Warum Social Media so schön ist

Social Media ist unpersönlich. Da geht es nur um Likes. Das stumpft nur ab und hat mit Freundschaft nichts zu tun. Ihr kennt die Sätze? Von euren Kunden oder euren Freunden? Ich auch. Und deshalb hier eine kleine Story, die mir sehr viel überraschende Freude gemacht hat. Und die es ohne Digitale Kommunikation nicht gegeben hätte.

Angefangen hat die Geschichte (eigentlich sind es zwei) mit einem Chat auf WhatsApp und dem Hinweis, dass ich mich auf die eigenen Himbeeren freue, die auf meinem Balkon kräftig austreiben. Dass ich Beeren generell liebe und die Saison kaum erwarten kann.

Es klingelt!

Einige Tage später klingelt der Paketbote mit einem sehr merkwürdig aussehenden Päckchen von Mika. So merkwürdig, dass sogar mit Paketband unterwegs nachgebessert werden musste.

Erdbeeren 11

 

Vorsichtig mache ich das leicht feuchte Päckchen auf. Und staune. Sauber gebündelte Erdbeeren, frisch mit dem Spaten ausgestochen, die ersten Blüten gleich mit dran.

Umzug gut überstanden

Erstaunlich, wie gut die Pflanzen den Transport und den Umzug auf meinen Balkon überstanden haben. Sie blühen munter weiter und bald steht wohl die erste Ernte an.

Erdbeeren 3

Zwei Tage später lag wieder eine mysteriöse Sendung, dieses Mal in einem leuchtend roten Luftpolsterumschlag, in meinem Postfach. So richtig Weihnachtsrot. Neugier, Neugier, Neugier.

Süße Blogger Relations

Der Lübbe Verlag hat mir einen Krimi geschickt. Nun ist das ja keine Seltenheit. Schließlich blogge ich auf Leselustich Rezensionen am laufenden Band. Aber im Umschlag war nicht nur das Buch, sondern auch ein Paket italienisches Mandelgebäck und ein charmantes Anschreiben. Passend zur Story von „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“, einem Krimi aus Sizilien.

Lübbe Screen

Jetzt verlangt dieses Mandelgebäck ja zwingend nach einem guten Espresso. Oder einer leckeren Latte Macchiato mit einem guten Espresso darin. Also habe ich mich auf Facebook brav bei Lübbe bedankt und gleich angemerkt, dass zu einem perfekten Wochenende jetzt nur noch die passenden Böhnchen fehlen. Wie der Screenshot belegt, war das scherzhaft gemeint.

Lecker Schwarzmahler

Wieder ein paar Tage später. Der Postbote klingelt. Ein kleines Päckchen. Diesmal von Susanne. Ich schüttele. Stille! Neugier, Neugier, Neugier…

schwarzmahler 8

 

Da sind sie, die Espressobohnen. Und zwar nicht irgendwelche Espressobohnen, sondern welche von Schwarzmahler aus Stuttgart. Kannte ich noch noch nicht. Umso interessanter, was es damit auf sich hat:

„Direkter Handel“ bedeutet, dass ich meinen Rohkaffee direkt beim Erzeuger ohne den Umweg über Zwischenhändler einkaufen. Im Gegensatz zum jedoch in der Spezialitätenkaffee-Branche gängigen Verständnis des direkten Handels, halte ich am Handel mit Produzentengemeinschaften / Kooperativen fest. Warum? Die sehr hohe Qualität des Kaffees, aber auch eine breite Verteilung von Wissen und Lebensqualität in den Produktionsländern hat oberste Priorität. – Zitat Schwarzmahler

Scharzmahler beweist also guten Geschmack, nicht nur für den Gaumen. Die Latte Macchiato mit Pechschwarz von Schwarzmahler war und ist einfach nur lecker! Perfekt zu den Mandorli.

Danke für den Tipp

Danke, liebe Susanne, dass du mich auf diesen Laden aufmerksam gemacht hast. Soweit möglich, kaufe ich meinen Kaffee schon eine ganze Weile bei regionalen Röstern und weiß den geschmacklichen Unterschied sehr zu schätzen. Und den nachhaltigen sowieso.

Und danke für die liebe Karte. Der Text hat mich sehr berührt.

Ja und warum jetzt das Ganze?

Warum ich das so ausführlich schreibe? Ob ich einfach nur abzocken will? Oder sonst keine Freunde habe?

Ganz einfach: Weil ich mich darüber gefreut habe. Gefreut, dass es in meinem Umfeld Menschen gibt, die – ebenso wie ich – anderen gerne mal eine kleine Freude machen. Unangekündigt, unerwartet, eine Kleinigkeit eben. Und die sich von kleinen Nebensätzen auf sozialen Medien inspirieren lassen. Auch das ist Social Media.

Genau wie analog

Genau wie ich mich immer total über die Postkarten freue, die dank Sanne in unregelmäßigen Abständen ganz überraschend in meinem Briefkasten landen. Wie ich mich über Alines Karte aus Spanien gefreut habe, wie ich mich über Yvonnes Anruf freue, usw., usw., usw. Alles so ganz analog.

Edit: Der Fernseher, nach dem ich auf Facebook gefragt habe, ist übrigens noch nicht da 😀

 

 

Dement, aber nicht bescheuert – Teil II

Vor einigen Tagen habe ich mit der Besprechung des Buches “Dement, aber nicht bescheuert” von Michael Schmieder begonnen. Aus einer klassischen Rezension ist allerdings deutlich mehr geworden. Nennen wir es “ein Plädoyer für einen besseren Umgang mit Menschen”, das für einen einzigen Blogpost zu viel war.

Dement aber nicht bescheuertDoch der Reihe nach. Warum mich das Thema Demenz überhaupt interessiert und die ersten Eindrücke von Heim Sonnweid habe ich in “Dement, aber nicht bescheuert – Teil I”  beschrieben. In Teil zwei will ich weiter auf die Besonderheiten des Heimes eingehen und warum mir diese so selbstverständlich und naheliegend erscheinen.

Eine Welt für die Kranken schaffen

Wie schon erwähnt, setzt man in Sonnweid nicht auf isolierende Einzel- oder Doppelzimmer, sondern auf Gruppenstrukturen, die entsprechend der Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst werden. Auslöser dafür war die Erfahrung, dass demente Menschen ruhiger sind, wenn sie unter Menschen sind. Dabei wird auf ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre geachtet.

Eigentlich verständlich. Ich würde mich auch wohler fühlen, wenn ich nicht Tag für Tag isoliert in einem Zimmer sitzen oder liegen müsste.

Warum sollen sich die kranken Menschen anpassen?

Ein weiterer, in meinen Augen sehr wichtiger Punkt, ist generell die Haltung der Heimleitung und ihrer Belegschaft, demente Menschen nicht mit dem Maßstab der “gesunden” Welt zu messen. Egal, ob für einen Bewohner ein Matratzenlager auf dem Boden ausgelegt wird, weil er sich nur auf dem Boden wohlfühlt und vorher immer versuchte, aus dem Bett zu klettern, was ein erhöhtes Sturzrisiko bedeutet hat. Oder ob man sich äußerst intensiv mit der Vergangenheit eines Menschen auseinandersetzt und feststellt: Er isst deshalb nichts am Tisch, weil er aus einem streng katholischen Elternhaus kam, in dem vor dem Essen gebetet wurde. Setzt man diese Tradition fort, ist plötzlich die Ernährung kein Problem mehr.

Es ist nicht zu überhören, ich bin begeistert von Schmieders Strategie. Sie ist geprägt von hohem Respekt und immer neuer Reflexion der individuellen Bedürfnisse jedes Kranken. Und ich freue mich zu lesen, dass es inzwischen auch in Deutschland erste Heime gibt, die das “Sonnweid-System” aufgreifen. Denn so respektvoll möchte ich auch behandelt werden, sollte ich je an Demenz erkranken.

Warum es in Deutschland so schwierig ist

Ich weiß aber auch, dass die Umsetzung solcher Maßnahmen in Deutschland ungleich schwieriger ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die gesetzlichen Auflagen an die Pflege sind deutlich höher als in der Schweiz. Ob sie in dieser Form allerdings wirklich nötig sind und ob den Kranken Menschen selbst weiter hilft, steht auf einem anderen Blatt. Daran lassen mich Berichte über einen überbordenden Verwaltungsaufwand auf Kosten der Betreuungszeit in deutschen Heimen stark zweifeln.
  • Der Pflegeschlüssel in deutschen Einrichtungen ist nicht auf die intensive Betreuung, wie sie in Sonnweid Alltag ist, ausgelegt. Er ist zu niedrig. In meinen Augen würde hier Minimierung des Verwaltungsaufwandes in der Pflege die Situation schon deutlich aber nicht ausreichend entspannen.
  • Die Wertschätzung für pflegende Menschen in unserer Gesellschaft ist nicht annähernd hoch genug. Erst recht nicht die Bezahlung. Was Pflege- und Betreuungspersonal tagtäglich bereitwillig auf sich nimmt, egal ob in der gewerblichen oder in der privaten Pflege, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aber das verstehen viele erst dann, wenn sie selbst auf diese Hilfe angewiesen sind.

Ja, ich weiß, ich fordere Gelder und Zeit, um die Pflegesituation nicht nur dementer Menschen deutlich zu verbessern. Und ich weiß, dass beides knapp ist. Aber ich habe auch gesehen, dass es anders geht. In Ländern, die deutlich weniger Wohlstand haben als wir.

Ist die Fassade wirklich wichtiger?

Aber dort haben haben sich die deutschen Touristen, die mit mir unterwegs waren, darüber beschwert, wie schlecht die Straßen seien, wie wenig adrett die Häuser, usw. Dass dafür die Alten und Kranken kostenlos versorgt werden und massiv in die Ausbildung der Kinder investiert wird, wollten sie nicht gelten lassen.

Vielleicht müssen wir ja endlich unsere Schwerpunkte verschieben. Ich würde es mir wünschen. Für uns alle.

Allen, die sich mit dem Thema Demenz näher befassen, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

MICHAEL SCHMIEDER

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

USCHI ENTENMANN

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6

Michael Schmieder / Uschi Entenmann: Dement, aber nicht bescheuert – Teil I

Wenn ich hier über Zukunftsthemen schreibe, dann handelt es sich meist und Arbeitsszenarien der Zukunft. Aber nicht nur. Für mich ist der Umgang mit Inselbegabungen, wie sie zum Beispiel bei Menschen aus dem autistischen Spektrum auftreten, ebenso Thema wie die Folgen der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch die Demenz, die uns mit steigender Lebenserwartung zunehmend zu schaffen macht. Den Patienten, den Angehörigen, den Pflegenden.

Dement aber nicht bescheuertMeine Mutter ist gerade 80 geworden und geistig und körperlich völlig fit. Und sie weiß es nicht zu schätzen. Dabei erzählt sie immer wieder von gleichaltrigen Freunden und Freundinnen, die mit schweren Beeinträchtigungen zu kämpfen haben. Herzbeschwerden, inoperable Bandscheibenprobleme, Krebserkrankungen und eben Demenz. In ihrem Fokus liegt dabei nur die Situation der Angehörigen. Wie sie unter den Eskapaden der Erkrankten leiden, wenn diese noch daheim leben können. Wie sie dadurch eingeschränkt werden. Und natürlich wie sie leiden, wenn die dementen Angehörigen schließlich in ein Heim umziehen müssen, weil sie Rundumbetreuung brauchen. Irgendwann erkennen sie dann ihre Partner, ihre Kinder, ihre Familie nicht mehr.

Von Demenz bislang verschont

Selten habe ich mich bisher mit der Seite der Erkrankten selbst auseinander gesetzt. Zum Glück war das bislang in unserer Familie kein Thema. Vielleicht hat mich Dement, aber nicht bescheuert – Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken deshalb so angesprochen.

Mein Bild von der Unterbringung dementer Menschen sieht eher trostlos aus. Verwahrt in muffigen Heimen. Pflege- und Betreuungspersonal, das permament unter extremem Zeitdruck steht und dabei noch schlecht bezahlt wird. Eine Sozialgesetzgebung, der die Verwaltung der Kranken wichtiger ist als ihre sinnvolle Förderung.

Michael Schmieder geht das Problem wohltuend anders an. Auch deshalb, weil die gesetzlichen Verwaltunghürden in der Schweiz niedriger sind. Aber eben auch, weil er erfahren hat, dass jede und jeder Demenzkranke trotz ihrer oder seiner Erkrankung ein Individuum bleibt.

Was macht Heim Sonnweid anders?

Ursprünglich war Heim Sonnweid ein Heim für Seniorinnen aller Stadien und hatte einen mehr als bescheidenen Ruf. Unter der Führung von Michael Schmieder hat es sich gewandelt:

  • Betreut werden jetzt ausschließlich Demenzkranke
  • Wer noch ziemlich fit ist, lebt in Einzel- oder Doppelzimmern in “Demenz-WGs” in eigens erstellten Pavillons. Dabei werden sie in die Alltagsarbeiten eingebunden, soweit es ihre Kräft erlauben. Ziel ist eine möglichst lange Selbstständigkeit zu bewahren.
  • Schwindet die Eigenständigkeit, erfolgt der nahtlose Wechsel in das geschützte “Heim”.
  • Ist eine Rundum-Betreuung nötig, ziehen die Patienten in eine der “Oasen” um, Gemeinschaftsräume mit sorgfältig geplanten Rückzugsmöglichkeiten, die die Privatsphäre beim Waschen und Anziehen wahren. Hier sind die Möbel leicht verschiebbar um immer neue Umgebungen zu schaffen.

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Michael Schmieder

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

Uschi Entenmann

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6

Der Zauberfaden auf Startnext

Seit 2014 bin ich in der Flüchtlingsarbeit aktiv. In dieser Zeit sind mir viele interessante Projekte begegnet. Eines davon, die Nähwerkstatt Der Zauberfaden  aus Schorndorf findet ihr jetzt auch auf Startnext. Ich freue mich, wenn ich dem/der ein oder anderen Lust auf die coolen, kreativen Produkte machen kann, die Der Zauberfaden aus alten Getreidesäcken und anderen robusten Stoffen herstellt.

Der Zauberfaden bietet Flüchtlingen Beschäftigungsmöglichkeiten und trägt zur Verständigung auf sprachlicher und kultureller Ebene bei.

So beschreibt sich Der Zauberfaden auf seiner Startnext-Seite kurz und knapp selbst. Dabei leisten sie doch so viel mehr. Sie geben Menschen Hoffnung und den Mut, mit etwas Neuem zu beginnen. Menschen, die einen weiten Weg hinter sich haben, die Sprache nicht oder kaum verstehen und wenig Perspektive haben.

Und Der Zauberfaden recycelt gleichzeitig Altes. Aus alten Kornsäcken werden Taschen, Schlüsselanhänger, Mäppchen. Und das alles auf gemeinnütziger Basis und im „Dialog auf Augenhöhe“.

Gegründet wurde Der Zauberfaden 2015 von Sükriye Döker und Klaus Österle. Das Unternehmen beschäftigt aktuell elf Asylsuchende aus fünf Ländern. Und es sollen mehr werden, denn die ausgefallenen und kreativen Produkte, die dort in Handarbeit hergestellt werden, stoßen auf gute Resonanz.

Jetzt seid ihr gefragt!

Damit dieser Traum Wirklichkeit wird, braucht Der Zauberfaden DEINE Unterstützung. Und DEINE. Und DEINE. Ja, und DEINE auch!

Unterstützt das tolle Projekt auf Startnext. Wenn es nicht durch einen finanziellen Beitrag geht, dann teilt die Info in euren Netzwerken. Gebt sie an interessierte Käufer oder potenzielle Kunden weiter und an alle weiter, die der Meinung sind: Solche Projekte müssen unterstützt werden.

Nur so hat Der Zauberfaden eine Chance zu wachsen und gesund zu bleiben.

Und ganz nebenbei: So ein cooler, individueller Matchsack, der es sogar auf die Fashion-Week in Berlin geschafft hat, würde sich doch an mancher Schulter gut machen, oder?

 

Lasst uns den 03.10.2015 zu einemTag des offenen Austausches in Deutschland machen – #bloggerfuerfluechtlinge

Seit Wochen beschäftigt mich ein Thema: Kann ich mehr tun, um endlich einen entspannten und sachlichen Austausch zum Thema “Flüchtlinge kommen nach Deutschland” zu fördern, als nur mein tragfähiges Netzwerk zu nutzen. Ja, ich kann. Bitte macht euch mit mir stark für einen Tag der offenen Treffen am 03. Oktober 2015 überall in euren Gemeinden, Vereinen, Kirchen, Jugendhäusern, und, und, und.

BFF_1508_ButtonBlau2-300x300Die Vertriebenenzahlen steigen, die Verunsicherung in vielen Kommunen auch. Gleichzeitig gibt es eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft. Menschen, deren Hauptanliegen es ist, den V’ertriebenen, die in Deutschland eintreffen, einen sicheren und einigermaßen erträglichen Aufenthalt zu ermöglichen. Denn diese Menschen können nichts für Krieg, Elend und Not in ihrer Heimat. Egal ob in Syrien, Afghanistan, Somalia oder in Ländern, in denen der Krieg zwar offiziell vorüber, die Verfolgung einzelner Gruppen (ethnisch, religiös) immer noch an der Tagesordnung ist. Sie können nichts dafür, wenn wir der Meinung sind, die Politik im eigenen Land, in Europa oder der Welt sei verfehlt. Sie sind Spielball einer Situation, die auch die wohlwollendste Regierung nicht von heute auf morgen stoppen kann. Sie sind Opfer, keine Täter.

Dass es ob der permanent steigenden Zahlen und der Bilder, die durch die Medien gehen, zu Verunsicherung bei den Menschen in den Dörfern und Städten unseres Landes kommt, ist nicht verwunderlich. Man liest so viele, teils widersprüchliche Berichte, teils Fakten, die man nicht versteht, weil man sich nie so tief mit dem Thema beschäftigt hat, teils gezielt gestreute Fehlinformationen.

Ich denke, wir müssen reden!

Miteinander. Mit Menschen aus unseren Gemeinden, die einfach nur verunsichert sind und klare Aussagen brauchen, auch wenn ihnen diese vielleicht nicht gefallen. Mit Menschen, die sich von rechten Hass-Predigern instrumentalisieren lassen, ohne selbst am rechten Rand zu stehen. Mit Menschen, die den weiten Weg zu uns auf sich genommen haben, denn nur sie können sagen, wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellen. Mit Menschen, die als Helfer in den Kriegsgebieten waren oder die vor Ort hauptberuflich oder ehrenamtlich aktiv sind. Mit Menschen, die in Politik und Wirtschaft Einfluss nehmen können. Gemeinsam, offen, ehrlich. Und wir müssen uns gegenseitig zuhören.

Lasst uns das am 03. Oktober 2015 gemeinsam tun!

In unserer Gemeinde. In unserem Landkreis. In unserem Bundesland. In ganz Deutschland.

Ja, es ist ein großer Wunsch.

Aber es ist mein Wunsch.
Der Wunsch, etwas Konstruktives zu tun, statt nur gegeneinander zu kämpfen.
Der Wunsch, meine Reichweite und mein Netzwerk zu nutzen, um den Dialog zu fördern.
Der Wunsch, einen entspannten, gemeinsamen Nachmittag oder Abend zu verbringen, der neben leckerem Essen und Trinken auch Sorgen und Ängste auffängt, aufklärt, hilft.
Mein Wunsch eben.

Bitte helft mir, diesen Wunsch wahr werden zu lassen. Macht euch in euren Vereinen, Rathäusern, Kirchengemeinden, Initiativen, Netzwerken für diesen offenen Austausch stark.

http://ddorfer.info/
Danke an Carola und ddorfer.info für die Nutzungsrechte!

Ganz egal, ob ihr für zwei Stunden am Nachmittag Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus organisiert. Ob ihr ein Grillfest organisiert, zu dem alle etwas mitbringen (auch das verbindet). Ob ihr zusammen einen Ausflug macht, eine Band spielen lasst oder einfach nur zusammen sitzt.

Warum mir das so wichtig ist

Wie viele andere sehe ich, was in unserem Land gerade passiert.

Auf der einen Seite kommen viele Menschen zu uns, die nicht wissen, wohin. Die Hilfe und Unterstützung brauchen, genauso wie unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die im zweiten Weltkrieg flüchten mussten.

Auf der anderen Seite wächst die Verunsicherung, wie Länder und Gemeinden das Problem stemmen sollen.

Und dann gibt es da noch die Liste der feigen Angriffe auf Menschen, die eine andere Meinung, eine andere Hautfarbe, eine andere Sprache oder Kultur haben. Eine Liste, die lang und länger wird, z.B.:

Werden deutsche Hass-Prediger wirklich wieder gesellschaftsfähig?

Während sich all diese Angriffe gegen vermeintlich “Fremde” richten, gibt es aber auch Angriffe, die in eine andere Richtung zielen. So wurde zum Beispiel dem ursprünglichen Organisator der Petition #HeimeohneHass mit dem Tod gedroht, wenn er die die Petition nicht schließt. Morddrohungen erhielten auch weitere Mitglieder seiner Familie.

Zum Schutz dieser Menschen wurde die Petition wirklich vorübergehend gestoppt, ehe sie von Blogger und Kolumnist Heinrich Schmitz wieder aufgenommen wurde. Prompt geriet auch er ins Visier. Angeblich habe er seine Frau ermordet und die Polizei gerade in seinem Haus auf der Suche nach der Leiche, berichtete ihm seine Tochter, die er gerade gemeinsam mit seiner Frau besuchen wollte. Auch er hat sich zum Schutz seiner Familie zurück gezogen.

Die Ratten kommen aus ihren Löchern

Um es deutlich zu machen: Wir reden hier von einem Ersuchen, fremdenfeindliche Demonstrationen rund um ein Wohnheime, Gemeinschaftunterkünfte usw. zu verbieten. Es geht NICHT um ein generelles Demonstrationsverbot. Trotzdem ist das schon genug, dass sich feige Ratten aus ihren Löchern wagen und anonym das Leben anderer Menschen bedrohen. Nur weil diese eine andere Meinung haben und diese auch äußern. Ich gehe jede Wette ein, dass die gleichen Menschen auch vor den Spionen der IS warnen und frage mich:

Beide Gruppierungen bedrohen alle, die anderer Meinung sind. Offen und unverhohlen. Dabei instrumentalisieren die deutschen Hass-Prediger schamlos die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die aus welchen Gründen auch immer, durch die Veränderungen verunsichert sind. Und die lassen es arglos mit sich geschehen. Warum ist das so?

Bitte, lasst uns dem ein Ende setzen, indem wir uns für einen offenen, sachlichen Austausch in entspannter Atmosphäre stark machen. Ohne Türsteher und Einlasskontrollen. Aber mit der Bereitschaft, jeder Seite zuzuhören.

Zum Beispiel am 03. Oktober 2015.

Überall in Deutschland.

Das würde mich glücklich machen.

Eines liegt mir noch am Herzen: Die Idee des offenen Treffens stammt nicht von mir. Ich habe sie von einem Menschen übernommen, den ich in den letzten Wochen sehr zu schätzen gelernt habe. Den Ansatz fand ich so gut, dass ich beschlossen habe, er soll die Runde machen. Menschen mitnehmen. Menschen zusammen bringen.

Denn wenn man respektvoll miteinander umgeht, siegt der klare Verstand.

Mehr zur Aktion Blogger für Flüchtlinge: http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/

#wurstfuerfrieda: Wer hilft der kleinen Frieda?

#wurstfuerfrieda, diesen Hashtag habe ich vor einigen Tagen in meiner Timeline auf Facebook gesehen und dachte erst, es handele sich um einen Scherz. Tut es aber nicht. Die komplette BBQ-Szene macht sich stark für die vierjährige Frieda, die unheilbar an GM1-Gangliosidose erkrankt ist. Gesucht wird der Austausch mit anderen Erkrankten, Therapeuten, Medizinern. Gesucht wird Hilfe für Frieda.

Charity-Aktion für Frieda

GM1-Gangliosidose ist ein Enzymdefekt, bei dem Endprodukte des Hirnstoffwechsels nicht vom Körper abtransportiert sondern gespeichert werden. Frieda leidet an der juvenilen GM1-Gangliosidose, also einer Form die sich im Alter von zwei bis drei Jahren zeigt. Ihre Symptome:

  • zu niedriger Blutdruck
  • Störungen der Körperkoordination
  • Krämpfe
  • mentale Entwicklungsstörungen
  • Lähmungen in Armen und Beinen
  • Schluckstörungen

Die kleine Patienten versterben meist noch ehe sie die Pubertät erreichen.

Das Ziel: Möglichst lange fit

Frieda ist eines von 15 Kindern in Deutschland, die an dieser Krankheit leiden.

Das Ziel ist jetzt, die bestmögliche Therapie für Frieda zu ermöglichen. Wichtig ist ein gezielter Muskelaufbau, der dann möglichst lange stabilisiert werden soll. Klingt jetzt nicht besonders schwierig, aber die Krankenkasse zahlt die Therapieform, die Frieda bislang am besten hilft, nur eine befristete Zeit. Auch das Haus, in dem Frieda mit ihrer Familie wohnt, muss barrierefrei umgebaut werden. Die Kosten dafür und für eine weitere optimale Versorgung ihrer Tochter können die Eltern alleine nicht bewältigen.

Ein weiteres Anliegen der Sammelaktion: Die Forschung über diese Erkrankung zu unterstützen. Irgendwann soll niemand mehr an Gangliosidose sterben müssen.

Was wäre die Welt ohne Freunde!

Freunde der Familie haben jetzt zu einer ganz besonderen Charity-Aktion aufgerufen:

#wurstfuerfrieda

Warum gerade Wurst? Weil Frieda für ihr Leben gern Bratwürstchen isst. Und weil das die deutsche Barbecue-Szene auf den Plan gerufen hat, sich richtig stark ins Zeug zu legen. Ich selbst habe den Hinweis auf die Aktion bei Ralf Nowak gefunden, dem Inhaber meiner absoluten Lieblings-Saucen-Manufaktur aus Pforzheim.

Wurst-Kette für Lebensfreude

Wie kommt man nun an Spenden? Dazu haben sich Freunde der Familie etwas einfallen lassen:

Alle, die helfen wollen, posten unter dem Hashtag #wurstfuerfrida ein Foto von sich selbst mit einer Bratwurst. Die kann natürlich auch aus Käse, Tofu oder Soja sein. Gleichzeitig spendet er/sie 2,50 Euro, also den Preis einer Bratwurst, entweder per Überweisung oder über Paypal, und nominiert zwei weitere SpenderInnen. Nominierungen sind ja groß im Rennen. Die hier schenkt sogar Lebensfreude.

Also auf geht’s!

Spendenkonto: Sparkasse Krefeld
Verwendungszweck: Frieda Pelzer
IBAN: DE 7832 0500 0000 1300 1300
BIC: SPKRDE33

Das Konto wird vom Verein Löwenkinder in Viersen geführt.

Wenn ein Mensch erschrickt, weil man ihm Hilfe anbietet, läuft irgendwas falsch

Meistens schreibe ich hier über Dinge, die – im weitestens Sinne – mein berufliches Leben betreffen. Aber ab und an kommen hier auch Themen zur Sprache, die mich einfach beschäftigen.  Heute ist wieder so ein Tag, an dem mir ein kurzes Erlebnis nicht aus dem Kopf gehen will.

Foto: Stefanie Salzer-Deckert / pixelio.deFreitag, 10:30, bei mir im Ort

Ein Mann, etwa mein Alter, sehr gepflegt, sitzt vor einem Ladenlokal auf einer Bank, den Kopf gesenkt. Ich sehe ihn beim Reingehen. Als ich wieder heraus komme, sitzt er immer noch da. Der Kopf ist noch tiefer gesenkt und er hält sich mit der Hand die Stirn und reibt daran.

Ich frage ihn, ob alles ok oder ob ich ihm helfen kann.

Er schaut mich sichtlich irritiert durch seine dunkle Sonnenbrille an. Nein, nein alles ok. Wie ich darauf käme. Er habe nur die Sonne abschirmen wollen, die oben über die Brille geschienen habe.

Ich sage: „Prima. Dann ist ja alles in Ordnung. Lieber frage ich einmal mehr, als dass ich mir hinterher Gedanken mache.“

Als ich zu meinem Auto gehe, ruft er mir hinterher: „Ja und wenn ich jetzt gesagt hätte, dass es mir nicht gut geht, was hätten sie denn dann gemacht? Hätten sie mich dann heim gefahren?“ Die Stimme klingt ironisch, fast etwas lauernd.

Ich antworte: „Ja klar, oder eben zum Arzt“

Er schaut mich noch irritierter an und ist sichtlich überfordert. „Hätten Sie das wirklich gemacht?“

Ja, das hätte ich. Zumindest wenn er nicht gerade in Hamburg oder München gewohnt hätte, aber danach klang seine Sprachfärbung nicht.

Irgendwas läuft falsch bei uns

Offensichtlich ist sowas für ihn unvorstellbar und ich frage mich seither, was hier eigentlich los ist, wenn sich jemand nicht vorstellen kann, dass ihm ein wildfremder Mensch spontan helfen würde, wenn es ihm schlecht gehen würde.