Sebastian Kühn: Das Handbuch für digitale Nomaden

Selbstbestimmt leben, ortsunabhängig arbeiten, davon träumen immer mehr Menschen. Und sie setzen es zunehmend auch um. “Das Handbuch für digitale Nomaden” von Sebastian Kühn könnte sich zum perfekten Begleiter auf dem Weg dahin entwickeln.

Digitale NomadenWas früher noch undenkbar war, ist heute – zumindest in meinem beruflichen Umfeld – immer öfter an der Tagesordnung. Gemeint ist damit die digitale Welt des Online Marketings, der Content Erstellung, der Social Media Jobs. Also eine Arbeitswelt, in der es im Grunde egal ist, ob ich meine Arbeit direkt im Unternehmen, daheim oder auf Hawaii erledige. So lange die Kommunikation gewährleistet ist und man selbst keine Probleme mit der notwendigen Disziplin hat, ist es völlig egal, wo der Stuhl steht oder die Hängematte hängt.

Seit 2013 Cloudworkerin im Patchworkmodell*

Ich selbst arbeite jetzt seit 2013 von daheim, also im Grunde ortsungebunden. Und ich muss sagen: Es verdirbt einen für 9 to 5 im Büroknast. Dabei habe ich mich anfangs mit gemischten Gefühlen auf das Experiment Teilzeit Homeoffice eingelassen. Es war mein Bauchgefühl, das meinte: DAS ist der passende Arbeitgeber für dich. Ich bin ihm gefolgt und tatsächlich, es war genau richtig.

Teilzeit Festanstellungschef in München, ich in der Nähe von Stuttgart. Dazu noch freiberufliche Jobs aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands. Und viel mehr Kreativität und innovative Ideen als jemals zuvor. Seit Februar 2016 sitzt mein Arbeitgeber in Berlin bzw. Hamburg und ich immer noch daheim. Gäbe es meine süße kleine Katze nicht, vielleicht auch an wechselnden Orten irgendwo auf der Welt.

Das Handbuch hilft (nicht nur) bei den ersten Schritten

Wer jetzt denkt: “Hmm, das würde mir auch gefallen und eigentlich gibt es mein Job ja auch her, aber wie geht das?” dem lege ich “Das Handbuch für digitale Nomaden” von Sebastian Kühn ans Herz.

Kühn beschreibt ausführlich und Schritt für Schritt, welche Voraussetzungen man braucht, um ortsunabhängig arbeiten und selbstbestimmt leben zu können. Seine Themen:

  • Selbstbestimmt leben
    • Verantwortung übernehmen
    • Unsicherheit akzeptieren
    • Anker reduzieren
    • Finanzen ordnen
    • In der Gegenwart leben
  • Ortsunabhängig arbeiten
    • Remote Worker: Kompromisse ohne Anwesenheitspflicht
    • Freelancer: Services anbieten
    • Infopreneur: Digitales Wissen verkaufen
    • Entrepreneur: Lifestyle Business aufbauen
  • Lifestyle Business
    • Idee, Nische und Positionierung
    • Geschäftskonzept erstellen
    • Validierung der Geschäftsidee
    • Umsetzung mit Komponenten
    • Ausbau der Reichweite
    • Kontinuierliche Optimierung
    • Outsourcing und Automatisierung
  • Rechtliche Selbstständigkeit
    • Passende Rechtsform finden
    • Gründungszuschuss: Fördermittel beantragen
    • Gewerbe anmelden
    • Versicherungen und Vorsorge
    • Steuern für dein Gewerbe
    • Buchhaltung für Nicht-Buchhalter
    • Grundsätzliches zum Internetrecht
  • Digitale Selbstständigkeit
    • Routinen: Deinen Arbeitsrhythmus finden
    • Produktivität: Techniken und Tools
    • Arbeitsplätze: Wo es sich gut arbeiten lässt
    • Technik: Dein digitales Büro
    • Austausch mit Gleichgesinnten
    • Lebenslanges Lernen
    • Nachhaltig denken und handeln
  • Reisen und Arbeiten von unterwegs
    • Kosten sparen: Geo-Arbitrage und Travel Hacking
    • Erreichbarkeit: Telefon, Briefpost und Internet
    • Reisekrankenversicherung und Gesundheit
    • Visumsangelegenheiten
    • Unterwegs an Bargeld kommen
    • Nachhaltiges Reisen
    • Locations: Die besten Orte zum Arbeiten und Leben
    • Testlauf: Ortsunabhängigkeit auf Probe
  • Langfristig ausreisen
    • Wohnsitz aus Deutschland abmelden
    • Vor der Ausreise: Wohnsitzloses Leben vorbereiten
    • Offshore Strategien: Unabhängigkeit durch Internationalisierung
    • Ausflaggen: Die ultimative Ortsunabhängigkeit

So, ganz schön viel Inhaltsangabe, die es normalerweise in meinen Besprechungen nicht gibt. In diesem Fall war es aber der einfachste Weg, aufzuzeigen, wie umfangreich das auf den ersten Eindruck “schmale” Buch daher kommt. Meine erste Reaktion war nämlich: What?! Und das kleine Buch soll komplette Leben umkrempeln?

Ja, das kann es. Ganz nebenbei ist es noch ein prima Leitfaden für Existenzgründer. Denn Cloudworker gibt es ja (noch) deutlich mehr in der Startup-Szene. Wer sein eigener Chef ist, kann ja erst recht bestimmen, wie und wo er oder sie arbeitet.

Ich finde es toll!

Ich glaube, ihr könnt es schon ahnen. Mich hat “Das Handbuch für digitale Nomaden” begeistert. Zum einen, weil es viele meiner eigenen Gedankengänge bestätigt hat. Zum anderen, weil es mir gezeigt hat, dass ich “technisch” aktuell gut aufgestellt bin. Und letztendlich auch, weil ich besser verorten kann, wo ich in meiner Entwicklung gerade stehe und wohin die Reise gehen kann/wird.

Außerdem hat Sebastian Kühn einen locker entspannten Schreibstil, der ohne großes Buzzword Bingo auch für Neueinsteiger und -einsteigerinnen gut zu lesen ist.

Von mir eine klare Leseempfehlung!

Sebastian Kühn

Sebastian Kühn lebt und arbeitet seit 2012 unter anderem in Shanghai als ortsunabhängiger Unternehmer. Sein Werdegang führte ihn über das Freelancing und den Aufbau einer Marketingagentur hin zur Erstellung von Informationsprodukten. Heute berät er Menschen über seinen Blog, eine Onlinecommunity und Veranstaltungen vor Ort dabei, ebenfalls ihren eigenen selbstbestimmten Lebensweg einzuschlagen.

Buchinfo: Das Handbuch für digitale Nomaden von Sebastian Kühn, erschienen bei Redline, Februar 2016, Hardcover, 320 Seiten, € 19,99, ISBN 978-3-86881-624-2. Natürlich auch digital erhältlich. Danke an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

* Cloudworking im Patchworkmodell: Eigentlich war ich ja der Meinung, ich arbeite Teilzeit Homeoffice. Inzwischen habe ich aber gelernt, dass das nicht annähernd hipp genug klingt. Homeoffice ist sooo 1999! Das heißt jetzt Cloudworking, bzw. es gibt schon wieder einen neuen Namen, der mir aber nicht mehr einfällt. Und die Mischung aus Teilzeit Festanstellung und freiberuflichen Aufträgen nennt sich zeitgemäß Patchworkmodell. Wenn du/sie also noch jemanden suchen, die freiberuflich und z.B. projektbezogen Communitys und Social Media Channels betreut, Webseitentexte oder Blogposts für Corporate Blogs erstellt, Blogger Events planen oder ganz einfach ein paar gute Tipps für den Einstieg in die digitale Szene haben wollen (bodenständig und ohne großes Trallala, das reicht für den Anfang), dann einfach melden. Vielleicht finden wir freiberuflich zusammen. 

 

Blogger schenken Lesefreude: Krisen-PR von Hartwin Möhrle

Blogger schenken Lesefreude zum Welttag des Buches und ich schenke dir ein brandneues Buch. Damit dich der unerwartete Gewinn nicht in die Krise stürzt, habe ich mir bei der Titelauswahl große Mühe gegeben!

Freu dich auf die aktuellste dritte überarbeitete und aktualisierte Auflage eines absoluten Standardwerks der Krisenkommunikation:

Krisen-PR von Hartwin Möhrle

Wer sich näher mit Unternehmenskommunikation befasst, kennt Krisen-PR. Und er oder sie weiß, wie sehr sich die Kommunikationswege verändert haben. Also höchste Zeit, sich auf den aktuellen Stand zu bringen.

Krisen-PR

WILL ICH HABEN!

Du willst “Krisen-PR” haben? Kannst du. Indem du mir im Kommentar unter diesem Beitrag – und nur da! – Folgendes verrätst:

Was sind für dich die entscheidenden Unterschiede zwischen der Kommunikation von heute und der von vor fünf oder zehn Jahren?

Bitte beachte dabei folgende Punkte:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 30.04.2015 unter diesem Blogpost einen Kommentar. Beantworte darin die oben gestellte Frage.
  • Verlost wird ein Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an FAZ Buch, die das Buch  zur Verfügung stellt.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 04.05.2015.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Und jetzt viel Glück und viel Spaß mit dem Buch!

Nicht dein Geschmack? Kein Problem. Vielleicht ist ja Social Media Manager von Vivian Pein was für dich. Und auf  Leselustich gibt es noch mehr. Einfach gleich nachsehen.

Blogger schenken Lesefreude: Social Media Manager von Vivian Pein

Und schon wieder ist Welttag des Buches. Klar, dass ich da im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude wieder ein paar Menschen mit wertvollen Büchern glücklich machen möchte.

Das erste Buch, das ich ins Rennen schicke, wurde bereits in der ersten Ausgabe zum absoluten Klassiker. Jetzt kannst du dir die deutlich und umfangreich aktualisierte zweite Auflage sichern. Druckfrisch und direkt vom Verlag darf ich dir

Social Media Manager von Vivian Pein

schenken. Sofern dir die Glücksfee hold ist.

Social Media Manager

WILL ICH HABEN!

Du willst “Social Media Manager” haben? Kannst du. Indem du mir im Kommentar unter diesem Beitrag – und nur da! – Folgendes verrätst:

Was muss man als Social Media Manager auf jeden Fall beherrschen?

Bitte beachte dabei folgende Punkte:

  • Hinterlasse ab sofort bis spätestens 30.04.2015 unter diesem Blogpost einen Kommentar. Beantworte darin die oben gestellte Frage.
  • Verlost wird ein Exemplar des o.g. Buches. Danke dafür an den Rheinwerk Verlag, der das Buch zur Verfügung stellt.
  • Die Verlosung erfolgt bis spätestens 04.05.2015.
  • Der oder die Gewinnerin wird zur Ermittlung der Versandadresse von mir per E-Mail kontaktiert, also gebt bitte eine E-Mail-Adresse an. E-Mail- und Versandadresse werden von mir ausschließlich zum Versand des Buches verwendet.
  • Gib keine Adressen in den Kommentaren an (Datenschutz!).
  • Mit der Teilnahme stimmst du zu, dass ich deine Anschrift an den Rheinwerk Verlag weiterleite. Dein Gewinn geht dir dann druckfrisch vom Verlag zu.
  • Versendet wird ausschließlich an Adressen in Deutschland.

Und jetzt viel Glück und viel Spaß mit dem Buch!

Nicht dein Geschmack? Kein Problem. Vielleicht ist ja Krisen-PR von Hartwin Möhrle etwas für dich. Und auf Leselustich gibt es noch mehr. Einfach gleich nachsehen.

Zukunft? Freue ich mich drauf!

Es gibt Menschen, die nicht mehr missen möchte. Manche davon sehe ich nur sehr selten und kurz und trotzdem ist da dieses Gefühl, nie neu anfangen zu müssen mit einem Gespräch. Irgendwie immer alles nahtlos fortsetzen zu können.

MutEiner dieser Menschen ist Jan Westerbarkey. Bei unserer ersten Begegnung hat er alles ausgesprochen, was ich mir so vor mich hin gedacht habe. Gedacht, aber nicht diskutiert. Zum einen haben mir damals die passenden Diskussionspartner gefehlt. Menschen, mit freiem Geist, die sich vorstellen konnten, dass eine ganz andere Arbeits- und Lebenswelt genauso gut oder sogar noch viel besser funktionieren könnte, als es unsere jetzige tut. Zum anderen bin ich bis dahin auf so viel Widerstand bei meinen Fragen nach dem wie, warum und weshalb gestoßen, dass ich verunsichert war, ob meine Gedanken wirklich richtig sein konnten.

Jedenfalls hat sich unser Gespräch für mich wie ein großes Ausatmen für mich angefühlt. Da war jemand, der meine Ansätze verstand und der sie schon längst weiter gesponnen hatte. Und der mir neue Knobeleien und Anregungen mit auf den Weg gab. Herrlich!

Deshalb möchte ich einen Aufsatz von Jan Westerbarkey zur Arbeitswelt von morgen mit euch teilen. Ich habe ihn eben auf LinkedIn gefunden und saß nickend vor dem Rechner. Leider habe ich keine „Teilen“-Funktion zu WordPress gefunden, deshalb ein kleiner Umweg:

SiTra macht erfinderisch

Eine Geschichte voller Veränderungen. Aber ohne Überraschung. Wer Vorgänge vor allem abwickelt oder in seinem Alltag einem festgeschriebenen Ablauf folgt, fällt in diese Kategorie. Die Arbeit des einfachen Bankangestellten kann im Zweifel durch Software oder Automaten ersetzt werden, genau wie die Kassiererin im Supermarkt, deren Job bald ein RFID-Chip erledigt. Auch der Callcenter-Mitarbeiter, der Standardfragen beantwortet, ist künftig ersetzbar – durch weniger gut ausgebildete Arbeitsplätze. Ein Meister muss schon heute Menschen führen können und mit Kunden reden. Mit der Breite des neuen Anforderungsprofils schwinden die alten Berufe.

[…]

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Viel Spaß damit!

Was gibt es Neues bei Trello?

Mein letzter Beitrag zum Thema Trello ist schon eine Weile her. In den letzten Monaten habe ich dank meiner Weiterbildung wenig Gelegenheit gehabt, damit zu arbeiten. Deshalb sind die Neuerungen, die ich heute vorbereitet habe, auch nicht mehr ganz taufrisch aber dafür nicht weniger interessant.

Die Invite-Links

Teilnehmerinnen und Teilnehmer können jetzt noch einfacher zu deinem Trello Board hinzugefügt werden. Dazu brauchst du nicht mehr zwingend eine E-Mail-Adresse.

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Über „Mitglieder hinzufügen“ kannst du jetzt einen individuellen Einladungslink erstellen, der sich problemlos in jeden Chat oder jedes Forum einbinden lässt.

Zeitstempel im Chat aktiviert

Wie von anderen Plattformen bekannt, kann jetzt auch im Trello Chat der Zeitstempel aktiviert werden. Zeitstempel aktiviert? Wtf? Klingt komplizierter als es ist. Jeder von euch hat schon mal in einem Chat gescrollt und gescrollt, um einen bestimmten Eintrag wiederzufinden. Deutlich leichter wird das, wenn direkt zum passenden Eintrag verlinkt werden kann. Das geht ganz einfach.

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Quelle: Trello

Jeder Eintrag ist mit Datum und Uhrzeit, dem sogenannten Zeitstempel, versehen. Klickt man im Chat direkt auf diese Uhrzeit, öffnet sich der Direktlink zur Nachricht, die genau zu diesem Zeitpunkt geschrieben wurde. Umständliches Suchen erübrigt sich also.

Was zum Teufel soll ich mit Trello?

Wer jetzt brav bis hier gelesen hat, aber immer noch denkt „Und was soll ich jetzt damit?“, der oder dem empfehle ich einen Link in die Inspirationsseite von Trello. Dort stellen einige Nutzer ihre Boards und deren Nutzung vor.

Vielleicht ist ja etwas für dich dabei!

Wenn das der Fall ist und du Trello jetzt auch probieren möchtest, dann freue ich mich, wenn du zur kostenlosen Registrierung folgenden Link benutzt:

Klick dies! Jetzt! Sofort!https://trello.com/ulrike_r/recommend 😉

Dann bekomme ich pro Anmeldung einen Monat Trello Gold umsonst. Also ein paar erweiterte Funktionen, die normalerweise kostenpflichtig sind. Ihr selbst verpflichtet euch dabei zu nichts.

Hier gibt es mehr zu Trello auf Ulrike kommuniziert

Dement, aber nicht bescheuert – Teil II

Vor einigen Tagen habe ich mit der Besprechung des Buches “Dement, aber nicht bescheuert” von Michael Schmieder begonnen. Aus einer klassischen Rezension ist allerdings deutlich mehr geworden. Nennen wir es “ein Plädoyer für einen besseren Umgang mit Menschen”, das für einen einzigen Blogpost zu viel war.

Dement aber nicht bescheuertDoch der Reihe nach. Warum mich das Thema Demenz überhaupt interessiert und die ersten Eindrücke von Heim Sonnweid habe ich in “Dement, aber nicht bescheuert – Teil I”  beschrieben. In Teil zwei will ich weiter auf die Besonderheiten des Heimes eingehen und warum mir diese so selbstverständlich und naheliegend erscheinen.

Eine Welt für die Kranken schaffen

Wie schon erwähnt, setzt man in Sonnweid nicht auf isolierende Einzel- oder Doppelzimmer, sondern auf Gruppenstrukturen, die entsprechend der Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst werden. Auslöser dafür war die Erfahrung, dass demente Menschen ruhiger sind, wenn sie unter Menschen sind. Dabei wird auf ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre geachtet.

Eigentlich verständlich. Ich würde mich auch wohler fühlen, wenn ich nicht Tag für Tag isoliert in einem Zimmer sitzen oder liegen müsste.

Warum sollen sich die kranken Menschen anpassen?

Ein weiterer, in meinen Augen sehr wichtiger Punkt, ist generell die Haltung der Heimleitung und ihrer Belegschaft, demente Menschen nicht mit dem Maßstab der “gesunden” Welt zu messen. Egal, ob für einen Bewohner ein Matratzenlager auf dem Boden ausgelegt wird, weil er sich nur auf dem Boden wohlfühlt und vorher immer versuchte, aus dem Bett zu klettern, was ein erhöhtes Sturzrisiko bedeutet hat. Oder ob man sich äußerst intensiv mit der Vergangenheit eines Menschen auseinandersetzt und feststellt: Er isst deshalb nichts am Tisch, weil er aus einem streng katholischen Elternhaus kam, in dem vor dem Essen gebetet wurde. Setzt man diese Tradition fort, ist plötzlich die Ernährung kein Problem mehr.

Es ist nicht zu überhören, ich bin begeistert von Schmieders Strategie. Sie ist geprägt von hohem Respekt und immer neuer Reflexion der individuellen Bedürfnisse jedes Kranken. Und ich freue mich zu lesen, dass es inzwischen auch in Deutschland erste Heime gibt, die das “Sonnweid-System” aufgreifen. Denn so respektvoll möchte ich auch behandelt werden, sollte ich je an Demenz erkranken.

Warum es in Deutschland so schwierig ist

Ich weiß aber auch, dass die Umsetzung solcher Maßnahmen in Deutschland ungleich schwieriger ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die gesetzlichen Auflagen an die Pflege sind deutlich höher als in der Schweiz. Ob sie in dieser Form allerdings wirklich nötig sind und ob den Kranken Menschen selbst weiter hilft, steht auf einem anderen Blatt. Daran lassen mich Berichte über einen überbordenden Verwaltungsaufwand auf Kosten der Betreuungszeit in deutschen Heimen stark zweifeln.
  • Der Pflegeschlüssel in deutschen Einrichtungen ist nicht auf die intensive Betreuung, wie sie in Sonnweid Alltag ist, ausgelegt. Er ist zu niedrig. In meinen Augen würde hier Minimierung des Verwaltungsaufwandes in der Pflege die Situation schon deutlich aber nicht ausreichend entspannen.
  • Die Wertschätzung für pflegende Menschen in unserer Gesellschaft ist nicht annähernd hoch genug. Erst recht nicht die Bezahlung. Was Pflege- und Betreuungspersonal tagtäglich bereitwillig auf sich nimmt, egal ob in der gewerblichen oder in der privaten Pflege, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aber das verstehen viele erst dann, wenn sie selbst auf diese Hilfe angewiesen sind.

Ja, ich weiß, ich fordere Gelder und Zeit, um die Pflegesituation nicht nur dementer Menschen deutlich zu verbessern. Und ich weiß, dass beides knapp ist. Aber ich habe auch gesehen, dass es anders geht. In Ländern, die deutlich weniger Wohlstand haben als wir.

Ist die Fassade wirklich wichtiger?

Aber dort haben haben sich die deutschen Touristen, die mit mir unterwegs waren, darüber beschwert, wie schlecht die Straßen seien, wie wenig adrett die Häuser, usw. Dass dafür die Alten und Kranken kostenlos versorgt werden und massiv in die Ausbildung der Kinder investiert wird, wollten sie nicht gelten lassen.

Vielleicht müssen wir ja endlich unsere Schwerpunkte verschieben. Ich würde es mir wünschen. Für uns alle.

Allen, die sich mit dem Thema Demenz näher befassen, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

MICHAEL SCHMIEDER

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

USCHI ENTENMANN

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6

Michael Schmieder / Uschi Entenmann: Dement, aber nicht bescheuert – Teil I

Wenn ich hier über Zukunftsthemen schreibe, dann handelt es sich meist und Arbeitsszenarien der Zukunft. Aber nicht nur. Für mich ist der Umgang mit Inselbegabungen, wie sie zum Beispiel bei Menschen aus dem autistischen Spektrum auftreten, ebenso Thema wie die Folgen der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft. Dazu gehört auch die Demenz, die uns mit steigender Lebenserwartung zunehmend zu schaffen macht. Den Patienten, den Angehörigen, den Pflegenden.

Dement aber nicht bescheuertMeine Mutter ist gerade 80 geworden und geistig und körperlich völlig fit. Und sie weiß es nicht zu schätzen. Dabei erzählt sie immer wieder von gleichaltrigen Freunden und Freundinnen, die mit schweren Beeinträchtigungen zu kämpfen haben. Herzbeschwerden, inoperable Bandscheibenprobleme, Krebserkrankungen und eben Demenz. In ihrem Fokus liegt dabei nur die Situation der Angehörigen. Wie sie unter den Eskapaden der Erkrankten leiden, wenn diese noch daheim leben können. Wie sie dadurch eingeschränkt werden. Und natürlich wie sie leiden, wenn die dementen Angehörigen schließlich in ein Heim umziehen müssen, weil sie Rundumbetreuung brauchen. Irgendwann erkennen sie dann ihre Partner, ihre Kinder, ihre Familie nicht mehr.

Von Demenz bislang verschont

Selten habe ich mich bisher mit der Seite der Erkrankten selbst auseinander gesetzt. Zum Glück war das bislang in unserer Familie kein Thema. Vielleicht hat mich Dement, aber nicht bescheuert – Für einen neuen Umgang mit Demenzkranken deshalb so angesprochen.

Mein Bild von der Unterbringung dementer Menschen sieht eher trostlos aus. Verwahrt in muffigen Heimen. Pflege- und Betreuungspersonal, das permament unter extremem Zeitdruck steht und dabei noch schlecht bezahlt wird. Eine Sozialgesetzgebung, der die Verwaltung der Kranken wichtiger ist als ihre sinnvolle Förderung.

Michael Schmieder geht das Problem wohltuend anders an. Auch deshalb, weil die gesetzlichen Verwaltunghürden in der Schweiz niedriger sind. Aber eben auch, weil er erfahren hat, dass jede und jeder Demenzkranke trotz ihrer oder seiner Erkrankung ein Individuum bleibt.

Was macht Heim Sonnweid anders?

Ursprünglich war Heim Sonnweid ein Heim für Seniorinnen aller Stadien und hatte einen mehr als bescheidenen Ruf. Unter der Führung von Michael Schmieder hat es sich gewandelt:

  • Betreut werden jetzt ausschließlich Demenzkranke
  • Wer noch ziemlich fit ist, lebt in Einzel- oder Doppelzimmern in “Demenz-WGs” in eigens erstellten Pavillons. Dabei werden sie in die Alltagsarbeiten eingebunden, soweit es ihre Kräft erlauben. Ziel ist eine möglichst lange Selbstständigkeit zu bewahren.
  • Schwindet die Eigenständigkeit, erfolgt der nahtlose Wechsel in das geschützte “Heim”.
  • Ist eine Rundum-Betreuung nötig, ziehen die Patienten in eine der “Oasen” um, Gemeinschaftsräume mit sorgfältig geplanten Rückzugsmöglichkeiten, die die Privatsphäre beim Waschen und Anziehen wahren. Hier sind die Möbel leicht verschiebbar um immer neue Umgebungen zu schaffen.

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Michael Schmieder

geboren 1955, leitet das Heim Sonnweid bei Zürich. Er ist ausgebildeter Pfleger und hat einen Master in Ethik

Uschi Entenmann

Jahrgang 1963, ist Autorin bei Zeitenspiegel Reportagen in Weinstadt bei Stuttgart

Buchinfo: Dement, aber nicht bescheuert von Michael Schmieder und Uschi Entenmann, erschienen bei Ullstein, 23.10.2015, 224 Seiten, Klappenbroschur, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08102-6