Reinhold Würth: Der Patriarch in seiner Verantwortung

Deutschlands Wirtschaft ist bis heute geprägt von den Namen großer Familienunternehmen. Dazu gehört auch Reinhold Würth, der Patriarch des weltweit operierenden Konzerns der Würth Gruppe mit Sitz im schwäbischen Künzelsau. Claus Detjen hat mit ihm gesprochen und ein lebensnahes Meinungsbild gezeichnet, das perfekt in die aktuelle politische Lage aufgreift.

Reinhold WürthReinhold Würth – Der Patriarch in seiner Verantwortung. Was habe ich von diesem Titel erwartet? Hintergründe über das “Schrauben-Imperium”? Die Lebensgeschichte eines Selfmade Patriarchen? Ja, etwas in der Art wohl.

Bekommen habe ich den fundierten Blick eines viel gereisten und vielseitig interessierten Mannes auf Wirtschaft und Politik. Und das nicht nur regional, sondern global. Und absolut am Puls der Zeit.

Claus Detjen startet mit Fragen zur Konzernstruktur. Hier hat Würth früh den Weg geebnet, dass das Unternehmen in Familienbesitz bleibt. Ein Punkt, der ihm sehr wichtig ist und der durch die frühzeitige Einbindung der Familienmitglieder in die Führungsaufgaben gesichert sein sollte.

Ein Kaufmann muss wissen, was in der Politik läuft

Wer nicht nur in Deutschland Erfolg haben möchte, muss sich für die Weltpolitik interessieren. Das macht Reinhold Würth mit Hingabe. Er ist ein Verfechter der Vereinigten Staaten von Europa, ein Konstrukt, das durch die aktuellen politischen Entwicklungen mehr denn je gefährdet ist. In diesem Kontext fand ich Würths Einlassungen sehr spannend.

Auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Würth appelliert an ihre Verantwortung zur sorgfältigen Berichterstattung. Auch das wieder ein hochaktueller Bezug, stehen doch die Medien wie selten im Kreuzfeuer der Kritik einzelner Gruppen.

Aus den Grenzerfahrungen der Vergangenheit lernen

Beide, Würth und Detjen haben die zweiten Weltkrieg noch erlebt. Kein Wunder also, dass die Erfahrungen dieser grausamen Zeit thematisiert werden. Für Reinhold Würth ist es wichtig, dass die nachfolgenden Generationen aus diesen existenziellen Grenzerfahrungen lernen. Wenn er jetzt die Szenen aus den Kriegsgebieten dieser Welt und die zunehmend aufgeheizte Stimmung sieht, macht ihm das Angst. Schlimme Erinnerungen werden wach. Erinnerungen, die er keinem seiner Kinder und auch keinem anderen Menschen wünscht.

Der Patriarch in seiner Verantwortung hat mich gepackt, auch wenn wir uns anfangs nur sehr schwer annähern konnten. Das lag zum einen an meiner falschen Erwartungshaltung, zum anderen aber auch an einem Führungsstil, der meinem Verständnis von Zusammenarbeit nicht wirklich entspricht. Aber ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe.

Nach drei Kapiteln hatten wir uns zusammengerauft und ich habe mir politische Zusammenhänge aus vielen neuen Blickwinkeln angesehen. Und dabei mein Bewusstsein für die ein oder andere Situation deutlich erweitert. Danke dafür.

Herr Würth, Herr Detjen, ein spannendes Buch!. Vielen Dank dafür.

Claus Detjen

Claus Detjen war Journalist bei der Deutschen Welle, Herausgeber von Tageszeitungen, Mitbegründer des privaten Rundfunks und ist Autor von Büchern und Fachbeiträgen zur Medienentwicklung.

Buchinfo: Der Patriarch in seiner Verantwortung von Claus Detjen, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, April 2015, 189 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, zahlreiche Fotos, 24,90 Euro, ISBN 978-3-95601-086-6

 

Dräger/Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsrevolution

Stellen wir uns vor, in Schulen wird individuell auf jeden Schüler und jede Schülerin eingegangen. Abhängig von den Lernergebnissen des Vortages wird über Nacht der persönliche Lehrplan für den Folgetag erarbeitet. Im Unterricht gibt es dann bei jeder Aufgabe sofort Feedback in Form von Lob oder als Hilfestellung. Wiederum für jeden einzelnen ganz individuell angepasst. Geht nicht? Doch, kann sehr wohl gehen. Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt erklären wie.

Die digitale Bildungsrevolution von Joerg Draeger
Die digitale Bildungsrevolution von Joerg Draeger

In den letzten Jahrzehnten war unsere Gesellschaft permanent im Wandel. Unser Alltag, unsere Umwelt, unsere Arbeitwelt. Das Einzige, was sich kaum entwickelt hat, ist die Art, wie wir lehren. Ein Lehrer steht vor einer Klasse mit 25 Schülerinnen und bietet allen einen standardisierten Unterricht, der sich am Durchschnitt orientiert. Das Ergebnis: Die Schwächsten bleiben auf der Strecke, die Besten langweilen sich. Denn selten hat das Lehrpersonal genügend Spielraum, auf alle Bedürfnisse individuell einzugehen.

Computergestützt und individuell zum Erfolg

Das geht längst auch anders. Die USA, Asien und Lateinamerika machen es vor. Dort, wo der Zugang zu guter Bildung entweder sehr teuer oder nur schwer möglich ist, unterstützt zunehmend Software beim individuellen Lernen. Mit verblüffenden Ergebnissen. Die Leistungen steigen bei der computerunterstützten Lehre signifikant an, den Lehrenden bleibt mehr Zeit, sich individuell um einzelne Bedürfnisse zu kümmern. Zwar gilt das längst noch nicht für alle Fächer, sondern bislang primär für die mathematisch-logischen, aber immerhin.

Ähnlich ist es an Universitäten, zum Beispiel in den USA. Die hohen Studiengebühren stellen für viele Interessenten eine unüberwindbare Hürde dar. Vollzeitpräsenz machen Teilzeitstudierenden ein Studium unmöglich. Seit einiger Zeit veröffentlichen immer mehr Universitäten ihre Lehrmaterialien im Netz und ermöglichen so Interessierten als aller Welt den Zugriff. Sie können Klausuren teilnehmen und Abschlüsse machen. Ohne je eine Universität von innen gesehen zu haben. Und lassen dabei die “klassischen” Studierenden um Längen hinter sich.

Digitalisierung und Big Data im Dienst der Bildung

Dräger und Müller/Eiselt schildern eindrücklich, wie sich die Digitalisierung und Big Data für die Bildung in unserem Land nutzen lassen. Vorausgesetzt wir überwinden unsere Abwehrhaltung dagegen und überwinden “Standesdünkel”. Denn interessanterweise haben wir hier im Bildungssystem die gleichen Probleme wie in der freien Wirtschaft.

Lehrer bangen um ihre Jobs, anstatt die Vorteile solcher Lehrmethoden zu sehen und sich auf Veränderungen einzulassen. Vorausgesetzt, ihnen wird vorab der passende Hintergrund zum Umgang mit den digitalen Lehrmethoden und deren Anwendung intensiv vermittelt. Professoren, die begnadete Lehrer sind, bangen um ihre Reputation, wenn sie primär mit dieser Stärke arbeiten und weniger Zeit in die Forschung investieren sollen. Dafür wären andere stärker mit der Korrektur von Klausuren und Abschlussarbeiten beschäftigt. Kurz gesagt: Hierarchien werden aufgeweicht, was in unserer Gesellschaftsstruktur immer als Verlust der persönlichen Bedeutung Einzelner gesehen wird.

Lehrende nutzen ihre Stärken: Sie lehren!

Was ist so schlimm daran, wenn auch in der Lehre jeder seinen Stärken entsprechend eingesetzt wird, seine Kernkompetenzen bestmöglich ausleben kann und seine Begeisterung so an Schülern, Auszubildende oder Studierende weitergibt?

Ich bin keine Lehrerin oder Dozentin, aber ich stelle es mir bereichernd vor, zu sehen, dass den Menschen, die ich ausbilden soll, bestmöglich versorgt zu sehen und zusätzlich genug Zeit zu haben, im Einzelfall ganz individuell persönlich zu unterstützen. Dahin müssen wir kommen, wenn wir mittelfristig ein hohes Bildungsniveau in unserem Land halten wollen. Denn in anderen Ländern ist man da weniger zögerlich. Dazu kommen unzählige bildungshungrige Menschen, die dank MOOCs (Massive Open Online Courses), Online-Universitäten und Online-Lernprogrammen endlich ihren Hunger Kosten stillen können. Wenn wir nicht wollen, dass wir bildungstechnisch das Nachsehen haben, müssen wir unser Bildungssystem revolutionieren. Und zwar dringend und schnellstmöglich.

Ein Muss für alle, die mit Lehre zu tun haben

“Die Digitale Bildungsrevolution” von Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Zum einen, weil ich selbst Weiterbildung liebe und in unregelmäßigen Abständen meine Dosis brauche. Aber auch, weil ich die Anregungen und die vorgeschlagenen Wege so selbstverständlich finde. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie man sich diesen Ansätzen aufgrund von Prestigedenken entziehen kann oder dubioser Ängste verweigern kann.

Ein Lese-Muss für alle, die mit Ausbildung und Lehre zu tun haben.

Die Autoren

Kaum jemand in Deutschland hat wohl einen besseren Überblick über die Chancen und Folgen des digitalen Lernens als Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt.

Jörg Dräger, geboren 1968, ehemaliger Hamburger Wissenschaftssenator und heutiger Vorstand der Bertelsmann Stiftung, gilt als ausgewiesener Bildungsexperte. Der Buchautor – 2011 erschien bei der DVA Dichter, Denker, Schulversager – ist ein gefragter Redner und Impulsgeber zur Zukunft der Bildung.

Ralph Müller-Eiselt, Jahrgang 1982, ist mit Internet und sozialen Medien aufgewachsen. Er forscht für die Bertelsmann Stiftung, wie der digitale Wandel unsere Gesellschaft verändert, und twittert (@bildungsmann, @Bildung_Digital) und bloggt (digitalisierung-bildung.de) über die Bildung von morgen.

Buchinfo: Die digitale Bildungsrevolution von Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt, erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt, 28.09.2015, 240 Seiten (Printausgabe), eBook, 13,99 €, ISBN: 978-3-641-17258-9. Vielen Dank für das Leseexemplar.

Design Thinking – Das Handbuch

Menschen unterschiedlichster Disziplinen sitzen an einem Tisch und “machen” Innovation. Geht nicht? Doch, natürlich geht das. Denn genau diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, neue Produkte und Ideen aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und Fehler und Missverständnisse so früh als möglich zu identifizieren. Design Thinking – Das Handbuch zeigt Schritt für Schritt, wie es es geht.

Design ThinkingAuf dieses Buch war ich richtig neugierig und die Verschiebung des Veröffentlichungsdatums hat es mir das Warten nicht leichter gemacht. Bekommen habe ich dann ein Buch, dem man anmerkt, wie wichtig es den Autoren ist, anderen Menschen ihr Fachgebiet zu vermitteln. Das Handbuch startet deshalb mit einem ausführlichen Methodenüberblick und erklärt in fünf Kapiteln, was Design Thinking eigentlich genau ist.

Der Inhalt
  • Methodenüberblick
    • Was ist Desing Thinking?
    • Mikrozyklus – Wie Design Thinker arbeiten
    • Makroprozesse – Die 7 + 1 Phasen des Design Thinking
    • Der Werkzeugkasten des Design Thinking
    • Der Design Thinking-Kodex
    • Das Team
    • Die Umsetzung im Unternehmen
  • Werkzeugkasten
    • Problemdefinition und Re-Definition
    • Need Finding und Synthese
    • Ideengenerierung
    • Prototyping und Storytelling
    • Testen
    • Warm-ups
    • Feedback
    • Einverständniserklärung
  • Das Design Thinking-Labor
    • Creative Spaces
    • Goldene Regeln für Design Thinking-Räume
    • Arbeitsräume für Design Thinking
    • Umsetzung von Design Thinking- Arbeitsbereichen
    • Design Thinking-Materialliste
    • Design Thinking-Werkzeuge
    • Design Thinking-Möbel
  • Umsetzung im Unternehmen
    • Design Thinking im Projektalltag
    • Transformationsstufen der Organisation
    • Handlungsempfehlungen und Erfolgsfaktoren für die Implementierung
  • Fallstudien

Üblicherweise liste ich die Inhaltsangaben von Büchern nicht so detailliert auf. In diesem Fall zeigt das Verzeichnis aber den absoluten Praxisbezug des Buches. Es geht nicht nur darum, eine Methode zu dokumentieren, sondern auch darum, diese Methode sinnvoll im Unternehmen einzuführen.

Systematisch und aufwändig gestaltet

Diesen Eindruck bestätigt die sehr aufwändige und systematische Aufmachung und reiche Bebilderung der folgenden knapp 300 Seiten. Design Thinking eignet sich damit sowohl für die Einarbeitung in das Thema als auch als übersichtliches Nachschlagewerk für Anwenderinnen und Anwender.

Mich selbst als Neuling bei dieser Arbeitsmethode hat der Praxisteil dann doch leicht überfordert. Er geht sehr ins Detail und verlangt eigentlich danach, das Gesagte auch praktisch umzusetzen. Aber genau so sollte ein Buch für Praktiker ja auch gestaltet sein.

Ich werde wieder stärker visualisieren

Mitgenommen habe ich aber trotzdem viel: Künftig fasse ich meine Ideen viel stärker in Bilder beziehungsweise konkrete Modelle und denke sie daran durch. Und ich werde wieder stärker zum Skizzieren zurück gehen und nicht versuchen, alle Pläne nur in meinem Kopf entstehen zu lassen.

Fazit: Design Thinking – Das Handbuch könnte für mein Empfinden das Zeug zum Standardwerk der Design Thinker Szene haben. Und das zu einem sensationell günstigen Preis für ein solches Fachbuch.

Die Autoren

Prof. Dr. Falk Uebernickel ist Assistenzprofessor an der Universität St. Gallen. Seine Lehrund Forschungsschwerpunkte sind Design Thinking und Information Management.

Prof. Dr. Walter Brenner, geb. 1958, ist seit 1. April 2001 Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität St.Gallen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik. Davor hatte er Professuren an der Universität Essen und der TU Bergakademie Freiberg inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind Industrialisierung des Informationsmanagements, Management von IT-Service-Providern, Customer Relationship Management, Einsatz neuer Technologien und Design Thinking; daneben ist er freiberuflich als Berater in Fragen des Informationsmanagements und der Vorbereitung von Unternehmen auf die digitale, vernetzte Welt tätig.

Therese Naef ist CEO und Partner von milani design & consulting AG und gewann mehrere nationale und internationale Designpreise.

Britta Pukall ist Inhaberin der milani design & consulting AG. Sie war als Verwaltungsrätin in verschiedenen Unternehmen aktiv und wirkt als Jurorin bei den wichtigsten internationalen Wettbewerben.

Dr. Bernhard Schindlholzer hat in seiner Dissertation an der Universität St. Gallen Design Thinking erforscht und die Methodik dokumentiert.

Buchinfo: Design Thinking, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, August 2015, 303 Seiten, Paperback, Querformat, Innenteil komplett vierfarbig, 29,90 €, ISBN 978-3-95601-065-1

Leseempfehlung: Matthias Horx – Zukunft wagen

Zukunft ist Veränderung. So ist es immer gewesen und so wird es immer sein. Und trotzdem macht Veränderung vielen Menschen Angst. Matthias Horx nimmt diese Angst ins Visier und räumt ganz nebenbei mit vielen Gerüchten auf.

Matthias Horx, Zukunft wagenUnsere Welt ist im Umbruch. Schon immer gewesen. Dafür sorgen zum einen so genannte Megatrends, also langfristige Entwicklungen, die entscheidenden Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen. Aktuell sind hier Globalisierung, Digitalisierung oder Altersentwicklung zu nennen. Zum anderen sorgen klimatische Veränderungen, Kriege und wachsender Wohlstand für Veränderungen.

Nicht nur Deutschland kamen diese Veränderungen in der Vergangenheit sehr zu Gute. Wie Matthias Horx darlegt, gab es noch nie wo wenig Kriege in der Welt und rund 80 % der Gesamtbevölkerung ging es wirtschaftlich noch nie so gut. Für weitere 16 % sind die Bedingungen gleich geblieben und 4 % haben sich verschlechtert.

Krise als Geschäftsmodell

Wie? Wenig Kriege und weltweit steigender Wohlstand? Irgendwie fühlt sich das in unseren Medien aber ganz anders an. Da hört man nichts davon, dass sich – wenn auch bescheidener – Wohlstand in vielen Ländern breit macht, die wir noch als gänzlich “unterentwickelt” abgespeichert haben. Länder, in denen die Kindersterblichkeit rapide sinkt, was zu einer sinkenden Geburtenrate insgesamt führt. Solche Nachrichten bringen eben keine Quote. Brot und Spiele – Das Volk will unterhalten sein. Nicht nur im alten Rom und nicht nur an Halloween.

Deshalb ergehen sich die Medien in Horrorszenarien:

  • “Wohlstand am Ende – Politik versagt – Europa am Abgrund”
  • “Die Demokratie bricht auseinander”
  • “Wir werden in eine Weltwirtschaftskrise rutschen”

Krise ist das neue Geschäftsmodell der Medien. Und Krise ruft die “hysterischen Stammtische” auf den Plan. Die “apokalyptischen Spießer”, wie Horx sie nennt. Menschen, die sich dieses Medientrends bedienen, Ängste anderer Menschen weiter schüren, um sie auf ihre Seite zu ziehen. Dabei schrecken sie vor Lügen, Gerüchten und Opfern nicht zurück.

Wer offen ist für Neues, wird selten enttäuscht

Auch das erleben wir aktuell täglich in den Medien. Menschen, die wie die Lemminge rechten Anheizern hinterherlaufen. Die kritiklos Hetzparolen skandieren und sich willig für rechte Propaganda instrumentalisieren lassen. Und das alles nur, weil sie Angst vor Veränderung haben, nicht offen für Neues sein können oder wollen. Und weil sie kein Vertrauen in die Zukunft haben. Dabei müssten doch gerade wir in Deutschland dieses Vertrauen haben.

Vielleicht sind unsere Ansprüche inzwischen einfach so hoch, dass wir den Bezug zur Realität verloren haben. Immer, wenn etwas noch besser wird, legen wir automatisch die Latte für das, was “normal” ist, noch ein Stückchen höher. Die geringste Abweichung von dieser Erwartung wird dann sofort als Bedrohung empfunden und lauthals beklagt. Dabei ändert sich nichts schlagartig. In der Regel verändern sich innerhalb von 10 Jahren:

  • 80 % unserer Umgebung überhaupt nicht
  • 16 % leicht
  • und nur 4 % sind ganz neu.

Damit erweitern sich permanent unsere Möglichkeiten. Wir müssen es nur wollen und uns einlassen.

Was die Raupe das Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling
Lao Tse.

Mit “Zukunft wagen” hat Matthias Horx ein Buch geschrieben, das ich verschlungen habe. Passenderweise als eines der ersten auf meinem neuen eBook Reader. Bislang war ich ja Papier-Fan.

Kaufen, lesen, inspirieren lassen!

Es ist super spannend, wie Horx sowohl Vergangenheit also auch Gegenwart und Zukunft beleuchtet und dabei so manchen Irrglauben und manches Vorurteil zurecht rückt. Dabei handelt es sich nicht um Spinnereien eines Zukunftsforschers. Horx belegt seine Aussagen ausgiebig mit Quellen und macht damit richtig Lust auf die Zukunft. Ganz egal, ob er beschreibt, wie die Natur rund um Tschernobyl heute aussieht – üppiges Grün statt toter Baumgerippe – oder wie schnell sich Wissenschaft und Kultur außerhalb Deutschlands durch die Vertreibungs- und Vernichtungspolitik der Nazis entwickelt haben.

Als Mensch, der sowieso sehr neugierig und offen ist, wenn es um Zukunft geht, hat mich Matthias Horx sehr inspiriert. Ich lege dieses geniale Buch allen ans Herz, die sich für die Entwicklung unserer Gesellschaft interessieren und die offen und erwartungsfroh in die Zukunft blicken. Wer sich einlässt, wird immer gewinnen.

Matthias Horx

Matthias Horx, geboren 1955, ist der profilierteste und einflussreichste Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum und Autor vieler erfolgreicher Bücher. 1999 gründete er das Zukunftsinstitut, einen Prognose-Think-Tank, der heute zahlreiche europäische Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen berät. Seit 2007 ist er auch Dozent für Trend- und Zukunftsforschung an der Zeppelin-Universität, Friedrichshafen. Zuletzt erschien von ihm bei DVA Das Megatrend-Prinzip. Wie die Welt von morgen entsteht (2011).

Buchinfo: Zukunft wagen von Matthias Horx, erschienen bei DVA, November 2013, eBook, ISBN: 978-3-641-12860-9, € 11,99. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.

Christoph Kucklick: Die granulare Gesellschaft

“Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst” lautet der Untertitel zu Christoph Kucklicks Buch “Die granulare Gesellschaft”. Und in der Tat verändert die Digitalisierung viel in und an unserer Gesellschaft. Zum Beispiel müssen wir einerseits unsere Grenzen neu definieren, andererseits gewähren wir freiwillig Einblicke in unserer Leben, die in dieser Tiefe vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wären. Christoph Kucklick geht auf die Dimensionen und die Folgen für den Einzelnen ein.

Christoph Kucklick, Die granulare GesellschaftWas auf den ersten Blick wie ein weiteres Buch über die Einflüsse der Digitalisierung auf unser tägliches Leben wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als etwas viel tiefer gehendes. Der schnelle und unkomplizierte Zugang zu Daten lässt inzwischen für viele Probleme wesentliche individuellere und feiner abgestimmte Lösungen zu.

Nehmen wir das Beispiel Gesundheits-Tracking. Jeder von kennt Menschen, die sich freiwillig den ganzen Tag an diverse “Datenschreiber” hängen. Sie tragen sie am Handgelenk, beim Joggen gerne auch mal um die Brust oder ganz gezielt auf Körperstellen, die Probleme bereiten. Ich glaube nicht, dass es je so viele Menschen gab, die freiwillig dauerhaft ihre Körperfunkionen überwacht haben. Blutdruck, Puls, Temperatur werden permanent aufgezeichnet. Mit Vor- und Nachteilen. Ein Vorteil liegt ganz sicher darin, dass die Lifelogger im Krankheitsfall die perfekten Langzeitdaten auf Knopfdruck vorweisen können. Besser und feiner ausgewertet, als es ein Langzeit-EKG oder ähnliches bisher konnten. Der Nachteil daran: Daten wecken Begehrlichkeiten. Krankenkassen könnten zum Beispiel auf die Idee kommen, so das Verhalten ihrer Mitglieder genauer zu überwachen.

Einheitslösungen werden nicht mehr ausreichen

Die Zeiten, wo man mit einer Lösung für alle ausgesorgt hatte, gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. Sowohl die künftige Arbeitswelt als auch unter Privatleben werden nach individuellen Lösungen, neuen Wertebildern verlangen. Damit lässt sich die Digitalisierung mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichen. Damals hieß es, die Allgemeinheit sei nicht in der Lage, mit dem neuen Wissen umzugehen und doch hat es funktioniert. Sogar gut funktioniert. Zumindest für die breite Masse. Eine Tatsache, die die Mächtigen der damaligen Zeit vermutlich anders gesehen haben.

Ohne erhobenen Zeigefinger aber auch ohne übertriebene Lobpreisungen nimmt Christoph Kucklick die Vor- und Nachteile unserer schönen neuen Big Data Welt ins Visier. Damit liefert er viele Denkanstöße, die es mir als Leserin erleichtern, meine eigene Meinung zu bilden und mich ganz bewusst für die Zukunft zu positionieren.

Unser Leben ändert sich fortwährend, mal in kleineren, mal in größeren Schritten. Aufhalten können wir das nicht (ganz nebenbei möchte ich das auch überhaupt nicht). Aber wir lernen immer wieder aufs Neue, damit umzugehen.

Informativ, spannend, gut!

Ein wirklich tolles Buch mit viel Fachwissen, das trotzdem prima lesbar und sehr spannend ist!

Christoph Kucklick

Christoph Kucklick, Jahrgang 1963, ist promovierter Soziologe und Journalist. Der Chefredakteur der GEO schrieb vorher unter anderem für Die Zeit, Brand eins und Capital. Seine Dissertation Das unmoralische Geschlecht ist bei Suhrkamp erschienen. Kucklick lebt in Hamburg.

Die granulare Gesellschaft von Christoph Kucklick, erschienen bei Ullstein, November 2014, 272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 18,00, ISBN 978-3-550-08076-0

So wollen Top-Talente arbeiten – und nicht nur die! (+ Gewinnspiel)

Vor drei oder vier Jahren war ich noch völlig überzeugt, kein Typ für eine reine Homeoffice Tätigkeit zu sein. Niemand zum Reden beim Kaffee holen, keine schnellen Rückfragen, wenn was unklar ist, keine Möglichkeit, sich mal auszukotzen, wenn man gerade nicht vorwärts kommt. Dafür aber reichlich Möglichkeiten, sich anderweitig abzulenken. Das waren nur ein paar meiner Bedenken.

Auch mal der Intuition folgen

Dann kam eine berufliche Veränderung und der einzige Haken daran war: Es war Homeoffice in Teilzeit. Beides eigentlich Ausschlusskriterien bis dahin, aber mein Bauch sagte mir ganz entschieden, ich solle das machen. Und mein Bauch hatte Recht! Aber so was von Recht.

Brecke: So wollen Top-Talente arbeitenIn den vergangenen drei Jahren habe ich kaum noch Zeit auf dem Weg zur Arbeit oder zurück vergeudet. Meinen Tag konnte ich weitgehend einteilen. Wenn ich müde war, auch mal eine Stunde die Augen schließen und dann motiviert weitermachen. Ich habe gelernt, mich neu zu koordinieren und akzeptiert, dass meine beste Arbeitszeit zwischen sieben und dreizehn Uhr liegt. Zumindest im Sommer. Im Winter schiebt sie sich etwas nach hinten. Logischerweise lege ich mir komplexe Aufgaben also auf den Vormittag. Bei schönem Wetter – davon gab es dieses Jahr ja reichlich – arbeite ich auf dem Balkon, genieße die frische Luft. Ehe jetzt Fragen kommen: Klar, bin ich bei wichtigen Terminen vor Ort. Egal wo.

Wenn Arbeit gesund macht

In dieser Zeit war ich praktisch nicht krank, überwiegend gut gelaunt und sehr produktiv. Ich habe mich in viele neue Programme eingearbeitet und wieder ein Mal festgestellt, wie sehr ich das mag. Und ich behaupte meine Lieblinge gegenüber anderen Tools, wenn ich mit denen einfach effektiver bin. Mit etwas gutem Willen findet sich immer eine Lösung.

Spannend daran: Seit ich so arbeite, lerne ich immer mehr Menschen kennen, die ähnlich arbeiten. Häufig sind das junge Unternehmen, nicht selten etwas nerdy, kreativ und wirklich etwas bewegend. Und genauso häufig haben sie erst Bedenken, dass eine solche Form der Zusammenarbeit mit jemandem, der schon auf der Welt war, als die “Digital Natives” geboren wurden, funktionieren kann. Allerdings dauern die Vorbehalte nicht lange, dann überzeugt die Selbstständigkeit und die Gelassenheit bei der Arbeit. Neue Tools? Kein Problem. Muss man sich halt anschauen und austesten. Richtungswechsel in der Firmenausrichtung, weil der Markt sich so schnell ändert? Ja und? Veränderung gehört zu Leben und hält den Geist wach. Apropos wacher Geist: Wer in jungen Unternehmen arbeitet, kann sich meistens auch überall da einbringen, wo er/sie was auf dem Kasten hat oder wo er/sie sich einarbeiten möchte. Eine weitere Sache, wo sich Menschen mit Erfahrung kräftig punkten können. Vorausgesetzt, sie sind bereit, ebenfalls von anderen zu lernen.

Long Story Short

Um es kurz zu machen: Ich möchte diese Form der Arbeit nicht mehr missen. Weitgehend selbstbestimmt aber für das Team und mit dem Team. Abwechslungsreich, ohne die eigenen Stärken zu vernachlässigen oder sich zu verzetteln. Entspannt, weil die Umgebung offen ist. Offen für Neues, offen für Fehler, offen für Menschen und ihre Eigenheiten.

So, was hat das jetzt mit dem Buch “So wollen Top-Talente arbeiten” von Jan Brecke zu tun?

Eine ganze Menge. Denn was ich oben beschrieben habe, sind Ansprüche und Eigenschaften, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen. Nicht nur bei jungen, neuen Talenten, sondern auch bei vielen engagierten „Altlasten“. Und diese für sich zu gewinnen und im Betrieb zu halten, wird in der Zukunft noch entscheidender für den Unternehmenserfolg.

Dabei haben es die Unternehmen nicht einfach. Bis zu fünf “Arbeitnehmergenerationen” bewegen sich aktuell unter deutschen Firmendächern und nicht alle Babyboomer und “noch älter” sind so gestrickt, wie ich das bin. Übrigens auch längst nicht alle „Digital Natives“. Hier die neuen freien Geister mit den erfahrenen freien Geistern zu Teams zu führen, ist kein einfaches Unterfangen. Eine klare Unternehmenskultur mit starker Vision ist eine wichtige Herausforderung dafür.

Ebenso wichtig sind Vertrauen und Freiheit zur Entfaltung der Potenziale. Eine Aufgabe, die den Personalbereichen Kopfzerbrechen bereitet. Personalentwicklung lautet das Zauberwort der HR. Ein Begriff, den ich übrigens furchtbar finde. Er ist so passiv. Wer maßt sich an, einen Menschen zu entwickeln? Lässt man Talenten eine genügend lange Leine und stellt ihnen erfahrene und gleichzeitig offen und neugierig gebliebene Kräfte als “Brückenbauer” zur Seite, entwickeln sich hervorragende Teams. Da gehe ich jede Wette ein. (Fällt es auf, dass ich bevorzugt in KMUs “Brückenbauerin” zwischen den Werten von heute und morgen werden möchte? Nein, oder?)

Jan Breckes Buch – ein sehr guter Ansatz

Jedenfalls konnte ich bei Jan Breckes Buch oft nicken. Endlich redet mal jemand von Potenzial und meint damit nicht Noten in Abschlüssen. Von Neinsagern und Querdenkern. Und er redet von Führung und meint damit nicht nur Hierarchie sondern primär unterstützende Begleitung. Eine Aufgabe, der viele unserer Führungskräfte nicht gewachsen sind, denn sie sind wegen ihrer guten fachlichen Qualitäten aufgestiegen, nicht wegen ihres Führungspotenzials.

Brecke hat ein gutes Buch geschrieben, das alle, die mit freien Geistern arbeiten und ihr Unternehmen wirklich zukunftswirksam aufstellen wollen oder müssen, lesen sollten. Für mich geht es zumindest mal einen Schritt weiter als das meiste, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Allerdings noch nicht weit genug. Dazu fehlt mir die Option, dass viele Mitarbeiter Top-Talente werden können, wenn man sie wirklich in ihren Stärken arbeiten lässt und weniger stark reglementiert. Ganz egal, was ursprünglich in ihrer Stellenbeschreibung erfasst wurde. Und Vorschläge, wie Abteilungen und Bereiche umgebaut werden müssen, dass sie Mitarbeiter mehr als 30 Prozent ihrer Ressourcen (Gallup-Studie) in den Unternehmenserfolg einbringen können.

Wer dazu konkretere Ansätze hören will, muss sich mit Miriam Specht in Verbindung setzen. Sie hat bereits vor Jahren begonnen, praxistaugliche Modelle zum Unternehmensumbau zu entwickeln, die den Menschen und seine Potenziale in den Vordergrund stellen und wirkliche Top-Performance ermöglichen. Ich stelle gerne den Kontakt zu ihr her.

Holt euch ein Exemplar von “So wollen Top-Talente arbeiten”

Da Miriam Specht aber noch nichts publiziert hat, biete ich meine Lesern zur Einstimmung auf die schöne, neue Arbeitswelt ein Exemplar von “So wollen Top-Talente arbeiten” an. Natürlich neu vom Frankfurter Allgemeine Buch. Danke für die Bereitstellung des Buches.

Als Gegenwert möchte ich dafür gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag, was dich/euch an der Arbeitswelt von morgen reizt.

Bitte beachte dabei folgende Punkte:

  • Beantworte ab sofort bis spätestens 19.10.2015 unter diesem Blogpost folgende Frage: Was reizt dich/Sie an der Arbeitswelt von morgen
  • Verlost wird ein Exemplar des o.g. Buches.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 22.10.2015.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail-Adressen werden von mir ausschließlich zur Benachrichtigung des/der GewinnerIn und zur Ermittlung der Versandadresse verwendet.
  • Gebt keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Und jetzt viel Erfolg beim Gewinnspiel und viel Spaß beim Lesen des wirklich interessanten Buches!

Jan Brecke

Jan Brecke leitet global HR Development bei Beiersdorf und hat als Senior Manager bei GE, UBS, der Deutschen Bank und Daimler Potentialträger in den USA, Japan, der Schweiz und Deutschland gecoacht und beraten. Der Dipl.-Psychologe und Betriebswirt ist spezialisiert auf die Entwicklung von Top-Managern, deren Nachfolgeplanung und Talent Management.

Buchinfo: So wollen Top-Talente arbeiten von Jan Brecke, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, Juni 2015, 203 Seiten, gebunden, € 24,90, ISBN 978-3-95601-085-9

Digitale Marketing-Evolution: „Sowohl … als auch“ statt „Entweder … oder“

Marketing analog versus Marketing digital. So denken immer noch viele Entscheider. Die Lösung heute lautet aber: Das eine tun ohne das andere zu lassen. “Digitale Marketing-Evolution” gibt einen sehr guten Einblick in die aktuellen Marketing-Spielregeln.

Digitale Marketing-EvolutionDigitalisierung ist aktuell vermutlich eines der häufigsten Buzz-Worte im Marketing Bereich. Zu Recht, denn sie hat die Spielregeln der Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen schnell und nachhaltig verändert. Eine Tatsache, die trotzdem noch immer nicht bei allen Organisationen angekommen ist. Sie halten in ihrem Denken an tradierten, analogen Handlungsweisen fest. Mit fatalen Folgen, wie die Autoren von “Digitale Marketing-Evolution” prognostizieren:

Wer klassisch wirbt, stirbt.

Doch ganz so rigide sind sie dann doch nicht, die Autoren. Im Gegenteil, sie nehmen ihre Leser bei der Hand und beantworten ihnen viele Fragen:

  • Warum funktioniert Marketing in der digitalen Welt so anders?
  • Wie denke und werbe ich digital?
  • Wie kann man nicht nur kreativ sein, sondern mithilfe valider Daten wirklich durchschlagende Ideen, Kampagnen und Maßnahmen entwickeln – egal in welchem Kanal?
  • Wie beginnt man mit ganzheitlichen Marketingbotschaften zu überzeugen, statt sich in einzelnen Werbekanälen zu verlieren?
  • Wie macht man die Wirkungen und den Erfolg einzelner Maßnahmen besser messbar?
Ein Buch für alle, die sich noch verweigern

Ich bin überzeugte und langjährige Bloggerin. Wenn ich Blogger-Events zur Stärkung einer Marke anbiete, höre ich immer wieder:

Damit brauche ich meinem Vorgesetzten nicht zu kommen. Das kann man ja nicht messen. Wenn ich eine Anzeige in der Regionalzeitung veröffentliche, kann ich die vorlegen und sagen: Auflage XX Tausend. Das zieht.

Nun ja, kann man so machen. Muss man aber nicht. Auflage alleine sagt nämlich schon mal überhaupt nichts aus. Die müsste aufgesplittet werden in den Teil der Leser, die sich für exakt dieses Thema interessiert. Und die müssten gerade an dem betreffenden Tag den Beitrag auch noch lesen. Vielleicht ist aber auch die Seite genau diejenige, in die meine Himbeeren hier im Hofladen eingepackt werden. Die Seite, die genau deshalb zu dem Zweck verwendet wird, weil sie niemanden interessiert.

Viel genauer misst da die digitale Werbung. Ich kann nicht nur nach Alter, Geschlecht, Region und Interessen auswählen, wer meine Anzeige sehen soll, nein, ich kann auch nur dann zahlen, wenn jemand wirklich auf meine Annonce klickt. Oder wenn sie zu einem Besuch meiner Seite führt, oder, oder, oder. Und ich kann die Bedingungen jederzeit ändern, wenn sie nicht die Resonanz erreichen, die ich mir erhofft habe. Mitten in der Kampagne.

Das eine zu tun bedeutet nicht, das andere zu lassen

Wie das geht, worüber man sich im Vorfeld Gedanken machen sollte und wie der beste Mix aussieht, erläutern die Autoren von “Digitale Marketing-Evolution” ausführlich und gut verständlich.

Mir hat dabei besonders gut gefallen, dass sie betonen:

Das eine zu tun bedeutet nicht, das andere zu lassen.

Ein Hinweis, der mir viel zu selten auftaucht, der generell zu wenig in den Köpfen der Menschheit präsent ist.

Kaufen, lesen, handeln

Von mir bekommt die “Digitale Marketing-Evolution” eine ganz klare Kaufempfehlung. Das Buch sollte zur Zwangslektüre für alle werden, die immer noch nur auf klassisches Marketing setzen und sich noch nie Gedanken über einen digital-analogen Medienmix gemacht haben. Es gibt zwar keine Universal-Anleitung, die gibt es nämlich nicht. Aber es beleuchtet anschaulich alle relevanten Themen.

Wer also nicht weiß, was er oder sie den Vorgesetzten zu Weihnachten schenken soll: Wie wäre es mit einem kleinen Stückchen Bewusstseinserweiterung in Sachen zeitgemäßem Marketing.

Die Autoren

Felix Holzapfel gründete mit seinem Bruder Klaus im Jahr 2002 das Unternehmen conceptbakery, welches sich auf die Entwicklung alternativer Marketingstrategien für Unternehmen in Deutschland und den USA spezialisiert hat. Er hat sich einen Namen als Bestseller-Autor und Co-Autor mehrerer Bücher gemacht und ist gefragter Referent für unkonventionelles, digitales und medienübergreifendes Marketing.

Klaus Holzapfel lebt seit 1997 in den USA. Gemeinsam mit seinem Bruder Felix gründete Klaus Holzapfel im Jahr 2002 das Unternehmen conceptbakery. Seitdem ist er Geschäftsführer der amerikanischen Niederlassung in Denver, CO. Dort identifiziert er unter anderem Trends im Bereich Marketing, um bereits heute das Know-how aufzubauen, das für die Herausforderungen von morgen benötigt wird. Außerdem ist er Experte für die Verbindung von Werbemaßnahmen mit einem guten Zweck und Gründer der Non-Profit-Organisation Ubuntu Now.

Sarah Petifourt arbeitet seit dem Jahr 2003 im Bereich Marketing – zuerst im Projektmanagement, später verstärkt im Bereich Markenführung und Strategie. Seit dem Jahr 2011 ist sie für conceptbakery Deutschland tätig. Dort leitet sie den Bereich „Strategie und Qualitätsmanagement“. Dabei hat sie sich unter anderem als Spezialistin für die Erfassung, Auswertung und Analyse von Daten sowie die Entwicklung medienübergreifender Strategien etabliert. Ihr Wissen gibt sie in Form von Fachbeiträgen und nun erstmals auch mit diesem Buch weiter.

Patrick Dörfler hat über 10 Jahre Erfahrung in diversen Mediengattungen. Durch seine Wurzeln in der Unternehmensberatung, Public Relations und Branded Entertainment verfügt Patrick Dörfler über einen äußerst breit gefächerten Erfahrungsschatz. Diesen nutzt er seit 2011 als Leiter Beratung der conceptbakery in Deutschland zur Betreuung zahlreicher namhafter Unternehmen. Seine Steckenpferde sind Social Media, mobile und digitale Kommunikation. Zudem ist er als Gast-Dozent, Trainer und Speaker bei verschiedenen Instituten und Veranstaltungen tätig.

Digitale Marketing Evolution von Felix und Klaus Holzapfel, Sarah Petifourt und Patrick Dörflerhat, erschienen bei Businessvillage, erschienen April 2015, 256 Seiten, ISBN 978-3-869-80296-1. Danke für die Bereitstellung des Leseexemplares.