Zukunft? Freue ich mich drauf!

Es gibt Menschen, die nicht mehr missen möchte. Manche davon sehe ich nur sehr selten und kurz und trotzdem ist da dieses Gefühl, nie neu anfangen zu müssen mit einem Gespräch. Irgendwie immer alles nahtlos fortsetzen zu können.

MutEiner dieser Menschen ist Jan Westerbarkey. Bei unserer ersten Begegnung hat er alles ausgesprochen, was ich mir so vor mich hin gedacht habe. Gedacht, aber nicht diskutiert. Zum einen haben mir damals die passenden Diskussionspartner gefehlt. Menschen, mit freiem Geist, die sich vorstellen konnten, dass eine ganz andere Arbeits- und Lebenswelt genauso gut oder sogar noch viel besser funktionieren könnte, als es unsere jetzige tut. Zum anderen bin ich bis dahin auf so viel Widerstand bei meinen Fragen nach dem wie, warum und weshalb gestoßen, dass ich verunsichert war, ob meine Gedanken wirklich richtig sein konnten.

Jedenfalls hat sich unser Gespräch für mich wie ein großes Ausatmen für mich angefühlt. Da war jemand, der meine Ansätze verstand und der sie schon längst weiter gesponnen hatte. Und der mir neue Knobeleien und Anregungen mit auf den Weg gab. Herrlich!

Deshalb möchte ich einen Aufsatz von Jan Westerbarkey zur Arbeitswelt von morgen mit euch teilen. Ich habe ihn eben auf LinkedIn gefunden und saß nickend vor dem Rechner. Leider habe ich keine „Teilen“-Funktion zu WordPress gefunden, deshalb ein kleiner Umweg:

SiTra macht erfinderisch

Eine Geschichte voller Veränderungen. Aber ohne Überraschung. Wer Vorgänge vor allem abwickelt oder in seinem Alltag einem festgeschriebenen Ablauf folgt, fällt in diese Kategorie. Die Arbeit des einfachen Bankangestellten kann im Zweifel durch Software oder Automaten ersetzt werden, genau wie die Kassiererin im Supermarkt, deren Job bald ein RFID-Chip erledigt. Auch der Callcenter-Mitarbeiter, der Standardfragen beantwortet, ist künftig ersetzbar – durch weniger gut ausgebildete Arbeitsplätze. Ein Meister muss schon heute Menschen führen können und mit Kunden reden. Mit der Breite des neuen Anforderungsprofils schwinden die alten Berufe.

[…]

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Viel Spaß damit!

Was gibt es Neues bei Trello?

Mein letzter Beitrag zum Thema Trello ist schon eine Weile her. In den letzten Monaten habe ich dank meiner Weiterbildung wenig Gelegenheit gehabt, damit zu arbeiten. Deshalb sind die Neuerungen, die ich heute vorbereitet habe, auch nicht mehr ganz taufrisch aber dafür nicht weniger interessant.

Die Invite-Links

Teilnehmerinnen und Teilnehmer können jetzt noch einfacher zu deinem Trello Board hinzugefügt werden. Dazu brauchst du nicht mehr zwingend eine E-Mail-Adresse.

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Über „Mitglieder hinzufügen“ kannst du jetzt einen individuellen Einladungslink erstellen, der sich problemlos in jeden Chat oder jedes Forum einbinden lässt.

Zeitstempel im Chat aktiviert

Wie von anderen Plattformen bekannt, kann jetzt auch im Trello Chat der Zeitstempel aktiviert werden. Zeitstempel aktiviert? Wtf? Klingt komplizierter als es ist. Jeder von euch hat schon mal in einem Chat gescrollt und gescrollt, um einen bestimmten Eintrag wiederzufinden. Deutlich leichter wird das, wenn direkt zum passenden Eintrag verlinkt werden kann. Das geht ganz einfach.

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Quelle: Trello

Jeder Eintrag ist mit Datum und Uhrzeit, dem sogenannten Zeitstempel, versehen. Klickt man im Chat direkt auf diese Uhrzeit, öffnet sich der Direktlink zur Nachricht, die genau zu diesem Zeitpunkt geschrieben wurde. Umständliches Suchen erübrigt sich also.

Was zum Teufel soll ich mit Trello?

Wer jetzt brav bis hier gelesen hat, aber immer noch denkt „Und was soll ich jetzt damit?“, der oder dem empfehle ich einen Link in die Inspirationsseite von Trello. Dort stellen einige Nutzer ihre Boards und deren Nutzung vor.

Vielleicht ist ja etwas für dich dabei!

Wenn das der Fall ist und du Trello jetzt auch probieren möchtest, dann freue ich mich, wenn du zur kostenlosen Registrierung folgenden Link benutzt:

Klick dies! Jetzt! Sofort!https://trello.com/ulrike_r/recommend 😉

Dann bekomme ich pro Anmeldung einen Monat Trello Gold umsonst. Also ein paar erweiterte Funktionen, die normalerweise kostenpflichtig sind. Ihr selbst verpflichtet euch dabei zu nichts.

Hier gibt es mehr zu Trello auf Ulrike kommuniziert

Dement, aber nicht bescheuert – Teil II

Vor einigen Tagen habe ich mit der Besprechung des Buches “Dement, aber nicht bescheuert” von Michael Schmieder begonnen. Aus einer klassischen Rezension ist allerdings deutlich mehr geworden. Nennen wir es “ein Plädoyer für einen besseren Umgang mit Menschen”, das für einen einzigen Blogpost zu viel war.

Dement aber nicht bescheuertDoch der Reihe nach. Warum mich das Thema Demenz überhaupt interessiert und die ersten Eindrücke von Heim Sonnweid habe ich in “Dement, aber nicht bescheuert – Teil I”  beschrieben. In Teil zwei will ich weiter auf die Besonderheiten des Heimes eingehen und warum mir diese so selbstverständlich und naheliegend erscheinen.

Eine Welt für die Kranken schaffen

Wie schon erwähnt, setzt man in Sonnweid nicht auf isolierende Einzel- oder Doppelzimmer, sondern auf Gruppenstrukturen, die entsprechend der Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst werden. Auslöser dafür war die Erfahrung, dass demente Menschen ruhiger sind, wenn sie unter Menschen sind. Dabei wird auf ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre geachtet.

Eigentlich verständlich. Ich würde mich auch wohler fühlen, wenn ich nicht Tag für Tag isoliert in einem Zimmer sitzen oder liegen müsste.

Warum sollen sich die kranken Menschen anpassen?

Ein weiterer, in meinen Augen sehr wichtiger Punkt, ist generell die Haltung der Heimleitung und ihrer Belegschaft, demente Menschen nicht mit dem Maßstab der “gesunden” Welt zu messen. Egal, ob für einen Bewohner ein Matratzenlager auf dem Boden ausgelegt wird, weil er sich nur auf dem Boden wohlfühlt und vorher immer versuchte, aus dem Bett zu klettern, was ein erhöhtes Sturzrisiko bedeutet hat. Oder ob man sich äußerst intensiv mit der Vergangenheit eines Menschen auseinandersetzt und feststellt: Er isst deshalb nichts am Tisch, weil er aus einem streng katholischen Elternhaus kam, in dem vor dem Essen gebetet wurde. Setzt man diese Tradition fort, ist plötzlich die Ernährung kein Problem mehr.

Es ist nicht zu überhören, ich bin begeistert von Schmieders Strategie. Sie ist geprägt von hohem Respekt und immer neuer Reflexion der individuellen Bedürfnisse jedes Kranken. Und ich freue mich zu lesen, dass es inzwischen auch in Deutschland erste Heime gibt, die das “Sonnweid-System” aufgreifen. Denn so respektvoll möchte ich auch behandelt werden, sollte ich je an Demenz erkranken.

Warum es in Deutschland so schwierig ist

Ich weiß aber auch, dass die Umsetzung solcher Maßnahmen in Deutschland ungleich schwieriger ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die gesetzlichen Auflagen an die Pflege sind deutlich höher als in der Schweiz. Ob sie in dieser Form allerdings wirklich nötig sind und ob den Kranken Menschen selbst weiter hilft, steht auf einem anderen Blatt. Daran lassen mich Berichte über einen überbordenden Verwaltungsaufwand auf Kosten der Betreuungszeit in deutschen Heimen stark zweifeln.
  • Der Pflegeschlüssel in deutschen Einrichtungen ist nicht auf die intensive Betreuung, wie sie in Sonnweid Alltag ist, ausgelegt. Er ist zu niedrig. In meinen Augen würde hier Minimierung des Verwaltungsaufwandes in der Pflege die Situation schon deutlich aber nicht ausreichend entspannen.
  • Die Wertschätzung für pflegende Menschen in unserer Gesellschaft ist nicht annähernd hoch genug. Erst recht nicht die Bezahlung. Was Pflege- und Betreuungspersonal tagtäglich bereitwillig auf sich nimmt, egal ob in der gewerblichen oder in der privaten Pflege, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aber das verstehen viele erst dann, wenn sie selbst auf diese Hilfe angewiesen sind.

Ja, ich weiß, ich fordere Gelder und Zeit, um die Pflegesituation nicht nur dementer Menschen deutlich zu verbessern. Und ich weiß, dass beides knapp ist. Aber ich habe auch gesehen, dass es anders geht. In Ländern, die deutlich weniger Wohlstand haben als wir.

Ist die Fassade wirklich wichtiger?

Aber dort haben haben sich die deutschen Touristen, die mit mir unterwegs waren, darüber beschwert, wie schlecht die Straßen seien, wie wenig adrett die Häuser, usw. Dass dafür die Alten und Kranken kostenlos versorgt werden und massiv in die Ausbildung der Kinder investiert wird, wollten sie nicht gelten lassen.

Vielleicht müssen wir ja endlich unsere Schwerpunkte verschieben. Ich würde es mir wünschen. Für uns alle.

Allen, die sich mit dem Thema Demenz näher befassen, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

MICHAEL SCHMIEDER

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

USCHI ENTENMANN

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6

Michael Schmieder / Uschi Entenmann: Dement, aber nicht bescheuert – Teil I

Wenn ich hier über Zukunftsthemen schreibe, dann handelt es sich meist und Arbeitsszenarien der Zukunft. Aber nicht nur. Für mich ist der Umgang mit Inselbegabungen, wie sie zum Beispiel bei Menschen aus dem autistischen Spektrum auftreten, ebenso Thema wie die Folgen der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch die Demenz, die uns mit steigender Lebenserwartung zunehmend zu schaffen macht. Den Patienten, den Angehörigen, den Pflegenden.

Dement aber nicht bescheuertMeine Mutter ist gerade 80 geworden und geistig und körperlich völlig fit. Und sie weiß es nicht zu schätzen. Dabei erzählt sie immer wieder von gleichaltrigen Freunden und Freundinnen, die mit schweren Beeinträchtigungen zu kämpfen haben. Herzbeschwerden, inoperable Bandscheibenprobleme, Krebserkrankungen und eben Demenz. In ihrem Fokus liegt dabei nur die Situation der Angehörigen. Wie sie unter den Eskapaden der Erkrankten leiden, wenn diese noch daheim leben können. Wie sie dadurch eingeschränkt werden. Und natürlich wie sie leiden, wenn die dementen Angehörigen schließlich in ein Heim umziehen müssen, weil sie Rundumbetreuung brauchen. Irgendwann erkennen sie dann ihre Partner, ihre Kinder, ihre Familie nicht mehr.

Von Demenz bislang verschont

Selten habe ich mich bisher mit der Seite der Erkrankten selbst auseinander gesetzt. Zum Glück war das bislang in unserer Familie kein Thema. Vielleicht hat mich Dement, aber nicht bescheuert – Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken deshalb so angesprochen.

Mein Bild von der Unterbringung dementer Menschen sieht eher trostlos aus. Verwahrt in muffigen Heimen. Pflege- und Betreuungspersonal, das permament unter extremem Zeitdruck steht und dabei noch schlecht bezahlt wird. Eine Sozialgesetzgebung, der die Verwaltung der Kranken wichtiger ist als ihre sinnvolle Förderung.

Michael Schmieder geht das Problem wohltuend anders an. Auch deshalb, weil die gesetzlichen Verwaltunghürden in der Schweiz niedriger sind. Aber eben auch, weil er erfahren hat, dass jede und jeder Demenzkranke trotz ihrer oder seiner Erkrankung ein Individuum bleibt.

Was macht Heim Sonnweid anders?

Ursprünglich war Heim Sonnweid ein Heim für Seniorinnen aller Stadien und hatte einen mehr als bescheidenen Ruf. Unter der Führung von Michael Schmieder hat es sich gewandelt:

  • Betreut werden jetzt ausschließlich Demenzkranke
  • Wer noch ziemlich fit ist, lebt in Einzel- oder Doppelzimmern in “Demenz-WGs” in eigens erstellten Pavillons. Dabei werden sie in die Alltagsarbeiten eingebunden, soweit es ihre Kräft erlauben. Ziel ist eine möglichst lange Selbstständigkeit zu bewahren.
  • Schwindet die Eigenständigkeit, erfolgt der nahtlose Wechsel in das geschützte “Heim”.
  • Ist eine Rundum-Betreuung nötig, ziehen die Patienten in eine der “Oasen” um, Gemeinschaftsräume mit sorgfältig geplanten Rückzugsmöglichkeiten, die die Privatsphäre beim Waschen und Anziehen wahren. Hier sind die Möbel leicht verschiebbar um immer neue Umgebungen zu schaffen.

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Michael Schmieder

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

Uschi Entenmann

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6

Pfeif auf die Noten und mach trotzdem deine Ausbildung

Du willst eine Ausbildung machen aber deine Noten sind einfach unterirdisch? Dafür bist du ein absoluter Technik-Freak oder ein Naturtalent in Sachen Dienstleistung. Wäre es nicht cool, wenn es Unternehmen geben würde, denen deine Noten egal sind, weil du ins Unternehmen passt? Das hat sich auch die Trumpf Gruppe in Ditzingen bei Stuttgart gedacht und ihr Ausbildungswesen komplett revolutioniert.

setzen 6Ende Januar war ich beim New Work Lab, einer neuen Veranstaltungsreihe der bwcon Stuttgart. Ehe es zum kreativen Teil ging, haben diverse Sprecher mit ihren Themen auf die Arbeitswelt, insbesondere das Personalwesen 4.0, eingeschworen.

Trumpf in Ditzingen: Herausragend anders!

Herausragend für mich: Herr Schneider von der Trumpf Gruppe in Ditzingen bei Stuttgart. Ein Mann, der nicht nur drüber redet, sondern auch macht. Und deshalb hat er „einfach mal“ beschlossen, dass Schulnoten für die Auszubildenden bei Trumpf künftig keine Rolle mehr spielen. Schließlich sagen sie nur, ob jemand in der Schule gut oder schlecht zurecht gekommen ist. Dabei können die jungen Leute tolle Stärken haben, die nur eben für die Schule nicht relevant sein. Neben fachlichen Kompetenzen denke ich dabei auch an Sozialkompetenz, Empathie, Offenheit.

Um die wirklichen Stärken der Jugendlichen, die sich um eine Ausbildung bei Trumpf bewerben, herauszufinden, hat man einen ganz individuellen Onlinetest konzipiert. Mit Erfolg. Die Auszubildenden, die über diesen Test ins Unternehmen gekommen sind, haben sich wunderbar entwickelt.

Die Schule ist not amused

Sehr zum Ärger der Schulen, die sich um ihre Expertise betrogen fühlen. Hatten sie doch seit Anbeginn der Schulpflicht die Hoheit über das Wohl und Wehe junger Menschen. Wer vor den Augen der Lehrer nicht bestehen konnte, dem war viel zu oft der Weg in eine erfolgreiche Zukunft versperrt. Wir alle wissen, dass für ein “Schulversagen” vieles verantwortlich sein kann: Eine stark einseitige, z.B. naturwissenschaftliche Prägung, Lehrpersonal, mit dem man nicht kann, Unter- oder Überforderung, und vieles mehr.

In der Ausbildung wird dann unter anderem mit Design Thinking gearbeitet, also die Kreativität angezapft. Wieder mit großem Erfolg.  Und mit dem Segen der Industrie- und Handelskammer, die bei Lehrlingsberufen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Zwar ist man nicht begeistert aber da die neuen Strukturen mit großer Sachkompetenz eingeführt worden sind, gibt es nichts zu bemängeln.

Als Sahnehäubchen hat man bei Trumpf die Recruitingwege auf der Suche nach Auszubildenden überdacht und ist jetzt dort, wo die Schüler sind: Bei Youtube, Facebook, Twitter und Co. Das Ergebnis: Die Bewerbungen sind von zirka 900 auf über 2.500 gestiegen.

Es wird höchste Zeit, das Schulsystem zu revolutionieren

Für mich ist das ein  hervorragender Ansatz und ein Schritt in die richtige Richtung, endlich unser völlig veraltetes Bildungssystem zu überholen. Es kann nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler im Wesentlichen heute noch genau so ausgebildet werden, wie ich selbst als Schülerin. Wo die Reise hingehen muss, beschreiben unter anderem Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt in ihrem beeindruckenden Buch Die digitale Bildungsrevolution.

 

Der Zauberfaden auf Startnext

Seit 2014 bin ich in der Flüchtlingsarbeit aktiv. In dieser Zeit sind mir viele interessante Projekte begegnet. Eines davon, die Nähwerkstatt Der Zauberfaden  aus Schorndorf findet ihr jetzt auch auf Startnext. Ich freue mich, wenn ich dem/der ein oder anderen Lust auf die coolen, kreativen Produkte machen kann, die Der Zauberfaden aus alten Getreidesäcken und anderen robusten Stoffen herstellt.

Der Zauberfaden bietet Flüchtlingen Beschäftigungsmöglichkeiten und trägt zur Verständigung auf sprachlicher und kultureller Ebene bei.

So beschreibt sich Der Zauberfaden auf seiner Startnext-Seite kurz und knapp selbst. Dabei leisten sie doch so viel mehr. Sie geben Menschen Hoffnung und den Mut, mit etwas Neuem zu beginnen. Menschen, die einen weiten Weg hinter sich haben, die Sprache nicht oder kaum verstehen und wenig Perspektive haben.

Und Der Zauberfaden recycelt gleichzeitig Altes. Aus alten Kornsäcken werden Taschen, Schlüsselanhänger, Mäppchen. Und das alles auf gemeinnütziger Basis und im „Dialog auf Augenhöhe“.

Gegründet wurde Der Zauberfaden 2015 von Sükriye Döker und Klaus Österle. Das Unternehmen beschäftigt aktuell elf Asylsuchende aus fünf Ländern. Und es sollen mehr werden, denn die ausgefallenen und kreativen Produkte, die dort in Handarbeit hergestellt werden, stoßen auf gute Resonanz.

Jetzt seid ihr gefragt!

Damit dieser Traum Wirklichkeit wird, braucht Der Zauberfaden DEINE Unterstützung. Und DEINE. Und DEINE. Ja, und DEINE auch!

Unterstützt das tolle Projekt auf Startnext. Wenn es nicht durch einen finanziellen Beitrag geht, dann teilt die Info in euren Netzwerken. Gebt sie an interessierte Käufer oder potenzielle Kunden weiter und an alle weiter, die der Meinung sind: Solche Projekte müssen unterstützt werden.

Nur so hat Der Zauberfaden eine Chance zu wachsen und gesund zu bleiben.

Und ganz nebenbei: So ein cooler, individueller Matchsack, der es sogar auf die Fashion-Week in Berlin geschafft hat, würde sich doch an mancher Schulter gut machen, oder?

 

Dräger/Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsrevolution

Stellen wir uns vor, in Schulen wird individuell auf jeden Schüler und jede Schülerin eingegangen. Abhängig von den Lernergebnissen des Vortages wird über Nacht der persönliche Lehrplan für den Folgetag erarbeitet. Im Unterricht gibt es dann bei jeder Aufgabe sofort Feedback in Form von Lob oder als Hilfestellung. Wiederum für jeden einzelnen ganz individuell angepasst. Geht nicht? Doch, kann sehr wohl gehen. Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt erklären wie.

Die digitale Bildungsrevolution von Joerg Draeger
Die digitale Bildungsrevolution von Joerg Draeger

In den letzten Jahrzehnten war unsere Gesellschaft permanent im Wandel. Unser Alltag, unsere Umwelt, unsere Arbeitwelt. Das Einzige, was sich kaum entwickelt hat, ist die Art, wie wir lehren. Ein Lehrer steht vor einer Klasse mit 25 Schülerinnen und bietet allen einen standardisierten Unterricht, der sich am Durchschnitt orientiert. Das Ergebnis: Die Schwächsten bleiben auf der Strecke, die Besten langweilen sich. Denn selten hat das Lehrpersonal genügend Spielraum, auf alle Bedürfnisse individuell einzugehen.

Computergestützt und individuell zum Erfolg

Das geht längst auch anders. Die USA, Asien und Lateinamerika machen es vor. Dort, wo der Zugang zu guter Bildung entweder sehr teuer oder nur schwer möglich ist, unterstützt zunehmend Software beim individuellen Lernen. Mit verblüffenden Ergebnissen. Die Leistungen steigen bei der computerunterstützten Lehre signifikant an, den Lehrenden bleibt mehr Zeit, sich individuell um einzelne Bedürfnisse zu kümmern. Zwar gilt das längst noch nicht für alle Fächer, sondern bislang primär für die mathematisch-logischen, aber immerhin.

Ähnlich ist es an Universitäten, zum Beispiel in den USA. Die hohen Studiengebühren stellen für viele Interessenten eine unüberwindbare Hürde dar. Vollzeitpräsenz machen Teilzeitstudierenden ein Studium unmöglich. Seit einiger Zeit veröffentlichen immer mehr Universitäten ihre Lehrmaterialien im Netz und ermöglichen so Interessierten als aller Welt den Zugriff. Sie können Klausuren teilnehmen und Abschlüsse machen. Ohne je eine Universität von innen gesehen zu haben. Und lassen dabei die “klassischen” Studierenden um Längen hinter sich.

Digitalisierung und Big Data im Dienst der Bildung

Dräger und Müller/Eiselt schildern eindrücklich, wie sich die Digitalisierung und Big Data für die Bildung in unserem Land nutzen lassen. Vorausgesetzt wir überwinden unsere Abwehrhaltung dagegen und überwinden “Standesdünkel”. Denn interessanterweise haben wir hier im Bildungssystem die gleichen Probleme wie in der freien Wirtschaft.

Lehrer bangen um ihre Jobs, anstatt die Vorteile solcher Lehrmethoden zu sehen und sich auf Veränderungen einzulassen. Vorausgesetzt, ihnen wird vorab der passende Hintergrund zum Umgang mit den digitalen Lehrmethoden und deren Anwendung intensiv vermittelt. Professoren, die begnadete Lehrer sind, bangen um ihre Reputation, wenn sie primär mit dieser Stärke arbeiten und weniger Zeit in die Forschung investieren sollen. Dafür wären andere stärker mit der Korrektur von Klausuren und Abschlussarbeiten beschäftigt. Kurz gesagt: Hierarchien werden aufgeweicht, was in unserer Gesellschaftsstruktur immer als Verlust der persönlichen Bedeutung Einzelner gesehen wird.

Lehrende nutzen ihre Stärken: Sie lehren!

Was ist so schlimm daran, wenn auch in der Lehre jeder seinen Stärken entsprechend eingesetzt wird, seine Kernkompetenzen bestmöglich ausleben kann und seine Begeisterung so an Schülern, Auszubildende oder Studierende weitergibt?

Ich bin keine Lehrerin oder Dozentin, aber ich stelle es mir bereichernd vor, zu sehen, dass den Menschen, die ich ausbilden soll, bestmöglich versorgt zu sehen und zusätzlich genug Zeit zu haben, im Einzelfall ganz individuell persönlich zu unterstützen. Dahin müssen wir kommen, wenn wir mittelfristig ein hohes Bildungsniveau in unserem Land halten wollen. Denn in anderen Ländern ist man da weniger zögerlich. Dazu kommen unzählige bildungshungrige Menschen, die dank MOOCs (Massive Open Online Courses), Online-Universitäten und Online-Lernprogrammen endlich ihren Hunger Kosten stillen können. Wenn wir nicht wollen, dass wir bildungstechnisch das Nachsehen haben, müssen wir unser Bildungssystem revolutionieren. Und zwar dringend und schnellstmöglich.

Ein Muss für alle, die mit Lehre zu tun haben

“Die Digitale Bildungsrevolution” von Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Zum einen, weil ich selbst Weiterbildung liebe und in unregelmäßigen Abständen meine Dosis brauche. Aber auch, weil ich die Anregungen und die vorgeschlagenen Wege so selbstverständlich finde. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie man sich diesen Ansätzen aufgrund von Prestigedenken entziehen kann oder dubioser Ängste verweigern kann.

Ein Lese-Muss für alle, die mit Ausbildung und Lehre zu tun haben.

Die Autoren

Kaum jemand in Deutschland hat wohl einen besseren Überblick über die Chancen und Folgen des digitalen Lernens als Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt.

Jörg Dräger, geboren 1968, ehemaliger Hamburger Wissenschaftssenator und heutiger Vorstand der Bertelsmann Stiftung, gilt als ausgewiesener Bildungsexperte. Der Buchautor – 2011 erschien bei der DVA Dichter, Denker, Schulversager – ist ein gefragter Redner und Impulsgeber zur Zukunft der Bildung.

Ralph Müller-Eiselt, Jahrgang 1982, ist mit Internet und sozialen Medien aufgewachsen. Er forscht für die Bertelsmann Stiftung, wie der digitale Wandel unsere Gesellschaft verändert, und twittert (@bildungsmann, @Bildung_Digital) und bloggt (digitalisierung-bildung.de) über die Bildung von morgen.

Buchinfo: Die digitale Bildungsrevolution von Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt, erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt, 28.09.2015, 240 Seiten (Printausgabe), eBook, 13,99 €, ISBN: 978-3-641-17258-9. Vielen Dank für das Leseexemplar.