Gunther Holtorf und Otto

Otto? Wer ist Otto? Otto ist eine blaue Mercedes G-Klasse. Aber nicht irgendeine. Nein, Otto hat in 26 Jahren 899.592 Kilometer in 2015 Ländern zurückgelegt. Und Otto gehört Gunther Holtorf. Beide habe ich beim Sommer-Special der Social Media Night im Mercedes Benz Museum Stuttgart zum ersten Mal gesehen.

Otto

Deshalb und weil mich Gunther Holtorfs Leben so an die aktuelle Entwicklung in meinem Umfeld erinnert, erscheint diese Buchbesprechung hier und nicht auf Leselustich. Denn die Reisen der Holtorfs könnten Inspiration für viele Digitale Nomaden der heutigen Zeit sein. Auch wenn ich bezweifele, dass man mit einem einzigen Auto heutiger Generation, das vollbringen könnte, was Otto geschafft hat.

Lust auf Abenteuer

Wie kommt man dazu, alles zurück zu lassen, ein Auto so um- und auszubauen, dass man darin leben oder zumindest schlafen kann und sich auf den Weg ins Ungewisse zu machen?

Man hat ein Job, in dem man sich mit der weiten Welt beschäftigt, zuletzt als Geschäftsführer der Charter-Airline Hapag-Lloiyd. Und man möchte nochmal neu anfangen, die weite Welt erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die passende Begleitung findet Gunther Holtorf über eine Zeitungsanzeige:

Willst du um die Welt reisen? Suche unkomplizierte, sportliche Begleitung, bereit, eine Abenteuertour durch Afrika und Südamerika zu unternehmen.

Gemeldet hat sich Christine, die Frau, mit der er rund 25 Jahre seine Erlebnisse und natürlich Otto teilen durfte. 2010 ist sie an Krebs verstorben.

Otto beeindruckt, als Auto und als Buch

Otto ist ein beeindruckendes Buch. Nicht nur, weil sie den Leser durch alle Kontinente führt, sondern auch, weil Gunther Holtorf seine Reisen mit unzähligen, faszinierenden Bilder dokumentiert hat.

Besonders spannend dabei: Viele der Fotos sind gleichzeitig ein Blick in die Vergangenheit. Viel hat sich in der Welt in den letzten 26 Jahren verändert. Was zu Reisebeginn noch ein großes Abenteuer war, ist heute in vielen Ländern völlig selbstverständlich: Einreise, Ausreise, gute und sichere Straßen. In andere Länder käme man heute überhaupt nicht mehr einfach so.Viel zu streng sind die Auflagen.

Mut gehörte definitiv zu diesen Reisen. Nicht nur, weil Gunther und Christine Holtorf meist im Freien bzw. in ihrem Auto im Freien übernachtet haben, sondern weil viele Streckenführungen absolut abenteuerlich waren.

  • Brücken ohne durchgehenden Belag. Nur zwei Holzbohlen, die mit den Reifen genau getroffen werden müssen, wenn man heil die andere Seite erreichen will.
  • Geröllstrecken, die eine Herausforderung für Stoßdämpfer und Achsen sind.
  • Steigungen, die schier unüberwindlich scheinen.

Doch Otto findet zuverlässig seinen Weg und bringt seine Besitzer sicher an ihre Ziele auf aller Welt.

Faszinierende Einblicke

Gunther Holtorfs Buch hat mich fasziniert. Die privaten, großformatigen Fotos mit den individuellen Anmerkungen haben mich seltsam berührt. Immer wieder nehme ich das Buch in die Hand und blättere. Und immer wieder finde ich neue Überraschungen und Einsichten.

Danke dafür, Herr Holtorf!

2017 wird Otto übrigens im Mercedes Benz Museum dauerhaft parken. Mit knapp 900.000 Kilometern auf der Uhr. Bis dahin ist er auf Abschiedstour durch Deutschland.

Gunther Holtorf

Gunther Holtorf wurde 1937 in Göttingen geboren. Sein erstes Leben widmete er der Fliegerei, war Landeschef der Lufthansa unter anderem in Argentinien, Hongkong und Indonesien und leitete später die Airline “Hapag-Lloyd Flug”.
In seinem zweiten Leben blieb er am Boden. Zusammen mit seiner Frau Christine, die 2010 verstarb, bereiste er 26 Jahre lang die Welt. In ihrer Mercedes G-Klasse, die sie “Otto” tauften, besuchten Sie 215 Länder.
Heute lebt Gunther Holtorf am Chiemsee.

Buchinfo: Otto von Gunther Holtorf, erschienen bei riva, Dezember 2015, 208 Seiten, Hardcover, € 29,90, ISBN 978-3-86883-778-0. Danke für das Leseexemplar.

Warum Social Media so schön ist

Social Media ist unpersönlich. Da geht es nur um Likes. Das stumpft nur ab und hat mit Freundschaft nichts zu tun. Ihr kennt die Sätze? Von euren Kunden oder euren Freunden? Ich auch. Und deshalb hier eine kleine Story, die mir sehr viel überraschende Freude gemacht hat. Und die es ohne Digitale Kommunikation nicht gegeben hätte.

Angefangen hat die Geschichte (eigentlich sind es zwei) mit einem Chat auf WhatsApp und dem Hinweis, dass ich mich auf die eigenen Himbeeren freue, die auf meinem Balkon kräftig austreiben. Dass ich Beeren generell liebe und die Saison kaum erwarten kann.

Es klingelt!

Einige Tage später klingelt der Paketbote mit einem sehr merkwürdig aussehenden Päckchen von Mika. So merkwürdig, dass sogar mit Paketband unterwegs nachgebessert werden musste.

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Vorsichtig mache ich das leicht feuchte Päckchen auf. Und staune. Sauber gebündelte Erdbeeren, frisch mit dem Spaten ausgestochen, die ersten Blüten gleich mit dran.

Umzug gut überstanden

Erstaunlich, wie gut die Pflanzen den Transport und den Umzug auf meinen Balkon überstanden haben. Sie blühen munter weiter und bald steht wohl die erste Ernte an.

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Zwei Tage später lag wieder eine mysteriöse Sendung, dieses Mal in einem leuchtend roten Luftpolsterumschlag, in meinem Postfach. So richtig Weihnachtsrot. Neugier, Neugier, Neugier.

Süße Blogger Relations

Der Lübbe Verlag hat mir einen Krimi geschickt. Nun ist das ja keine Seltenheit. Schließlich blogge ich auf Leselustich Rezensionen am laufenden Band. Aber im Umschlag war nicht nur das Buch, sondern auch ein Paket italienisches Mandelgebäck und ein charmantes Anschreiben. Passend zur Story von „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“, einem Krimi aus Sizilien.

Lübbe Screen

Jetzt verlangt dieses Mandelgebäck ja zwingend nach einem guten Espresso. Oder einer leckeren Latte Macchiato mit einem guten Espresso darin. Also habe ich mich auf Facebook brav bei Lübbe bedankt und gleich angemerkt, dass zu einem perfekten Wochenende jetzt nur noch die passenden Böhnchen fehlen. Wie der Screenshot belegt, war das scherzhaft gemeint.

Lecker Schwarzmahler

Wieder ein paar Tage später. Der Postbote klingelt. Ein kleines Päckchen. Diesmal von Susanne. Ich schüttele. Stille! Neugier, Neugier, Neugier…

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Da sind sie, die Espressobohnen. Und zwar nicht irgendwelche Espressobohnen, sondern welche von Schwarzmahler aus Stuttgart. Kannte ich noch noch nicht. Umso interessanter, was es damit auf sich hat:

„Direkter Handel“ bedeutet, dass ich meinen Rohkaffee direkt beim Erzeuger ohne den Umweg über Zwischenhändler einkaufen. Im Gegensatz zum jedoch in der Spezialitätenkaffee-Branche gängigen Verständnis des direkten Handels, halte ich am Handel mit Produzentengemeinschaften / Kooperativen fest. Warum? Die sehr hohe Qualität des Kaffees, aber auch eine breite Verteilung von Wissen und Lebensqualität in den Produktionsländern hat oberste Priorität. – Zitat Schwarzmahler

Scharzmahler beweist also guten Geschmack, nicht nur für den Gaumen. Die Latte Macchiato mit Pechschwarz von Schwarzmahler war und ist einfach nur lecker! Perfekt zu den Mandorli.

Danke für den Tipp

Danke, liebe Susanne, dass du mich auf diesen Laden aufmerksam gemacht hast. Soweit möglich, kaufe ich meinen Kaffee schon eine ganze Weile bei regionalen Röstern und weiß den geschmacklichen Unterschied sehr zu schätzen. Und den nachhaltigen sowieso.

Und danke für die liebe Karte. Der Text hat mich sehr berührt.

Ja und warum jetzt das Ganze?

Warum ich das so ausführlich schreibe? Ob ich einfach nur abzocken will? Oder sonst keine Freunde habe?

Ganz einfach: Weil ich mich darüber gefreut habe. Gefreut, dass es in meinem Umfeld Menschen gibt, die – ebenso wie ich – anderen gerne mal eine kleine Freude machen. Unangekündigt, unerwartet, eine Kleinigkeit eben. Und die sich von kleinen Nebensätzen auf sozialen Medien inspirieren lassen. Auch das ist Social Media.

Genau wie analog

Genau wie ich mich immer total über die Postkarten freue, die dank Sanne in unregelmäßigen Abständen ganz überraschend in meinem Briefkasten landen. Wie ich mich über Alines Karte aus Spanien gefreut habe, wie ich mich über Yvonnes Anruf freue, usw., usw., usw. Alles so ganz analog.

Edit: Der Fernseher, nach dem ich auf Facebook gefragt habe, ist übrigens noch nicht da 😀

 

 

Das ist wirklich großARTig: Die Breuninger – Wall of Animation anlässlich des 23. Internationalen Trickfilm-Festivals in Stuttgart

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Am Freitag, 22.04.2016, fiel der in Stuttgart der Startschuss für eine wortwörtlich großARTige Aktion. An der Außenfassade des Breuninger Flagship Stores in Stuttgart verwandeln namhafte Künstler der Trickfilm Szene bis zum 01.05.2016 eine Leinwand von 65 mal 10 Metern die weltweit größte bemalte Trickfilmleinwand, der Wall of Animation. Die Aktion findet begleitend zum 23. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) statt. Und zu gewinnen gibt es auch etwas. 

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(Bild: Film- und Medienfestival gGmbH)

Stuttgarter kennen es, das Modehaus Breuninger in der Marktstraße. Liebevoll auch Breuni genannt. Doch in der Zeit vom 22.April bis 1. Mai geht es hier ausnahmsweise nicht nur um Fashion und Lifestyle. Da geht es um Kunst, um Street Art im wörtlichen Sinne, denn Breuninger treibt es auf der 65 mal 10 Meter großen Wall of Animation unübersehbar bunt.

Wall of Animation

Ihr könnt live dabei sein, wenn sich Außenfassade des Modehauses nach und nach mit beliebten  Charakteren bekannter Trickfilme füllt, wie zum Beispiel:

  • Die Simpsons
  • Wickie
  • Die Biene Maja
  • Shaun das Schafe und viele mehr

Umgesetzt werden Sie von namhaften Künstlern bekannter Animationsfilme. Mit dabei sind:

  • David Silverman (Los Angelos)
    bekannt als Animator der „The Simpsons“, Mitarbeit bei Filmen wie „Ice Age“, „Die Monster AG“
  • Raúl García (Los Angeles)
    bekannt als Animator der „König der Löwen“, „Roger Rabbit“
  • Michaela Pavlatova (Prag)
    „Tram“, „Die Kinder der Nacht“, „Reci, reci, reci“
  • Ivan Maximov (Moskau)
    „Fisherman´s daughter“, „Out of Play“, ”Long bridge of desired direction“
  • Regina Pessoa (Porto)
    „Kali the Little Vampire“
  • Bill Plympton (New York)
    „Footprint“, „Cheatin’“
Mit der Wall of Animation gewinnen

GroßARTig, oder? Aber es kommt noch besser. Denn bis zum 2. Mai könnt ihr vor der Wall of Animation an der Breuninger Fassade Selfies von euch und eurem liebsten Trickfilm Charakter aufnehmen und damit gewinnen.

Veröffentlicht das Selfie mit den Hashtags

  • #wallofanimation
  • #itfs
  • #Breuninger

auf Instagram und mit etwas Glück gewinnt ihr

  • einen Breuninger Einkaufsgutschein in Höhe von 100 Euro oder
  • zwei ITFS Tickets für „Music & Animation“ am Sonntag Abend im Club Schocken
Die Hintergründe

Breuninger ist langjähriger Festivalpartner des Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart, das am 26. April zum 23. Mal in die bunte Welt der animierten Filme einlädt. Mit der Wall of Animation bringt das Modehaus Urban Art an den Mann und an die Frau.

Doch das ist längst nicht alles, was das Festival zu bieten hat. Alle Informationen findet ihr auf der Festivalseite.

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Reinhold Würth: Der Patriarch in seiner Verantwortung

Deutschlands Wirtschaft ist bis heute geprägt von den Namen großer Familienunternehmen. Dazu gehört auch Reinhold Würth, der Patriarch des weltweit operierenden Konzerns der Würth Gruppe mit Sitz im schwäbischen Künzelsau. Claus Detjen hat mit ihm gesprochen und ein lebensnahes Meinungsbild gezeichnet, das perfekt in die aktuelle politische Lage aufgreift.

Reinhold WürthReinhold Würth – Der Patriarch in seiner Verantwortung. Was habe ich von diesem Titel erwartet? Hintergründe über das “Schrauben-Imperium”? Die Lebensgeschichte eines Selfmade Patriarchen? Ja, etwas in der Art wohl.

Bekommen habe ich den fundierten Blick eines viel gereisten und vielseitig interessierten Mannes auf Wirtschaft und Politik. Und das nicht nur regional, sondern global. Und absolut am Puls der Zeit.

Claus Detjen startet mit Fragen zur Konzernstruktur. Hier hat Würth früh den Weg geebnet, dass das Unternehmen in Familienbesitz bleibt. Ein Punkt, der ihm sehr wichtig ist und der durch die frühzeitige Einbindung der Familienmitglieder in die Führungsaufgaben gesichert sein sollte.

Ein Kaufmann muss wissen, was in der Politik läuft

Wer nicht nur in Deutschland Erfolg haben möchte, muss sich für die Weltpolitik interessieren. Das macht Reinhold Würth mit Hingabe. Er ist ein Verfechter der Vereinigten Staaten von Europa, ein Konstrukt, das durch die aktuellen politischen Entwicklungen mehr denn je gefährdet ist. In diesem Kontext fand ich Würths Einlassungen sehr spannend.

Auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Würth appelliert an ihre Verantwortung zur sorgfältigen Berichterstattung. Auch das wieder ein hochaktueller Bezug, stehen doch die Medien wie selten im Kreuzfeuer der Kritik einzelner Gruppen.

Aus den Grenzerfahrungen der Vergangenheit lernen

Beide, Würth und Detjen haben die zweiten Weltkrieg noch erlebt. Kein Wunder also, dass die Erfahrungen dieser grausamen Zeit thematisiert werden. Für Reinhold Würth ist es wichtig, dass die nachfolgenden Generationen aus diesen existenziellen Grenzerfahrungen lernen. Wenn er jetzt die Szenen aus den Kriegsgebieten dieser Welt und die zunehmend aufgeheizte Stimmung sieht, macht ihm das Angst. Schlimme Erinnerungen werden wach. Erinnerungen, die er keinem seiner Kinder und auch keinem anderen Menschen wünscht.

Der Patriarch in seiner Verantwortung hat mich gepackt, auch wenn wir uns anfangs nur sehr schwer annähern konnten. Das lag zum einen an meiner falschen Erwartungshaltung, zum anderen aber auch an einem Führungsstil, der meinem Verständnis von Zusammenarbeit nicht wirklich entspricht. Aber ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe.

Nach drei Kapiteln hatten wir uns zusammengerauft und ich habe mir politische Zusammenhänge aus vielen neuen Blickwinkeln angesehen. Und dabei mein Bewusstsein für die ein oder andere Situation deutlich erweitert. Danke dafür.

Herr Würth, Herr Detjen, ein spannendes Buch!. Vielen Dank dafür.

Claus Detjen

Claus Detjen war Journalist bei der Deutschen Welle, Herausgeber von Tageszeitungen, Mitbegründer des privaten Rundfunks und ist Autor von Büchern und Fachbeiträgen zur Medienentwicklung.

Buchinfo: Der Patriarch in seiner Verantwortung von Claus Detjen, erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch, April 2015, 189 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, zahlreiche Fotos, 24,90 Euro, ISBN 978-3-95601-086-6

 

Pfeif auf die Noten und mach trotzdem deine Ausbildung

Du willst eine Ausbildung machen aber deine Noten sind einfach unterirdisch? Dafür bist du ein absoluter Technik-Freak oder ein Naturtalent in Sachen Dienstleistung. Wäre es nicht cool, wenn es Unternehmen geben würde, denen deine Noten egal sind, weil du ins Unternehmen passt? Das hat sich auch die Trumpf Gruppe in Ditzingen bei Stuttgart gedacht und ihr Ausbildungswesen komplett revolutioniert.

setzen 6Ende Januar war ich beim New Work Lab, einer neuen Veranstaltungsreihe der bwcon Stuttgart. Ehe es zum kreativen Teil ging, haben diverse Sprecher mit ihren Themen auf die Arbeitswelt, insbesondere das Personalwesen 4.0, eingeschworen.

Trumpf in Ditzingen: Herausragend anders!

Herausragend für mich: Herr Schneider von der Trumpf Gruppe in Ditzingen bei Stuttgart. Ein Mann, der nicht nur drüber redet, sondern auch macht. Und deshalb hat er „einfach mal“ beschlossen, dass Schulnoten für die Auszubildenden bei Trumpf künftig keine Rolle mehr spielen. Schließlich sagen sie nur, ob jemand in der Schule gut oder schlecht zurecht gekommen ist. Dabei können die jungen Leute tolle Stärken haben, die nur eben für die Schule nicht relevant sein. Neben fachlichen Kompetenzen denke ich dabei auch an Sozialkompetenz, Empathie, Offenheit.

Um die wirklichen Stärken der Jugendlichen, die sich um eine Ausbildung bei Trumpf bewerben, herauszufinden, hat man einen ganz individuellen Onlinetest konzipiert. Mit Erfolg. Die Auszubildenden, die über diesen Test ins Unternehmen gekommen sind, haben sich wunderbar entwickelt.

Die Schule ist not amused

Sehr zum Ärger der Schulen, die sich um ihre Expertise betrogen fühlen. Hatten sie doch seit Anbeginn der Schulpflicht die Hoheit über das Wohl und Wehe junger Menschen. Wer vor den Augen der Lehrer nicht bestehen konnte, dem war viel zu oft der Weg in eine erfolgreiche Zukunft versperrt. Wir alle wissen, dass für ein “Schulversagen” vieles verantwortlich sein kann: Eine stark einseitige, z.B. naturwissenschaftliche Prägung, Lehrpersonal, mit dem man nicht kann, Unter- oder Überforderung, und vieles mehr.

In der Ausbildung wird dann unter anderem mit Design Thinking gearbeitet, also die Kreativität angezapft. Wieder mit großem Erfolg.  Und mit dem Segen der Industrie- und Handelskammer, die bei Lehrlingsberufen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Zwar ist man nicht begeistert aber da die neuen Strukturen mit großer Sachkompetenz eingeführt worden sind, gibt es nichts zu bemängeln.

Als Sahnehäubchen hat man bei Trumpf die Recruitingwege auf der Suche nach Auszubildenden überdacht und ist jetzt dort, wo die Schüler sind: Bei Youtube, Facebook, Twitter und Co. Das Ergebnis: Die Bewerbungen sind von zirka 900 auf über 2.500 gestiegen.

Es wird höchste Zeit, das Schulsystem zu revolutionieren

Für mich ist das ein  hervorragender Ansatz und ein Schritt in die richtige Richtung, endlich unser völlig veraltetes Bildungssystem zu überholen. Es kann nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler im Wesentlichen heute noch genau so ausgebildet werden, wie ich selbst als Schülerin. Wo die Reise hingehen muss, beschreiben unter anderem Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt in ihrem beeindruckenden Buch Die digitale Bildungsrevolution.

 

Götz W. Werner: Womit ich nie gerechnet habe

Fragt man Götz Werner nach seinen Beruf, antwortet er gerne lächelnd “Zahnpasta-Verkäufer” und spielt damit auf den Ursprung seiner Entwicklung an. Ziemliches Understatement, denn ohne Götz Werner gäbe es die Drogeriemarkt-Kette dm nicht. Sie ist sein Baby, das er durch gute und weniger gute Zeiten geschaukelt hat. Und Götz Werner ist ein Vordenker, wenn es um eine sozialverträgliche Gestaltung unserer Arbeitswelt geht.

Womit ich nie gerechnet habeIch kaufe gerne bei dm. Das liegt nicht nur am Sortiment und an den konstanten Preisen, sondern auch an der Atmosphäre in den Läden. Sie sind übersichtlich und angenehm ausgeleuchtet. Die Gänge sind breit genug, damit man sich nicht in die Hacken fährt, auch wenn es voll ist. Und die Mitarbeiterinnen, meist sind es Frauen, sind freundlich, hilfsbereit und bieten aktiv Lösungen an, wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe.

Bei mir liegt Götz Werner richtig

Damit ist mein Blick auf den Laden genau so, wie ihn Götz Werner beabsichtigt hat. Seine Läden sind für die Kunden gebaut. Nicht für das Marketing oder den Unternehmensgewinn. Klar soll dm Gewinn erwirtschaften, aber Götz Werner hat eben sehr früh erkannt, dass das langfristig nur funktioniert, wenn die Kunden wiederkommen.

„Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt“ Götz Werner

Dazu gehören auch Mitarbeiter, die wissen, warum sie das tun, was sie tun. Die ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Und die dabei stets wertschätzend behandelt werden. So heißen Auszubildende nicht Lehrlinge, sondern Lernlinge. Für viele mag das Wortklauberei sein, aber es trifft den Kern. Junge Menschen sind da, um zu lernen. Das können sie nur, wenn man ihnen etwas zutraut und ihnen Freiräume lässt. Freiräume, in denen sie auch Fehler machen dürfen.

Mitarbeiter verursachen in Götz Werners Welt auch keine Kosten, sondern Mitarbeitereinkommen. Wieder ein Wortspielerei, aber auch sie zeigt das wertschätzende, anthroposophisch geprägte Denken des Unternehmers. Schließlich sind die Menschen vor Ort diejenigen, die den direkten Kundenkontakt haben. Die mir ihrem Verhalten großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben und am besten wissen, was den Käuferinnen und Käufern “ihrer” Filiale besonders wichtig ist. Deshalb organisieren sich die Teams vor Ort selbst. Sie stellen neue Kolleginnen ein, finden eigenständig Lösungen für Probleme und sind keinem Gebiets- oder Bereichsleiter “untergeordnet”.

Götz Werner würde ich gerne kennenlernen

Am liebsten würde ich noch viel mehr schreiben. Weshalb es die dm Kette überhaupt gibt. Welche besonderen Ereignisse den Gründer geprägt haben. Was er über Einkommen generell denkt. Und, und, und… Aber dann würde ich zu viel vorwegnehmen und der Verlag würde mich vermutlich hassen. 😉 Deshalb:

Herr Werner, mit Ihnen würde ich gerne mal Kaffee trinken gehen. Ihr Buch hat mich inspiriert und bestätigt, zum Lächeln gebracht und nachdenklich gemacht. Danke dafür!

Ich glaube, es ist dem Text unschwer zu entnehmen, dass Götz Werner mich begeistert hat. Sein “Evidenz-Denken” ist mir so nahe. Manchmal weiß ich einfach, wann ein Weg richtig ist. Nicht immer könnte ich dann begründen, warum und weshalb genau. Ich weiß es einfach. Und diese Wege haben mich tatsächlich nie in die Irre geführt. Zwar sehr oft auf ganz neue Wege, aber nie auf die falschen.

Auch sein Menschenbild kann ich zu 100 % mitgehen. Zu unterstützen und Freiräume zu lassen, auch auf die Gefahr hin, dass Fehler gemacht werden. Aber Fehler sind normal. Sie passieren allen Menschen. Oder wie es ein früherer Arbeitgeber von mir formulierte:

Nur wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt.

Und Fehler sorgen auch für Weiterentwicklung. Weil man neue Lösungsansätze suchen muss. Oder weil der vermeintliche Fehler ein besseres Ergebnis lieferte, als es der eingefahrene Weg getan hätte.

“Womit ich nie gerechnet hätte” ist ein stilles und vielleicht auch deshalb so spektakuläres Buch, das jeder Unternehmer lesen sollte, der nachhaltig den Erfolg seines Unternehmens sichern will. Denn dazu braucht er oder sie selbstbewusste, kritisch hinterfragende, loyale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Götz W. Werner

Götz Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied der dm Drogeriemärkte, ist Vordenker eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Buchinfo: Womit ich nie gerechnet habe von Götz W. Werner, erschienen bei List, September 2013, ePub, 304 Seiten, ISBN 978-3-843-70595-0

Wie aus Zufällen ein Blogger-Event wird oder #BWwandern

Die Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen zeigt, wie Social Media im stationären Buchhandel geht. Online-Shop, Blog, Facebook, Twitter, Pinterest, das alles gehört für Susanne Martin und ihr Team längst zum Alltag. Darüber hinaus ist sie aber auch offen viele andere Arten von Vernetzung, wie zum Beispiel ein Blogger-Event zum Thema „Wandern in Baden-Württemberg.

Blick von Schloss Langenburg über das Jagsttal (Foto Ulrike Rosina)
Blick von Schloss Langenburg über das Jagsttal (Foto Ulrike Rosina)

Vergangenes Jahr tauchte in meiner Facebook Timeline plötzlich ständig irgendwas mit #bookupDE auf. Obwohl ich von Haus aus nicht neugierig bin, war klar: Als Büchernärrin muss ich dem auf den Grund gehen. Und so bin ich eines Abends in die Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen marschiert.

Bis dahin war ich wenig überzeugt von dem, was die Buchwelt so in den digitalen Medien treibt. Umso mehr hat mich begeistert, was Susanne Martin, die Inhaberin des charmanten Ladens erzählt hat. Wenn mich jemand begeistert, bin ich schnell bereit, diese Menschen mit anderen zu verknüpfen, die mir ebenfalls positiv aufgefallen sind.

Eins fügt sich zum anderen

In diesem speziellen Fall war das Hubert Mayer, der mir kurz vorher von einer geplanten Pilgerreise als Blogger erzählt hat. Jetzt erzählte Susanne Martin, dass sie Wanderfans sind, die Buchhandlung auch etwas darauf ausgerichtet haben und sogar gemeinsame Wanderungen mit ihren Kunden machen. Das war der Moment, in dem die Idee “Blogger-Event im Wanderumfeld” Gestalt annahm.

Wenig später kam mit der Kampagne #PlaceToBW das nächste Steinchen dazu. Das Bild wurde deutlich konkreter. Es sollte ein Treffen werden, in dem sich Verlage, Destinationen und Bloggende unter dem Schwerpunktthema “Wandern (auch mit dem Rad) in Baden-Württemberg” treffen. (Was nicht heißt, dass nicht auch über andere Destinationen gesprochen werden kann.)

Vernetzung steht im Vordergrund

Seit einigen Wochen verknüpfe ich jetzt munter lose Enden miteinander und herausgekommen ist ein kleines feines Netzwerktreffen, an dem hoffentlich alle Spaß haben werden. Ganz gezielt verzichten wir auf Präsentationen und stellen nach einer kurzen Vorstellungsrunde den persönlichen Austausch in den Vordergrund.

Jeder entscheidet selbst, wofür er/sie sich interessiert und mit wem er sich unterhalten will. Das Ziel ist natürlich, passende Blog-Destination-Verlags-Paarungen zu finden, über deren Zusammenarbeit wir anschließend im Internet (z.B. auf den Blogs und/oder Social Media Kanälen) lesen können. Und natürlich über die Schiller Buchhandlung und ihr tolles Engagement -nicht nur – in der digitalen Welt, was für den stationären Buchhandel alles andere als selbstverständlich ist.

Live-Einblicke in das Treffen gibt es am 22. April unter dem Hashtag #BWwandern