vertraulichkeit angeht – vielen Erwachsenen um Längen voraus.

Mit Cybermobbing hat Jana übrigens kein Problem. Dazu bietet sie zu wenig Angriffsfläche, meint sie. Mobbing in der Schule kennt sie eher vor einem anderen Hintergrund: Können Kinder nicht mit dem mithalten, was gerade in ist, gehen Mitschüler schnell derb zur Sache.

Ich vermute, bei Jana haben einige auch gehörigen Respekt, wenn sie so ein selbstbewusstes Persönchen vor haben.

Danke Jana!

Danke, Jana, für den Einblick in eine Welt, die mir recht fremd ist, weil ich keine Kinder habe. Du hast Dir wirklich Gedanken gemacht und was Du erzählt hast, hatte Hand und Fuß. Die Politiker sollten auf Kinder und Jugendliche hören. Ihr habt es nämlich drauf!

Nachtrag: Jana hat zum Ende des BarCamps den Preis für die beste Session des SaarCamps 2013 gewonnen. Verdient, wie ich finde.

Mehr Berichte zum Saarcamp gibt es hier:

Veröffentlicht von

Ulrike

Ich verstehe analoge Bedenken und kann digitalen Mut machen. Und ich übersetze zwischen beiden Welten. In Unternehmen, bei MitarbeiterInnen, im Dienstleistungsumfeld, im Privatleben, auf meinen Blogs. Das ist meine Leidenschaft.

7 Gedanken zu „BarCamp Saarbrücken 2013: Kinder im Netz“

  1. Danke, Ulrike, für deinen interessanten Beitrag übers #Saarcamp vergangenes Wochenende!

    Leider konnte ich nicht persönlich Jana zuhören, da ich zu dieser Zeit gerade selbst einen Vortrag zum Thema „Soziale Netzwerke in China“ gehalten habe. Ich habe mir fest vorgenommen einen eigenen Beitrag übers Barcamp Saarbrücken zu veröffentlichen, sobald ich Zeit habe. Du wirst ihn dann auf http://www.socialmedia-blog.net finden. Ich freue mich natürlich jederzeit über Kommentare deinerseits und bedanke mich schonmal fürs Folgen auf Twitter @SocialMediaBlo2

    Viele Grüße,
    Stephan

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